Hummelmarter

Eine maßlose Übertreibung und schlichtweg unseriöse Darstellung

Leserbrief zum Thema Steigerwald und zu den FT-Artikeln vom 10. Mai (Dienstagsausgabe) unter den Überschriften "Der Wald in privater Hand als Garant für Nac...
Artikel drucken Artikel einbetten
Leserbrief zum Thema Steigerwald und zu den FT-Artikeln vom 10. Mai (Dienstagsausgabe) unter den Überschriften "Der Wald in privater Hand als Garant für Nachhaltigkeit" und "Verein beklagt verzerrtes Bild":

Liest man die Aussagen von Philip zu Guttenberg zum Anlass der Jahresversammlung des Vereins "Unser Steigerwald" ergibt sich tatsächlich ein verzerrtes Bild zur Diskussion um einen Nationalpark im Steigerwald.
Zu Guttenberg entwirft ein wahres Horrorszenario mit "fürchterlichen Folgen" für die ländliche Region. "Stilllegung von Wald aus ideologischen Gründen" nennt er den Beschluss des Bundestages, für den Erhalt der biologischen Vielfalt und damit fünf Prozent der Waldflächen einer natürlichen Waldentwicklung zu überlassen. Wenn wir also nicht 100 Prozent, sondern "nur" 95 Prozent der Wälder forstwirtschaftlich nutzen, stünden wir vor einer Verknappung von Holz, und die holzverarbeitenden Betriebe würden das Land verlassen. Der Niedergang einer ganzen Branche wird heraufbeschworen, und gleich 45 000 (!) Arbeitsplätze gingen verloren. Wir müssten auf sieben Millionen Festmeter Holz verzichten (zum Vergleich: Der jährliche Einschlag der Bayerischen Staatsforsten liegt bei rund 5,4 Millionen Festmeter/ Jahr). Die Energiewende, der Generationenvertrag wird in Frage gestellt. Geschickt lenkt er das Thema auf die Privatwälder und schürt Enteignungsängste der Privatwaldbesitzer.
Was für schreckliche Aussichten für unser Land: die Naturschützer (wer auch immer damit gemeint ist) wollen dem Privatwaldbesitzer seinen Wald wegnehmen - so die Botschaft. Ein durchsichtiges Spiel mit der Angst der Menschen - funktioniert jedoch immer wieder.
Ein wirklich verzerrtes Bild, diese Ausführungen von zu Guttenberg auch noch als sachlich zu bezeichnen.
Tatsächlich haben wir in Bayern lediglich etwas mehr als zwei Prozent unserer Wälder in Nationalparks und Naturwaldreservaten, fast ausschließlich in Staatswäldern, geschützt. Diese Schutzgebiete sind nicht zum Schaden der Regionen und deren Bürger eingerichtet.
Auch bei einem Anteil von fünf Prozent Waldnaturschutz würden diese Flächen nicht einmal zwei Prozent der Landesfläche einnehmen. Mit diesem geringen Flächenanteil kann man wohl kaum eine einseitige ökologische Ausrichtung der Nachhaltigkeit unterstellen. Daraus noch einen wirtschaftlichen Niedergang zu konstruieren, ist nicht nur eine maßlose Übertreibung, sondern schlichtweg unseriös.
Doch wenn Herr zu Guttenberg die Absicht hegte, sein Feindbild Naturschutz weiter zu pflegen, so ist ihm dies vor seiner Zuhörerschaft sicherlich gelungen. Die Auszeichnung "Dinosaurier des Jahres 2015" hat er sich jedenfalls redlich verdient.
Doch noch eine Richtigstellung sollte zur Entwirrung beitragen: In einem Nationalpark gibt es keine Stilllegungsflächen. Stillgelegt wird in den Kernzonen lediglich der Holzeinschlag!

Andreas Kiraly
Hummelmarter

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren