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LKR Haßberge

Eine Sprache finden, wo Worte fehlen

A ls ich am vergangenen Wochenende vom Tod der sechs Jugendlichen in Arnstein hörte, war ich sprachlos. Tiefes Mitgefühl für die betroffenen Familien erfüll...
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A ls ich am vergangenen Wochenende vom Tod der sechs Jugendlichen in Arnstein hörte, war ich sprachlos. Tiefes Mitgefühl für die betroffenen Familien erfüllte mich. Ich fragte mich, wie es mir als Angehörige eines dieser jungen Menschen in diesem Moment ergehen würde. Solch ein Gedanke ist kaum zu ertragen. Wieder einmal fragte ich nach dem "Warum".
Zur Trauer gesellt sich Unverständnis und Wut angesichts unserer menschlichen Hilflosigkeit, mit der wir immer wieder derartigen Situationen ausgesetzt werden. Ich stellte mir vor, in diesen Tagen selbst in Arnstein zu sein. Wie schwer muss es sein, diese Trauer auszuhalten und Menschen, die von dieser Lebenskatastrophe getroffen worden sind, beizustehen? Gibt es da überhaupt die richtigen Worte, oder ist jedes Wort ein Wort zu viel?
Ich denke, wenn auch nicht in vergleichbarer Tragik, so kennen doch viele von uns derartige Situationen, wenn Krankheit, ein plötzlicher Tod oder ein anderes Schicksal in unser Leben hineintreten und von einem Moment auf den anderen alles aus den Fugen gerät. Was hat mir in diesem Augenblick ein wenig Trost geschenkt? Was würde ich mir von Angehörigen, Freunden oder Seelsorgern wünschen?
Sicher sind es nicht viele Worte, so gut gemeint sie auch sind. Vielleicht sind es eher Gesten und Handlungen. Die Hand reichen, gemeinsames Schweigen und Aushalten, das stille Anzünden einer Kerze, ein Gebet. Einfach nur da sein, ein wenig Halt und Schutz geben, das ist zunächst oft das einzige, aber wertvollste, was wir unserem trauernden Mitmenschen schenken können. Es ist aber auch sehr schwer.
Sechs Jugendliche trafen sich zu einer Geburtstagsfete. Sie wollten ihr Leben feiern - und verloren es. In uns allen wirft das existenzielle Fragen auf. Wir fragen nach dem Sinn. Wir dürfen sprachlos, auch wütend sein. Wir dürfen uns fragen, wo Gott in solchen Momenten ist. Die Erkenntnis, dass unser Leben zerbrechlich ist und jederzeit enden kann, macht uns Angst. Wir dürfen aber auch wieder Kraft finden in uns selbst und im Glauben an einen Gott, der das Leid am eigenen Leib erfahren hat und mit uns geht. In Menschen, die Trauernde begleiten, können wir ihn spüren. Spürbar ist er schließlich in jedem von uns, wenn wir mit anderen Situationen der Sprachlosigkeit aushalten. Ihnen und mir wünsche ich dafür ganz viel Kraft.
Unser Respekt und Dank sollte allen Notfallseelsorgern und Hilfskräften gelten, die sich immer wieder den schwierigsten Augenblicken des Lebens stellen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie immer wieder eine Sprache finden, wo Worte fehlen.
(Isabella Friedrich
ist katholische Gemeindereferentin in Limbach
).

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