Kulmbach

Erfolg ist das Salz in der Suppe

Sommerinterview (6)  Wenn er von einer Idee überzeugt ist, lässt er nicht locker: Hans Schwender über ehrgeizige Ziele, neue Wege in der Ausbildung und motivierte Mitarbeiter, die gerne zu den Siegern gehören möchten.
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Für seine innovativen Konzepte wurde Hans Schwender vielfach ausgezeichnet. Er ist überzeugt: Mit Qualität können die Handwerksbetriebe der Region ihre Zukunft sichern und qualifizierte Nachwuchskräfte für sich begeistern. Foto: Dagmar Besand
Für seine innovativen Konzepte wurde Hans Schwender vielfach ausgezeichnet. Er ist überzeugt: Mit Qualität können die Handwerksbetriebe der Region ihre Zukunft sichern und qualifizierte Nachwuchskräfte für sich begeistern. Foto: Dagmar Besand
Thurnau — Er ist Vordenker, Querdenker, Stratege. Doch bei aller Liebe zur Innovation ist Hans Schwender vor allem eines - ein bodenständiger Handwerksmeister, der sich hartnäckig und ideenreich für seinen Berufsstand und den Nachwuchs in der Branche einsetzt. Mit der BR spricht der 64-Jährige über Erfolgskonzepte, die Zukunft des Handwerks und preisgekrönte Ideen fürs Heizen und Kühlen, erdacht und umgesetzt in Thurnau.
Hans Schwender hat sein gesamtes Berufsleben im Familienunternehmen verbracht. Mit 15 Jahren begann er seine Lehre als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, die er als Landessieger beendete, studierte anschließend Versorgungstechnik in München und brachte es auch dort zu außergewöhnlichen Ergebnissen, die mit dem Ingenieurpreis für besondere Studienleistungen ausgezeichnet wurden. 1979 übernahm er den Betrieb von seinen Eltern und baute ihn von damals knapp 20 auf heute rund 200 Mitarbeiter aus.

Was bedeutet für Sie die Unternehmenstradition der Familie Schwender?
Hans Schwender: Das ist schon etwas Besonderes, einen solchen Betrieb zu leiten. Vor mehr als 300 Jahren wurde die Laurentiuskirche in Thurnau gebaut und dabei auch die Schwender'sche Schlosserei erstmals urkundlich erwähnt. Im Ausgabenbuch der Kirchenbaurechnung ist nachzulesen, dass Schlossermeister Mattheus Paul Schwender im Jahre 1701 Arbeiten ausgeführt hat. Dass schon damals hohe handwerkliche Qualität abgeliefert wurde, zeigt das noch funktionsfähige Schloss an der Eingangstüre der Kirche.

Mancher Handwerksbetrieb hat heute große Probleme einen Nachfolger zu finden. Wie sehen Sie das?
Für mich war immer klar, dass ich in diesem Betrieb arbeiten und ihn voranbringen möchte. Eine direkte Nachfolge ist zu begrüßen, wenn die persönlichen Neigungen und Fähigkeiten dazu passen. In der Firma Schwender gibt es seit der Gründung einen lückenlose Nachfolge. Das wird künftig nicht mehr so sein, aber ich denke noch nicht an Ruhestand, und mit Thomas Schwender bleibt die Familie auch künftig in der Geschäftsführung.

Wenn es um das Thema Ausbildung im Handwerk geht, sind Sie immer ganz vorn mit dabei. Warum engagieren Sie sich so stark dafür?

Wer soll es denn sonst machen? Man muss Visionen haben, daran glauben, wenn's nicht gleich läuft, auch mal Rückschläge hinnehmen und trotzdem immer weiter dran bleiben.

Wie viele Lehrlinge haben Sie schon ausgebildet?
Seit 1975 dürften das etwa 200 gewesen sein. Aktuell haben wir 23 Auszubildende.

Sie haben unter anderem das duale Studium mit auf den Weg gebracht. Sind Sie zufrieden damit?

Wenn man über Ausbildung spricht, muss man das Ganze im Blick behalten. Das Drumherum ist eine methodisch strukturierte Angelegenheit. Dass es uns gelungen ist, 1996 die neue Technikerschule in Kulmbach zu etablieren, war ein großer Schritt. Eine gute Ausbildung im gewerblichen Bereich ist die Basis, aber die Branche braucht auch darauf aufbauende Ausbildungsmöglichkeiten. Unsere jungen Leute brauchen Perspektiven, wenn sie hier leben und Familien gründen sollen. Es gibt die Möglichkeit, es in unserer Heimat weit zu bringen. Die Aufgabe von Politik und Unternehmen ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Das duale Studium ist ein Weg zu diesem Ziel?
Es ist kein Selbstläufer und steckt noch in den Kinderschuhen. Ich selbst habe drei duale Studenten im Betrieb, aber insgesamt könnten es mehr sein.

Warum gibt es vergleichsweise wenige duale Studenten?
Die Bereitschaft, sich zu schinden, bringt nicht jeder mit. Und auch an den Gymnasien wird diese Kombination nicht so positiv gesehen. Tatsache ist aber: Das ist eine Spitzenausbildung. Wer die schafft, ist gut.

Was braucht das regionale Handwerk für eine gute Zukunft?

Wir müssen auf vernünftige Art selbstbewusst und zielorientiert sein. Diese Haltung ist für mich in Oberfranken spürbar. Das Handwerk geht diesen Weg, und deshalb bin ich sicher, dass zumindest die guten Betriebe überleben werden.

Und genug Nachwuchs finden?
Auch hier geht es um Qualität. Die engagierten Betriebe werden Nachwuchs haben. Wer sich nicht kümmert, bekommt allerdings garantiert Probleme.

Sie sind ein Netzwerker, der versucht, die Stärken der Region zu bündeln. Wie wichtig ist das Miteinander?
Der Oberfranke an sich ist nicht der typische Netzwerker, aber auf Dauer gesehen ist es wichtig, sich zusammenzuschließen, um stärker zu werden.

Sie haben gleich drei Mal hintereinander den Design- und Erfinderpreis des oberfränkischen Handwerks bekommen. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis?
Für den Betrieb ist das das Salz in der Suppe. Mit so etwas lassen sich Mitarbeiter begeistern. In einer Firma, die auf ihrem Gebiet spitze ist, arbeitet jeder gern. Junge Menschen wollen zu den Siegern, zu denen, die Innovationskraft zeigen und langfristige Perspektiven bieten.

Trotz Ihrer vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten in berufsständischen Organisationen sind Sie auch kommunalpolitisch als Kreisrat für die Freien Wähler aktiv. Was ist Ihre Motivation?
Wenn man etwas erreichen will, muss man sich engagieren und das, was man kann und weiß, für die Gemeinschaft einbringen.

Die Fragen stellte Dagmar Besand.
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