Höchstadt

Eine alde Gschicht

Heiner, Schorsch und Michl heißen die Hirten in der Bibel nicht. Aber Hans Mehl hat ihnen diese vertrauten Namen gegeben, als er die Weihnachtsgeschichte nach Lukas ins Fränkische ...
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Der Hammerbacher Singkreis trug die Texte von Hans Mehl vor. Foto: Pauline Lindner
Der Hammerbacher Singkreis trug die Texte von Hans Mehl vor. Foto: Pauline Lindner
Heiner, Schorsch und Michl heißen die Hirten in der Bibel nicht. Aber Hans Mehl hat ihnen diese vertrauten Namen gegeben, als er die Weihnachtsgeschichte nach Lukas ins Fränkische übertrug und in Verse fasste. "Die alde Gschicht wie's damals wor", beginnt es. Schon 1980 ist sein Werk als illustriertes Büchlein erschienen. Neben dem Text enthält es auch eine Reihe alter fränkischer Advents- und Weihnachtslieder.
Dieses Buch ist die Quelle, aus der der Hammerbacher Singkreis unter der Leitung von Reimund Großhäuser schöpft. "Die Melodien sind schlicht und eingängig; wir haben sie zum Teil mehrstimmig gesetzt", erläuterte er die Entstehung des Programms. Peter Bucher mit seiner ruhigen Stimme bringt die Bibelparaphrase typisch fränkisch rüber.
Zum Auftritt in der Christuskirche ist es gekommen, weil Klaus-Dieter Stolper den Singkreis gehört hat und dessen Programm für das genau Richtige für die Gemeinde hielt. Mit einem Quartett aus dem Posaunenchor (Dorothea Husa und Gitti Tohol, Trompete, sowie Brigitte und Heinz-Friedrich Kiel, Posaune) trug er noch ein Stück dazu bei, dass die Weihnachtsgeschichte durch überwiegend barocke Sätze einen festlichen Glanz erhielt.
Für Pfarrer Fritz Schäfer ist fränkisch eine Lebensart, die sich - so hat er sich überzeugt - ganz besonders in den weitgehend unbekannten Liedern und einem dem heimischen Sprachgebrauch so nahen Text widerspiegelt. Da bringen die drei Hirten "ihre Woar", und Maria macht sich auf den Weg zu ihrem "Bäsla Lisbeth".
"A Gribbn ohne Bracht" - in so wenig Worte lässt sich fassen, wie bescheiden das Geschehen von Bethlehem war. Genauso ohne falsches Pathos und pseudoromantische Schnörkel sind die ausgewählten Melodien. Etliche stammen aus dem Ort Theres in den Haßbergen, andere aus dem Steigerwald; Eingang in neuere gedruckte Gebetbücher haben sie alle nicht gefunden. Meistens sind die Text in Schriftdeutsch verfasst, kleine Eigenarten des Dialekts eingeschlossen. Aber es gibt auch ausgesprochene Mundart-Weihnachtslieder. Muss man die erste Gruppe als Volksmusik im eigentlichen Sinn bezeichnen, stellen die Zweiten eine Zwischenstufe dar. So hat Helmut Haberkamm ein englisches Weihnachtslied als Vorbild genommen und die dort traditionelle Melodie mit einem "Dief (sic!) im Winter" unterlegt.
Pauline Lindner
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