Höchstadt

Erst fragen, dann pflücken

Erntezeit  Sie sind schon verlockend, die Apfel- und Birnbäume am Wegesrand. Doch darf man da einfach pflücken? Wir haben nachgefragt. Fazit: Ein Stück Obst unterwegs geht in Ordnung. Einfach so mit Körben anrücken sollte man jedoch nicht.
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Ein Apfel als Wegzehrung - da drücken die Besitzer meist ein Auge zu. Wer mehr pflücken möchte, sollte aber um Erlaubnis fragen. Foto: Andreas Dorsch
Ein Apfel als Wegzehrung - da drücken die Besitzer meist ein Auge zu. Wer mehr pflücken möchte, sollte aber um Erlaubnis fragen. Foto: Andreas Dorsch
von unserem Redaktionsmitglied 
Miriam Hegner

Höchstadt — Sie stehen an der Landstraße, an einem Feldweg oder auf einer Wiese am Ortsrand: Apfelbäume, übervoll mit reifen Früchten - und niemand scheint sie abzuleeren. Da kann doch keiner etwas dagegen haben, wenn man sich ein paar pflückt - oder doch? Wem gehören diese scheinbar herrenlosen Apfelbäume eigentlich?

Jeder Baum hat einen Besitzer

"Prinzipiell gehört ein Baum immer dem, auf dessen Grund er steht", erklärt Hermann Zehn vom Gartenbauamt Höchstadt. "Steht er in einem Garten oder auf einem privaten Grundstück, gehört er dem Grundstücksbesitzer, befindet er sich auf Gemeindegrund, gehört er der Gemeinde."
Bäume, die direkt an einer Straße oder einem Weg stehen, gehören in den meisten Fällen der Institution, die für diesen Weg oder diese Straße zuständig ist: Handelt es sich um eine Gemeindestraße, gehören Baum und Äpfel also der jeweiligen Gemeinde, bei einer Kreisstraße dem Landkreis. Bei einer Bundesstraße ist das Straßenbauamt Nürnberg zuständig, vertreten durch die Straßenmeisterei Höchstadt. "Feld- und Flurbereinigungswege gehören zu der Gemeinde, in deren Gebiet sie liegen."
Auch der Stadt Höchstadt gehören Obstbäume, etwa am Kellerberg, am Fußweg bei der Drosselstraße, bei der Grundschule Süd oder in Förtschwind. Und wer pflückt die Äpfel? "Wir selbst leeren die Bäume nicht", erklärt Zehn."Bei denen, die in Wohngebieten stehen, gehen wir eigentlich davon aus, dass die Anwohner sich Äpfel holen", sagt er. "Da die Stadt das Obst nicht nutzt, sind wir froh, wenn es so eine gute Verwendung findet."
Am besten den Besitzer fragen

Darf man also pflücken, ohne zu fragen? "Wir halten es so, und ich denke, das ist bei den meisten Gemeinden ähnlich: zwei, drei Äpfel unterwegs gepflückt, da hat keiner was dagegen. Wenn man aber mit Körben und Säcken anrücken will, sollte man immer vorher fragen", so Zehn.
Das empfiehlt auch Otto Tröppner vom Gartenbaukreisverband. "Ich kann gut verstehen, wenn es jemandem um die Äpfel reut, die nicht geleert werden und im Straßengraben landen. Aber fragen muss man auf jeden Fall, ob man sie sich holen darf. Vielleicht will der Besitzer sie ja doch noch leeren oder die Gemeinde hat jemandem zugesagt, dass er leeren darf."
Es komme durchaus vor, dass die Stadt solche Anfragen ereichen. "Wenn bei uns jemand anfragt, ob er Bäume leeren darf, sagen wir in der Regel ja", so Zehn. "Wenn ein Baum nicht allzu viele Äpfel trägt, dann verlangen wir auch nichts dafür. Ansonsten muss man einen kleinen Obolus bezahlen."
Natürlich gehören nicht alle Obstbäume Gemeinden oder Landkreis. "Es gibt ja auch Privatgrundstücke, die bis an die Straße reichen", sagt Robert Ort, Kreisobmann des Bauernverbands. "Und wenn ein Landwirt Obstbäume hat, leert er die in der Regel auch selbst."
Ein guter Hinweis auf die Besitzverhältnisse sei der Straßengraben. "Kommt erst Straße, dann Baum, dann Graben, gehört der Baum meist der Gemeinde, steht er auf einem Grundstück jenseits des Grabens, ist er wahrscheinlich in Privatbesitz."
Es habe durchaus schon Fälle gegeben, wo Landwirten ihre Obsternte geklaut wurde. "Da sind Leute mit dem Anhänger angerückt, ganz frech - und als der Besitzer sie angesprochen hat, haben sie's nicht mal eingesehen", erzählt Ort. Im Zweifelsfall solle man sich lieber schlau machen, wem der Baum gehört, und ob man leeren darf. "Vielleicht ist's dem Besitzer ja auch recht, weil er selbst nicht leeren kann oder möchte."
Otto Tröppner vom Obst- und Gartenbauverband jedenfalls würde sich freuen, wenn es mehr solcher Vereinbarungen gäbe. "Mich reut's immer, wenn ich Obst sehe, das einfach vergammelt. Wäre doch schön, wenn es jemand anders pflücken und verwerten kann."




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