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Hammelburg

Erstmals gibt es kein gemeinsames Osterfeuer

Arkadius Guzy Mehr als 20 Jahre lang gehörte es zur kirchlichen Tradition in der Stadt, dass die katholischen und evangelischen Christen das Osterfeuer geme...
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Arkadius Guzy

Mehr als 20 Jahre lang gehörte es zur kirchlichen Tradition in der Stadt, dass die katholischen und evangelischen Christen das Osterfeuer gemeinsam entzündeten. Nun finden die Osterfeierlichkeiten zum ersten Mal ohne dieses ökumenische Symbol statt.
Das sorgt für Diskussionen und Bedauern - vor allem auf der evangelischen Seite. "In den vier Jahren, die ich in Hammelburg bin, bin ich auf kein Thema von so vielen Leuten aus der Gemeinde angesprochen worden", sagt der evangelische Pfarrer Robert Augustin. Er spricht von Enttäuschung.
Gleichzeitig wisse er aber, dass die katholische Schwestergemeinde sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Viele Jahre lang entzündeten beide Gemeinden Sonntagfrüh gemeinsam das Osterfeuer, danach feierten die Christen beider Konfessionen für sich getrennt die Osternacht, um sich anschließend beim Frühstück zu treffen. Im vergangenen Jahr allerdings wurde der Termin für die Feier der Osternacht auf Wunsch der katholischen Seite dann probeweise von Sonntagmorgen auf Samstagabend vorverlegt.
Der neue Zeitpunkt hat die evangelische Gemeinde nicht überzeugt, die katholische will dagegen auch in diesem Jahr an dem Samstagabend festhalten. Damit fällt die Feier der Osternacht in den beiden Kirchen nun zeitlich auseinander. Im Laufe der langjährigen, ökumenischen Tradition wechselte der Termin für die Osternacht schon mehrere Male zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen - allerdings bisher immer gemeinsam.
Es habe eine Befragung unter den verschiedenen kirchlichen Gruppen gegeben, erklärt der katholische Pfarrer Thomas Eschenbacher. "Eine Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen, den Samstagabend beizubehalten." Der Termin sei besser zu planen und zu organisieren. Auch habe es am Abend mehr Kirchenbesucher gegeben, auch wenn die Zahl nicht der entscheidende Punkt sei, sagt Eschenbacher.
Die Osterfeierlichkeiten bedeuten viel Vorbereitungsaufwand und Arbeit, nicht nur für den Pfarrer, sondern ebenso für den Küster, die Ministranten und die musikalisch Mitwirkenden. Denn neben der Feier der Osternacht steht die Orchestermesse an. Aus katholischer Sicht entzerrt die Verlegung der Osternachtfeier auf Samstagabend die Terminlage. "Die Liturgie der Osternacht ist die komplexeste im Kirchenjahr", gibt Eschenbacher zu bedenken. Die Orchestermesse am Sonntagvormittag sei zudem anspruchsvoll. Aus Sicht der kirchlichen Tradition sei der Abendtermin für die Osterfeier außerdem der stimmigere.


Lebendige Ökumene

"Um die Ökumene mache ich mir keine Sorgen", meint Eschenbacher und verweist auf viele ökumenische Veranstaltungen. In der Pfarrgemeinde gibt es Überlegungen, künftig eine Alternative zum gemeinsamen Osterfeuer anzubieten. Die Katholiken haben die evangelischen Christen außerdem dazu eingeladen, trotz der unterschiedlichen Osternachttermine bei der Entzündung des Osterfeuers am Samstag dabei zu sein.
Pfarrer Robert Augustin meint: "Das gemeinsame Osterfeuer und das gegenseitige Überreichen der Osterkerzen war für mich ein starkes ökumenisches Zeichen, das nicht zu toppen ist. Insofern wird es dafür auch keinen wirklichen Ersatz geben können."
Der evangelische Pfarrer bezeichnet das ökumenische Miteinander in Hammelburg, das über Jahrzehnte gewachsen sei, als herzlich und sehr gut. "Wir haben eine ökumenische Bibelwoche, den ökumenischen Weltgebetstag, ökumenische Kinderbibeltage, das ökumenische Totengedenken am 1. November, ökumenische Schulgottesdienste aller Hammelburger Schulen, eine ökumenische Wallfahrt im Herbst, einen gemeinsamen Gottesdienst am Pfingstmontag und anderes. Auf allen Seiten ist der klare Wille zur Ökumene da. Wir reden einladend und konstruktiv miteinander, auch wir Pfarrer. Da kann noch so manches wachsen."

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