Gößweinstein
Jubiläum 

Eine Mühle mit Vergangenheit

Ein ganzes Jahr lang feiern die Menschen im Wiesenttal den 650. Geburtstag "ihrer" Mühle. Ihr genaues Alter verrät sie jedoch nicht - ortskundige Historiker haben jetzt ihre Geschichte rekonstruiert.
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Die romantisch gelegene Schottersmühle im oberen Wiesenttal zwischen Waischenfeld und Behringersmühle wird heuer 650 Jahre alt. Vielleicht ist die Mühle sogar noch älter, alte mündliche Überlieferungen besagen jedoch, dass die Schottersmühle im Jahre 1367 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Für die Pächter der Schottersmühle, Heidi Schramm-Krause und ihren Mann Achim Scheamm, ist dies aller Grund, heuer ein Jubiläumsjahr "650 Jahre Schottersmühle" mit zahlreichen Aktionen zu feiern, deren Erlöse den beiden Wiesenttaler Kindergärten zugutekommen werden.
Während eines kleinen Festakts mit geladenen Gästen, darunter auch Wiesenttals Bürgermeister Helmut Taut, der Heidi Schramm-Krause das Gemeindewappen für die Gaststube überreichte, blickte Helga Seidel-Rüfer auf die wechselhafte Geschichte der Schottersmühle zurück, die früher auch Schauders- oder Schattenmühle genannt wurde, zurück.


Einst die "Schädersmühl"

Seidel-Rüfer hatte mit ihrem verstorbenen Mann Walter Rüfer die Geschichte der Mühle aus Sicht der Familien, die in der Schottersmühle gelebt haben, erforscht und auch ein Buch dazu herausgegeben. Der urkundliche Nachweis der Ersterwähnung der Schottersmühle aus dem Jahr 1367 konnte jedoch bis heute nicht gefunden werden. Denn das Gößweinsteiner Pfarrarchiv ist in den Wirren der Kriege laut Chronist Ludwig Helldörfer zum größten Teil vernichtet worden.
Der Schriftsteller August Sieghardt, der oftmals Gast in der Schottersmühle war und auch mehrere Gedichte über die Mühle geschrieben hat, gab 1925 und 1952 an, dass die Schottersmühle rund 600 Jahre alt sei. Seidel-Rüfers Forschungsergebnisse beginnen jedoch erst im Jahre 1599. Am 25. Mai 1599 heiratete Margaretha Sebald von der "Schädersmühl" in der Schlosskirche der Burg Rabeneck einen gewissen Andreas Zahn aus "Weyschenfeldt". Am 6. Februar 1635 heiratete dann der Sohn der beiden, "Hans Sebald von der Sottersmühl" eine "Magdalena von Engelsberg" (heute Engelhardsberg). Man beachte die unterschiedlichen Schreibweisen der Schottersmühle.


Mysteriöser Selbstmord

Jener Hans Sebald könnte also der Müllernachfolger gewesen sein. Etwa fünf Jahrzehnte später finden sich dann Müller der Schottersmühle namens Sebald in den evangelisch-lutherischen Kirchenbüchern der Pfarrei Muggendorf. Am 28. Juli 1708 begeht der Schottersmüller Johann Sebald Selbstmord. Auch davon zeugt ein Eintrag im Kirchenbuch von Muggendorf. Damit endete wahrscheinlich nach drei Generationen die Ära der Familie Sebald auf der Schottersmühle. Die beiden nächsten Müller hießen Georg Merz und Heinrich Distler. 1791 wurde die Schottersmühle von einem Georg Persau aus Kötteinsdorf für seinen Sohn Johann gekauft. Die Familie Persau war Ende des 17. Jahrhunderts als Hugenotten nach Deutschland gekommen. Der Name Persau, beziehungsweise Bergeat blieb dann über fünf Generationen auf der Mühle.
Die meisten Müller der Familie Persau hießen Johann mit Vornamen. Der erste Müller Johann Persau hatte nach Aussage seines Enkels Andreas mit behördlicher Genehmigung den ursprünglichen Familiennamen Bergeat wieder eingeführt. Der zweite Sohn Johann Bergeat, geboren 1822, starb schon mit 32 Jahren. Seine Witwe musste so schnell wie möglich wieder heiraten. Und so wurde deren zweiter Mann Johann Stengel der neue Müller. Dieser machte jedoch viel Ärger. Denn er versuchte, die Mühle in den Besitz seines Sohnes zu bringen und war obendrein ein Trinker.
Aber Stengel hatte auch Glück, denn 1868 wurde die Straße zwischen Doos und Behringersmühle gebaut, direkt an der Schottersmühle vorbei. Dadurch kamen immer mehr Reisende in die Gegend, und Stengel erhielt 1869 die Konzession zum Ausschank von Getränken und zur Verabreichung von Speisen. Dies war die Geburtstunde des beliebten Ausflugslokals Schottersmühle.
Die ersten Ansichtskarten der Schottersmühle entstanden und 1911 übernahm Andreas Bergeats Sohn Johann die Mühle. Da sein einziger Sohn noch in dessen Geburtsjahr 1915 verstarb, endete wenig später auch die Ära der Bergeats auf der Schottersmühle. Johann Bergeats Tochter Kunigunde erbte die Mühle und heiratete 1937 den Bauern Ludwig Schäfer aus Gösseldorf, der neuer Schottersmüller wurde. Dessen Sohn Johann Ludwig Schäfer erbte die Mühle im Jahre 1963. Da er 1968 schon im Alter von 24 Jahren verstarb, blieb er der letzte Müller auf der Schottersmühle. Die Räder der Getreidemahlanlage blieben für immer stehen. Doch das Gasthaus war nach wie vor eine Institution.
An der Fassade der Basilika in Gößweinstein befinden sich noch heute die Grabplatten der Familie Bergeat von der Schottersmühle aus jener Zeit.
Im Herbst 1979 wurde das Anwesen von den letzten Schäfers an die Familie Mai aus Waischenfeld verkauft. Wie es dann der Zufall wollte, fuhr ein Isländer namens Ragnar Arnason mit seiner Frau an der Schottersmühle vorbei und machte hier Rast. Die Schottersmühle gefiel den Arnasons dabei so gut, dass sie sie 1989 kauften und von 1999 bis 2000 grundlegend renovierten. Seitdem sind die Arnasons sozusagen die neuen Schottersmühler, jedoch nur selten in ihr zu Gast. Seit neun Jahren führen Heidi Schramm-Krause und ihr Mann Achim Schramm den Gasthof Schottersmühle mit Herz und Seele.
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