Bamberg

Er singt immer noch andere Lieder

Marion Krüger-Hundrup Wie kann das Lebensbild eines Mannes gezeichnet werden, der selbst auf unvergleichliche Weise Farben mischt, den Pinsel führt und einz...
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Alois Albrecht Foto: Bärbel meister
Alois Albrecht Foto: Bärbel meister
Marion Krüger-Hundrup

Wie kann das Lebensbild eines Mannes gezeichnet werden, der selbst auf unvergleichliche Weise Farben mischt, den Pinsel führt und einzigartige Gemälde schafft? Es geht wohl nur mit dem Medium, mit dem Kommunikationsmittel, das dieser Künstler so meisterlich beherrscht. Alois Albrecht begreift mit Sprache Menschen und Welt, Gott und Schöpfung, Liebe und Leiden, Freude und Schmerzen. Er tastet sich heran an Geheimnisvolles, macht es sichtbar. Und er buchstabiert das Evangelium aus alter Zeit stets neu in das Leben.
Auch im vorgerückten Alter bleibt der Priester seinem legendären Ruf als "Poet des Bamberger Dombergs" treu. Oder anders gesagt: Der nunmehr 80-Jährige singt immer noch andere Lieder, verblüfft mit Texten und Meditationen zu verschiedenen Anlässen, die einer in Glaubensdingen sprachlos gewordenen Umgebung die Stimme wiedergeben. Just zu seinem 80. Geburtstag am 16. März veröffentlicht Alois Albrecht seine Biografie der Jahre von 1936 bis 1987. Auf Hunderten, reich bebilderten Seiten schildert der Jubilar seinen Weg als leidenschaftlicher Ottonianer, Priesterkandidat, Kaplan und Diözesanjugendseelsorger der 1968er Generation. "Ich war damals selbst ein verrufener Typ bei den Bischöfen", sagt Albrecht bei der Erinnerung an die damals schmerzhafte Erfahrung, sich als möglicher Bundespräses der katholischen Jugendverbände 1972 von der Pastoralkommission die Abfuhr eingehandelt zu haben.
Gleichwohl schrieb sich der junge Albrecht seinen unerschütterlichen Glauben an den barmherzigen Jesus Christus von der Seele. Inspiriert durch die Begegnung mit dem Musiker Peter Janssens und mit dem Geistlichen Beirat der KJG auf Bundesebene, Josef Metternich, textete Alois Albrecht Lieder, die noch heute nicht nur Jugendbewegte zu ihrem gottesdienstlichen Repertoire zählen. "Unser Leben sei ein Fest", "Kleines Senfkorn Hoffnung", "Die Sache Jesu braucht Begeisterte" und viele Titel mehr machten Albrecht im deutschsprachigen Raum zum Pionier des Neuen Geistlichen Liedes. Darüber hinaus entwickelte er geistliche Singspiele und Szenen für Katholikentage, Diözesanfeste, Gemeinden oder Verbände.


Ernennung zum Generalvikar

Er wurde Pfarrer in Bamberg, erst in St. Gangolf (1973-1983), dann in St. Martin (1983-1987). Im Januar 1987 wählte ihn das Domkapitel in seine Reihen. Im Juli 1990 ernannte Erzbischof Elmar Maria Kredel ihn zum Generalvikar. Auch Kredels Nachfolger, die Erzbischöfe Karl Braun und Ludwig Schick, behielten Alois Albrecht in diesem Amt und damit als ihren engsten Mitarbeiter in der Leitung des Bistums. "Als Generalvikar und Personalchef der Priester konnte ich viele gute Entscheidungen treffen, mit 85 Prozent meiner Entscheidungen kann ich zufrieden sein", erklärt Albrecht rückblickend. Bleiben 15 Prozent Belastendes, Ärgerliches, Unangenehmes, die er mit seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand im April 2006 nicht einfach abgestreift hat.
Überhaupt räumt er freimütig ein, dass es in seinen nunmehr 54 Priesterjahren "Höhen und Tiefen" gegeben hat. Und dass er sich glücklich schätzen könne, Priester geblieben zu sein. Bis zum heutigen Tag Liturgie feiern zu können. Wochentags zelebriert der Prälat in der Innenstadtkirche St. Martin, sonntags in Litzendorf mit Filialen. "Ich bin mit meinem Lebensweg versöhnt!", betont Alois Albrecht nachdrücklich.
Seinem jahrzehntelangen Einsatz für "Mission, Gerechtigkeit und Frieden" bleibt er im Vorstand des Missionskreises Ayopaya (für Bolivien) treu. Der Weit- und Vielgereiste träumt davon, China und Japan zu besuchen, "wenn es meine Gesundheit erlaubt". Als erfüllbare Pöstchen hat der 80-Jährige die Aufgabe als geistlicher Beirat des Katholischen Kasinos Bamberg und der Kaiser-Heinrich-Gilde behalten.
Alois Albrecht hat sich vorgenommen, bis zu seinem 85. Geburtstag die Jahre 1987 bis 2006 biografisch aufzuarbeiten. "Heikel" nennt der intime Kenner der Domberguntiefen diesen Plan. Doch er möchte, dass "ein Stück von mir da bleibt", wenn der Herrgott ihn eines Tages zu sich ruft.


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