Lichtenfels

Er will seine Heimat voranbringen

100 Tage  Steffen Hofmann ist seit 1. März der Citymanager von Lichtenfels. Er denkt und plant in längeren Fristen, zieht aber über den Start in dieser Funktion ein positives Fazit. Die Stadt müsse ihre Stärken besser herausstellen, findet er. Dafür setzt er auf Mitstreiter.
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Steffen Hofmann (28) kennt sich aus in Lichtenfels. Er ist hier zur Schule gegangen. Foto: Ramona Popp
Steffen Hofmann (28) kennt sich aus in Lichtenfels. Er ist hier zur Schule gegangen. Foto: Ramona Popp
von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Lichtenfels — Mit Kennenlernrunden wollte sich Steffen Hofmann nicht lange aufhalten, deshalb stellte er sich schon vor seinem eigentlichen Antritt als neuer Citymanager beim Stadtmarktetingverein vor. Seine Wahl als dessen Vorsitzender war dann nur noch eine Formsache. Freilich wollten und wollen viele Lichtenfelser den Nachfolger von Werner Schiffgen persönlich treffen, sehen, was das für einer ist, und ihre persönlichen Anliegen und Ideen vorbringen. Tatsächlich kamen Passanten zu diesem Zweck einfach so in sein Büro in der Ringgasse. "Das ist absolut gewünscht", bekräftigt Hofmann, der nicht nur selbst beschnuppert wurde, sondern mit seiner ersten Veranstaltung in Lichtenfels, einem "Unternehmerfrühstück", auch dazu beitrug, dass andere Kontakte knüpfen konnten.

Straffer Zeitplan

Für ihn persönlich waren die ersten 100 Tage mit einem straffen Zeitplan versehen. In den kommenden Monaten wird es so weitergehen. Veranstaltungen wie Flechtkulturlauf und Kinosommer gilt es organisatorisch zu begleiten, an erster Stelle aber das Aushängeschild Korbmarkt. Nach sechs Jahren beim Stadtmarketing in Bamberg ist einem vor so einer Mammutveranstaltung nicht bange.
In Marktredwitz, wo er zuletzt als Innenstadtkoordinator tätig war, wollte man Steffen Hofmann nicht gerne ziehen lassen. Aber die Bindung zu Lichtenfels, wo er das Gymnasium besucht und Abitur gemacht hatte, war stärker. "Die Ausschreibung war die Chance, hier beruflich Fuß zu fassen und die eigene Heimat voranzubringen", sagt er. Dass der Wohnsitz Bamberg geblieben ist, habe ihm noch niemand angekreidet. Er merkt an, dass seine Freundin in Erlangen arbeitet, er in Lichtenfels keine Vollzeitstelle inne hat - und eine mit Zwei-Jahres-Vertrag. Dass er sich einen Umzug nach Lichtenfels oder in den Landkreis aber "sehr gut vorstellen" kann.
Immerhin hat auch Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) signalisiert, dass er sich eine längere Zusammenarbeit vorstellen kann. Weil sich die Rahmenbedingungen, auch das Konsumverhalten der Menschen, immer ändern, ist das Citymanagement wohl keine Aufgabe, die irgendwann erledigt sein wird. "Es ist ein fortwährender Prozess", meint Hofmann.
Vor allem sei es ein langfristiger und keine Aufgabe für einen allein. "Es ist ganz wichtig, dass man die Bevölkerung erreicht und mitnimmt." Wenn jeder einzelne Bürger hinter seiner Stadt stehe, sei das die beste Werbung.
Im Moment glaubt Hofmann, da eine positive Stimmung zu spüren. Die Stadt müsse sich als Marke im Wettbewerb positionieren; im Wettbewerb um Einwohner, Touristen und Gewerbeansiedlungen. "Unser Alleinstellungsmerkmal, dass wir die Deutsche Korbstadt sind, müssen wir noch spürbarer und erlebbarer machen."
Beim Stichwort Verkehrskonzept erwartet manch einer von Steffen Hofmann wohl eine Aussage zu der Frage, ob man den Marktplatz wieder für den Verkehr öffnen sollte oder nicht. Er dagegen spricht zuerst über die Bedeutung, nicht ortskundige Besucher, auch Radfahrer und Fußgänger, so zu leiten, dass sie sich in der Stadt aufhalten und zurechtfinden. Hilfreich findet Hofmann hierbei, dass mit Stadtplaner Matthias Rühl jemand mit im Boot ist, der nicht aus Lichtenfels kommt.

Vom Wert der Innenstadt

Explizit auf die gegensätzlichen Standpunkte zum Thema Fußgängerzone angesprochen, macht der neue Citymanager deutlich, dass er zwar keine Variante kategorisch ablehnt, aber nicht zu den Rufern nach einem Öffnen des Marktplatzes für den Autoverkehr gehört. Die Frage, ob es empfehlenswert wäre oder nicht, könne man einem Verkehrsexperten stellen, sagt er. Allein mit der Möglichkeit des Durchfahrens würden keine Probleme der Innenstadt gelöst, stellt er fest. "Das heißt nicht, dass die Leute dann vorm Geschäft parken können." Die Fußgängerzone sei auch nicht schuld an Leerständen. "So einfach ist es leider nicht. Wir haben auch Leerstände an befahrenen Straßen. In Städten gleicher Größenordnung ohne Fußgängerzonen gibt es genauso Leerstandsprobleme."
Hofmann verweist zudem auf den besonderen Charakter der Lichtenfelser Innenstadt, auf die in seinen Augen "sehr hohe Aufenthaltsqualität" und die gelungenen Veranstaltungen dort in jüngster Zeit. Die Folgen einer Wiederöffnung für den Verkehr auch darauf gelte es zu bedenken. "Das wäre anders, wenn da Autos durchfahren würden."
Die Innenstadt habe andere Rahmenbedingungen als Fachmarktzentren auf der grünen Wiese. Sie kann, wie Hofmann findet, mit ihrem Charakter, mit heimeligen Orten - Marktplatz, Säumarkt und den Gassen außenherum - und mit einem gewissen urbanen Lebensgefühl und Erlebniswert punkten. Natürlich gelte es, sich um Verbesserungen zu bemühen. "Es ist schlecht, wenn ich ins Parkhaus fahre und mich schon entscheiden muss, wie lange ich bleiben möchte." Die Rahmenbedingungen verbessern und selbst aufgestellte Hürden wegnehmen - dann schaue es vielleicht schon ganz anders aus.
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