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Eltmann
Motorrad 

"Es ist wie im Wohnzimmer"

Honda-Gold-Wing-Biker aus ganz Deutschland und darüber hinaus trafen sich in Eltmann - und dampften dahin.
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Für kleine Jungen wie Nicolas ist eine Ausfahrt in dem Gespann von Petra Langer etwas Besonderes.
Für kleine Jungen wie Nicolas ist eine Ausfahrt in dem Gespann von Petra Langer etwas Besonderes.
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Günther geiling

Königinnenbesuch am Wochenende in Eltmann? Ja, und zwar die "Königinnen der Landstraße" - die Honda Gold Wings - gaben sich ein Stelldichein und zogen die Blicke auf der Mainhalbinsel in Eltmann und bei ihren Ausfahrten auf sich. Kein Zweirad erregt wohl so viel Aufsehen wie die Gold Wing, zumal das Kultmotorrad oder die "dicke Diva", wie sie auch genannt wird, mehr bietet als so manches Auto.
Das Honda-Biker-Treffen fand zum ersten Mal in Eltmann statt, nachdem die Anhänger der Maschinen schon zwei Mal in Geiselwind zusammengekommen waren. Oliver Jock und Martin Göller mit ihren Familien hatten das Treffen einmal nach Eltmann holen wollen, und das gelang. Sie sorgten für eine gute Organisation und einen schönen Aufenthalt der Motorradfreunde in der kleinen Zelt- und Wagenstadt. Die fast 80 Wing-Biker kamen teilweise von weit her: aus Bielefeld, Münster, Brandenburg, Potsdam, Weimar, sogar aus Österreich, den Niederlanden und aus Polen und natürlich aus der Umgebung.
Schon bei ihrer Ankunft auf der Mainhalbinsel spürten die Zuschauer, dass Gold-Wing-Fahrer kultivierte Menschen mit Stil sind und keine wilden Rocker. Mit einem angenehm ruhigen Sound kamen sie an ihrem Ziel an. Dabei saßen die Fahrer und Fahrerinnen stolz auf ihrem "opulent gepolsterten Fernsehsessel", denn Chefsessel und Soziussofa bilden angeblich die wohl bequemste Sitzbank der Welt.
Petra Leicht aus Bischberg gehört zu der Schar der Biker. Ihr Stolz ist ihre neue GLF 6B, Baujahr 2014, in modernem, rotem Design. Seit Oktober 2016 fährt sie die Maschine. Schon als Jugendliche hat sie sich für die Zweiräder interessiert, ist aber erst vor zehn Jahren durch ihren Mann zur Gold Wing gekommen. "Ich betreibe mein Hobby sehr intensiv und bin von Mitte April bis jetzt schon 4000 Kilometer gefahren. Jede freie Minute verbringe ich auf und mit meiner Maschine", sagt sie. Von ihren Ausfahrten, die sie über Deutschland hinaus nach Ungarn, Polen und sogar in die Ukraine führten, schwärmt sie ganz besonders.
"Der Komfort ist das A und O und der ist auf meiner Maschine vorhanden, denn es ist hier wie im Wohnzimmer. Meine Wing ist ausgestattet mit ganz bequemer Sitzfläche und Kofferraum für die weite Reise", schildert die Bischbergerin.
Auf die schweren Motorradunfälle zu Beginn dieser Saison angesprochen, meint sie: "Rasen bringt es nicht und wir sind auch keine Raser und keine Rennfahrer. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten unserer Fahrer schon über 40 sind. Dabei hat meine 1800er Maschine mit 118 PS durchaus Power und im Nu habe ich auf 160 Stundenkilometer beschleunigt. Aber das ist nicht unsere Welt."
Als erfahrene Bikerin macht sich auch Petra Langer aus Bielefeld mit ihrem Gold-Wing-Gespann bereit. Mit ihrer 1500-er Maschine war sie schon in Kroatien und Italien, begleitet von ihrem Mann, der aber auf seinem eigenen Honda-Luxusgefährt sitzt. Im nächsten Jahr soll es nach Amerika gehen. "Das Gespann war nötig, denn wir sind eine Familie mit drei Kindern, und der jüngste mit 15 Jahren fährt auch heute noch gerne mit. Außerdem haben wir noch einen Anhänger dabei für unseren Hund."
"Ich bin nun seit dem Jahre 2006 Gold-Wing-Biker, und das war schon immer mein Traum", gesteht der 56-jährige Siegfried Hümmer aus Köslau. Natürlich habe erst die Familie mit der Erziehung der Kinder im Vordergrund gestanden. Zwei Tage vor seinem Motorradführerschein hat er einen schweren Motorradunfall miterlebt, bei dem er als zweiter an die Unfallstelle gekommen ist. Ein Motorradfahrer war mit einem Ford zusammengestoßen und hat, wie der Köslauer schildert, nicht überlebt. "Da habe ich mir schon überlegt: Willst du das noch?"


Viel Konzentration

Aber er habe die Vision vom Fahren eines Zweirades gehabt, sei sich aber im Klaren darüber gewesen, "dass man dreimal so konzentriert wie ein Autofahrer sein muss." Er hat auch miterlebt, wie Freunde ein Kind verloren, und erinnerte an zwei Motorradunfälle mit tödlichem Ausgang: vor kurzem in Rudendorf und vor einigen Jahren bei Bramberg. "Wenn ich an diesen Stellen vorbeifahre, denke ich immer an das hohe Risiko, aber ich tue alles für die Sicherheit, dass alles an meiner Gold Wing top ist und ganz besonders Reifen und Bremsen. Das steht nicht bei allen im Vordergrund."


Eigenes Erlebnis

Trotzdem weiß er, dass es jeden treffen kann, auch unverschuldet. Im letzten Jahr ist ihm selbst ein Unfall passiert: ein Zusammenstoß mit einem Reh.
Siegfried Hümmer fährt erst seit 2006 auf seiner Gold Wing, gepflegt mit Chillen und Musikhören. Das ist eine besondere Maschine: eine 1800-er Wing.
Viele Gold Wings standen in einer Reihe in Eltmann, eine schöner als die andere, teilweise mit Serien-Airbag, integrierten Navigationssystemen und elektrischem Rückwärtsgang oder 80-Watt-Soundsystem. Auch serienmäßige Heizgriffe sowie eine Sitzheizung oder ein Tempomat machen die luxuriöse wie mächtige Gold Wing zu einem besonderen Motorrad.
Höhepunkt des Treffens in Eltmann war das majestätische Dahindampfen auf den Straßen durch das Frankenland.

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