Aufseß

Eine Bibel erzählt die Dorfgeschichte

Fest  Im Heiligenstadter Ortsteil Brunn wird von heute bis Montag Kirchweih gefeiert. In der renovierten Kirche St. Stephanus ist eine mehr als 300 Jahre alte Ausgabe der Heiligen Schrift zu sehen, in der die Besitzer auch persönliche Erlebnisse festgehalten haben.
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Die Brunner feiern ihre Feste seit vielen Jahren vor und in der Maschinenhalle. Fotos: Georg Wolf
Die Brunner feiern ihre Feste seit vielen Jahren vor und in der Maschinenhalle. Fotos: Georg Wolf
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von unserem Mitarbeiter Georg Wolf

Brunn — Seit im Heiligenstadter Ortsteil Brunn 1969 die Gastwirtschaft Hilpert geschlossen hat, richtet die Freiwillige Feuerwehr die Kirchweih aus, die an diesem Wochenende wieder gefeiert wird. Begonnen hat es 1969 in der kleinen Autogarage des damaligen Feuerwehrkomandanten Heinrich Dorsch mit drei Biertischgarnituren. Wegen des starken Zuspruchs ist man dann 1971 in die große Maschinenhalle des Kommandanten umgezogen. 1978/1979 wurde diese Halle im Zuge der Flurbereinigung abgerissen und es folgte ein Neubau durch die Dorfbewohner auf einem gemeindlichen Grundstück.
Die Brunner halfen schon immer zusammen, so haben sie inmitten des Ortes 1960 ein "Haus der Bäuerin" gebaut, das von 1993 bis 1995 zum Gemeinschaftshaus umgebaut wurde. Im vergangenen Jahr haben wie bei der Renovierung der Kirche mitgewirkt, in der auch die über 300 Jahre alte Familienbibel der Geschwister Anna und Barbara Teufel untergebracht ist.
Die beiden haben vor Kurzem die Bibel der evangelischen Kirchengemeinde geschenkt. Kirchenpfleger Georg Friedrich nahm das stolze Exemplar mit großer Freude entgegen. Die Bibel hat 1190 Seiten, ist 40 mal 27 Zentimeter groß, 13 Zentimeter dick und mit Eisen beschlagen. Sie wurde wohl erst 1725 von der Familie gekauft, aber die ersten Eintragungen lauten auf 1693. Das wertvolle Stück wurde für 6300 Mark restauriert. Die Kosten teilten sich Anna und Barbara Teufel zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Brunn.

Geburten und Tod

Die Teufelsche Familienbibel ist voller persönlicher handschriftlicher Anmerkungen - Zeugnisse echter Frömmigkeit und zugleich Notizen aus der Familien- und Dorfgeschichte. "Bin ich geboren Anno 1693", lautet die älteste Eintragung, und dann heißt es: "Heute den 3. Juni Anno 1727 hab ich mein Bibel Buch gekauft, hat mir gekosten 52 Batz‘n." Weiter notiert die Verfasserin die Geburt - und mehrere Totgeburten - ihrer Kinder, den Tod ihres Vaters. Auch sind viele Eintragungen mit Liedversen und Schriftzitaten versehen.
Ein Johann Friedrich Teufel berichtete 1830 über ein Gewitter, "von Kiesel und Winden nicht zu beschreiben. ... Und das hat Häuser und Städel zusammengerissen und das Getrait in den Boden geschlagen und alle Obstbäume zusammengerissen und die Wälder nach tausenden niedergerissen und alle die Täler überschwemmt ..."
Eine weitere Katastrophe suchte 25 Jahre später den Ort heim. Johann Christoph Teufel berichtet: "Den 15. Juli, an einem Sonntag mittags halb elf Uhr ist in dem Hause des Adam Bezold Feuer ausgekommen. Das Feuer griff so schnell um sich, dass in einer Stunde 14 Gebäude nebst zwei Kellerhäusern in hellen Flammen standen. Ja, die ältesten Leute bezeugten, einen so erschrecklichen Brand gar noch nicht erlebt zu haben. Das Geläute der Glocken zu Brunn, Heiligenstadt, das gewaltige Schießen auf dem Schloss Greifenstein, das Blöken des herumlaufenden Viehs, das Jammern der Leute, das gewaltige Lodern des furchtbaren Feuers, das Gekrachte zusammenstürzender Gebäude, hat auf unsere ganze Gegend einen er-schütternden Eindruck gemacht."
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