Neuenmarkt
Interview 

Erfolge fordern Flexibilität

Die Präsidentin des BLLV spricht über die Situation vor Ort und bayernweit.
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Simone Fleischmann Foto: Jan Roeder/BLLV
Simone Fleischmann Foto: Jan Roeder/BLLV
Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, über den Besuch an der Verbandsschule.

Welches Fazit ziehen Sie heute nach dem Besuch und den Gesprächen an der Verbandsschule Neuenmarkt?
Simone Fleischmann: Für mich war eindeutig, was uns auch in Zukunft bildungspolitisch beschäftigen muss, Bayern ist in allen Regionen ganz unterschiedlich. Jede Region hat ihr Profil und so braucht auch jede Schule ihr Profil. Und wenn jede Schule ihr Profil braucht, müssen wir aufhören mit dieser Budgetierung und die Zuweisung von Lehrerstunden auf das ganze Land mit der Gießkanne vorzunehmen, sondern wir müssen jede Einzelschule anschauen.
Das deckt sich sehr mit unserer Programmatik, die heißt eigenverantwortliche Schule. Und eigenverantwortliche Schule heißt, ich mache ein Programm an meiner Schule und alle haben den gleichen Lehrplan, das ist nicht das Problem.
Eigenverantwortlich heißt auch, ich habe ein ganz bestimmtes Klientel und das eine Klientel braucht ganz viel ganztagsgebunden, die anderen mögen nur Mittagsbetreuung, die anderen brauchen einen M-Kurs und die anderen keinen. Die einen machen das Projekt mit der Kooperation mit der Wirtschaftsschule, die anderen nicht. Ich glaube, genau das wäre die Zukunft: die Eigenverantwortlichkeit der Schule und dabei ist auch regional zu denken. Es ist ja ein tolles Modell mit der gebundenen Ganztagsschule und jetzt wollen es die Eltern nicht.

Worin sehen Sie die Ursachen der ablehnenden Haltung vieler Eltern an der Grundschule Neuenmarkt-Wirsberg gegenüber der gebundenen Ganztagsschule?
Ich glaube, der Grund liegt hier darin, wenn die Schülerzahlen zurückgehen und die Angebote zunehmen, dann wird das nicht funktionieren. Ich fand es vom Schulleiter sehr gut, denn er macht Angebote, um Kinder zu bekommen. Die, die da sind, brauchen ein gutes Angebot. Ich fand auch den Bustourismus ganz spannend. Wir geben das Geld den Busunternehmern, aber das Geld gehört an die Kinder.

Gibt es schon Patentrezepte in der Schublade des Kultusministeriums, um der demografischen Entwicklung entgegenzusteuern?
Also ich glaube, dass wir demografische Entwicklungen ganzheitlich betrachten müssen. Das hat nicht nur mit der Schule zu tun, wobei ich schon den Bürgermeister verstehe, der die Schule am Ort einfach behalten will.
Denn wenn einmal die Schule an meinem Ort weg ist, dann ist das Leben weg und dann zieht auch keiner mehr her. Ich glaube, dass die Aufgabenstellung für die Demografie ist, bayernweit zu schauen und das wird ja schon ein Stück weit mit der Behördenverlagerung gemacht. Die Frage ist, wie kann ich für ganz Bayern, wenn ich das Ziel Bildungsgerechtigkeit habe, die Regionen so versorgen, dass zumindest im Grundsatz Gerechtigkeit herrscht. Aber ganz wird es die nie geben. Ich muss an die Fakten denken und ich muss vielleicht eine Region, in der die Steuerkraft so gering ist, anders ausstatten als die, in der sie hoch ist. Und da muss ich vielleicht auch andere Modelle in der Finanzierung der einzelnen Kommunen und Landkreise andenken.
Und was mir noch ganz wichtig ist, ist diese Flexibilität im Sinne, wie werden Lehrer in Bayern verteilt. Es geht auch darum, wie ein Staatsapparat auf die Notsituationen reagiert.
Das Gespräch führte unser
Mitarbeiter Werner Reißaus
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