Coburg

Es dröhnt von ganz tief unten

Musik  Auf der Ernstfarm treffen sich, so könnte man meinen, die Ureinwohner Australiens zum Musizieren. Aber es sich Franken, die hier in die Geheimnisse des Didgeridoos eintauchen. Und sogar einem Abflussrohren Töne entlocken.
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Lasst die Röhren dröhnen: Dominik Lösel, Eddy Halat und Timo Wendling (von links) beim Digeridoospielen  Foto: Daniela Pondelicek
Lasst die Röhren dröhnen: Dominik Lösel, Eddy Halat und Timo Wendling (von links) beim Digeridoospielen Foto: Daniela Pondelicek
von unserer Mitarbeiterin 
Daniela Pondelicek

Coburg — Betritt man am Samstagmorgen die Ernstfarm, hört man sofort, wie sich zahlreiche Didgeridoo-Spieler gegenseitig ihr Können zeigen. Bis in die letzten Winkel dringen die exotischen, unverwechselbaren Klänge des Instruments, wobei sich sowohl der Klang der Didgeridoos als auch der Stil der Musizierenden deutlich unterscheidet. Bei den Didgeridoo-Days auf der Ernstfarm sind der Vielfalt keine Grenzen gesetzt und sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene kommen bei den Workshops auf ihre Kosten.
Unter den Kursteilnehmern ist auch Dominik Lösel. Vor sechs Jahren sei sein Musiklehrer auf ihn zugekommen und habe ihm das Didgeridoo empfohlen. "Ich kann keine Noten lesen, deshalb hat er mir nichts anderes zugetraut", gibt er zu.


Ein Lob der Intuition

Nach dreijähriger Pause habe er schließlich wieder das Musizieren angefangen. "Es gefällt mir besonders, dass man das Instrument intuitiv spielt", erzählt er. Zudem könne man auch einfache Haushaltsgegenstände zu Didgeridoos umfunktionieren. "Sei es eine Pavillonstange auf einem Festival oder ein einfaches Abflussrohr aus dem Baumarkt - man findet überall etwas, worauf man spielen kann", erklärt Dominik Lösel. Sein Instrument habe er selbst angefertigt. "Das hat mich quasi nur die Arbeitszeit gekostet.", erklärt er.
Timo Wendling sei schon immer von Didgeridoos fasziniert gewesen. Vor vier Jahren habe man ihm dann schließlich eines geschenkt. "Ich musste mir aber schnell ein neues zulegen, denn das Instrument war unspielbar. Ich konnte es lediglich als Dekoration benutzen", erklärte er. Die Vielseitigkeit des Didgeridoos finde er beim Spielen besonders spannend. "Man kann unzählige verschiedene Töne erzeugen und auch experimentieren. So kann innerhalb des Spieles auch mal Beatboxen", erzählt Timo Wendling. Timo Wendling spiele auch Trompete, doch das unterscheide sich grundlegend vom Didgeridoo. "Dort habe ich Tasten, mit denen ich eine durch Noten vorgegebene Abfolge von Tönen spiele. Mit dem Didgeridoo ist man daran natürlich nicht gebunden und kann frei musizieren", sagt er.
"Je härter das Holz eines Didgeridoos ist, desto besser kann man damit spielen", weiß Eddy Halat. Er leitet den Kurs, an dem Timo Wendling und Dominik Lösel teilnehmen und spielt bereits seit 20 Jahren Didgeridoo. "Ich lege Wert darauf, dass die Teilnehmer im Zusammenspiel von Lippenspannung und Luftdruck ihre Grenzen ausloten, damit sie so ihren eigenen Stil finden können", sagte er.
Gerne erinnere er sich allerdings auch daran zurück, als er für ein Festival zusammen mit Aborigines gespielt habe. "Schon als ich sie am Flughafen abgeholt habe, hat die Chemie einfach gepasst", erzählt er. "Sie haben mich gleich in ihre Familie integriert, ja, fast schon adoptiert. Da merkt man erst, dass das Didgeridoo in Australien eben doch viel mehr ist als nur ein Instrument", schwärmt er.
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