Buch am Forst
Energiewende 

Er produziert Strom für 900 Haushalte

Landwirt Johannes Angermüller hat seine Biogas-Anlage erweitert. Ein nicht ganz risikofreies Unternehmen.
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Johannes Angermüller in der Maschinenhalle mit den Gasmotoren Foto: Andreas Welz
Johannes Angermüller in der Maschinenhalle mit den Gasmotoren Foto: Andreas Welz
Unternehmerischen Mut beweist der Landwirt Johannes Angermüller mit der Erweiterung seiner Biogas-Anlage in Buch am Forst. Sein Bauantrag wurde vom Bauausschuss der Stadt Lichtenfels einstimmig befürwortet. Der Landwirt muss eigentlich befürchten, dass er nach der Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in den kommenden Jahren die befristete Förderung verliert und sich die Investition in hoher sechsstelliger Höhe nicht bezahlt macht.
Angermüller ist dagegen zuversichtlich und blickt optimistisch in die Zukunft. "Ich werde Strom zuverlässig, planbar und bedarfsgerecht besonders in den Spitzenzeiten liefern können", sagte er. Das könnten Betreiber von Windkraft- oder Solaranlagen nicht. Derzeit produziert er mit zwei Gasmotoren Strom für 900 Haushalte. Mit der Abwärme versorgt er seinen Betrieb, die benachbarte Gärtnerei und eine Getreide-, Holz- und Hackschnitzelheizung, die sogar in der warmen Jahreszeit ausgelastet ist. Durch das neue zusätzliche Blockheizkraftwerk wird in Spitzenzeiten, zum Beispiel vormittags, bedarfsgerecht mehr Strom produziert. Wenn am Sonntag oder nachts wenig Strom verbraucht wird, wird die Leistung der Motoren automatisch zurückgefahren. Das wird alles extern gesteuert. Eine Agentur vermarktet seinen Strom an der Strombörse. "Jede Kilowattstunde, die ich heute produziere, ist gestern schon an der Börse vermarktet worden", erläutert Angermüller. In Spitzenzeiten sei der Strompreis hoch, davon profitiere er mit der neuen Anlage.


Technische Herausforderung

Der technische und organisatorische Aufwand seien allerdings eine große Herausforderung für die Anlagenbetreiber. Strenge Umweltauflagen muss der Betreiber des Kleinkraftwerks erfüllen. Und er tut noch mehr. Das Havariebecken im Fall eines Unfalls ist an zwei Seiten mit einer bis zu drei Meter hohen Betonmauer umgeben, die gleichzeitig eine große Lager- und Maschinenhalle stützen. Das sei noch nicht Vorschrift, aber die wird kommen, sagte Angermüller voraus. Die Maschinenhalle erhält Solarmodule, die den gesamten Bereich mit Energie versorgen.
Angermüller rechnet bereits damit, dass er einen weiteren Behälter zu den drei bestehenden bauen wird, damit die Lagerkapazität der Biomasse, also der Brennstoff, neun Monate statt derzeit sechs Monate ausreicht. Auch im Lärmschutz erfüllt er alle Auflagen. Angermüller hat dafür auf Geheiß des Landratsamtes ein Lärmschutzgutachten erstellen lassen. Der neue Motor wird noch besser gedämmt sein und an dem ältesten der bestehenden Motoren wird er den Schalldämpfer der Auspuffanlage erneuern.
In dem Gutachten steht: "Wir gehen davon aus, dass keine Gefährdung, erhebliche Beeinträchtigung oder erhebliche Belästigung durch Geräusche in der Nachbarschaft verursacht werden." Die Gutachter hätten Schallmessungen an allen benachbarten Gebäuden vorgenommen, berichtete Angermüller. Auch ein Höhengutachten war für den Bau des Havariebeckens erforderlich. Schließlich musste gewährleistet sein, das eventuell austretende Gülle zum Beispiel in die vorgeschriebene Richtung abläuft. Die Biomasse umfasst etwa ein Drittel Gülle und Mist. Der Rest ist eine Mischung aus siliertem Mais, Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen für die Futterherstellung, und Gras. Er nimmt auch Landwirten Getreide ab, das sie nicht an die Mühle verkaufen können, zum Beispiel wenn es Ungeziefer enthält. Das größte Problem des Bucher Landwirts ist die politische Unsicherheit. Sein Vertrag läuft noch zehn Jahre. "Wie geht es danach weiter?", fragt er. Es gebe keine verlässliche Zukunftsperspektive, obwohl er zuverlässig und planbar umweltfreundliche Energie liefere.
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