Schwürbitz

Eine Bauanleitung war nicht nötig

Teamgeist  Schüler der Adam-Riese-Mittelschule in Bad Staffelstein lernten beim Floßbasteln, dass wenn auch nur einer im Team in seinem Bemühungen nachlässt, so etwas Konsequenzen für eine ganze Gemeinschaft hat.
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Eine Seefahrt, die ist lustig ... - zumal, wenn sie auf einem selbst gebauten Floß geschieht. Fotos: Markus Häggberg
Eine Seefahrt, die ist lustig ... - zumal, wenn sie auf einem selbst gebauten Floß geschieht. Fotos: Markus Häggberg
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Schwürbitz — "Bin dabei, weil ich es heute noch aus dem Bett geschafft habe", erklärte Ben Ullrich launig zu den Umständen seiner Teilnahme. Fränkisches Understatement eines 14-Jährigen, der wenig später mittels Seilen, Brettern und Reifen an einem Floßbau beteiligt sein wird. Ziel: persönliches Wachstum durch Teamwork.
Selbstbehauptung, gesunde Ernährung, Umgang mit Gefühlen - nicht immer stellen diese Dinge Selbstverständlichkeiten für junge Menschen dar, bedingt durch Gegebenheiten moderner Zeiten und das, was sie mit sich bringen. Eben darum offerierte die Offene Ganztagsschule an der Adam-Riese Mittelschule in Bad Staffelstein ihren Schülern ein Zusatzangebot zu mehreren Bereichen des Lebens. Alles in allem nannte sich das "Wohlfühlreise".
Am Samstag endet diese Wohlfühlreise für vier Schüler der Ganztagsschule mit einer Erkenntnis: Wenn auch nur einer im Team in seinem Bemühen nachlässt, hat so etwas Konsequenzen für eine ganze Gemeinschaft.
Die Bretter wurden wie ein Raster auf die Reifen gelegt, dann vertäut. Sarah Reißenberger (16) knotet, was das Zeug hält, die 13-jährige Sina Dippold tut es ihr gleich, ein "Abenteuer" erwartend, sich aber etwas mehr an den anderen orientierend. Die anderen, das sind auch und gerade Ben Ullrich und Matino Duddek. "Matino ohne r", so der 14-Jährige zu der korrekten Schreibweise seines Namens.
Eigentlich hätten elf Teilnehmer mitmachen sollen, dass es nur vier waren, verwundert auch Jutta Laube vom Erzbischöflichen Jugendamt. Sie erklärt, dass es Schüler gibt, an die sich derlei Angebote zur Stärkung ihrer Persönlichkeit richten. Damit sie Zutrauen in sich und ihre Fertigkeiten bekämen. Immerhin galt es, ein Floß zu bauen, es zu Wasser bringen, Verantwortung für andere zu übernehmen und heil anzukommen. Aber fehlendes Zutrauen kann schon wieder der Grund für ein Ausbleiben sein.

Wo ist die Bauanleitung?

"Zu 90 Prozent taucht die Frage auf: Wo ist die Bauanleitung?", weiß Ronny Fleck. Er ist Erlebnispädagoge, geübt im Umgang mit jungen Menschen, mit Wildwasser, Klettersteigen und Seilgärten. Das "Hobby zum Beruf gemacht", habe er, so der 37-Jährige. Was er den Schülern heute beibringen soll, ist, dass es Mittel und Wege gibt, ein Problem zu bewältigen. Ganz ohne Bauanleitung. "Ich glaube, ihr seid heute ganz gut aufgehoben bei mir - obwohl nur auf dem Wasser." Drei Fragen will er nach all den Beschwerlichkeiten den Jugendlichen stellen. "Nie mehr als drei, sonst reflektierst du dich tot."
Auch er bedauert, dass statt der elf Kinder nur vier kamen. Das bedeutet, dass es keine förderliche Rivalität zweier Gruppen bei Floßbau oder später auf dem Fluss geben wird. In seinem Beruf hat er schon einiges erlebt, auch Konstellationen, die im Boot nicht funktionieren, Ehepartner gar, die es nicht vermochten, im Gleichklang zu paddeln. Weil so etwas leicht zur Frage nach Über- und Unterordnung ausarten könne, wie Fleck durchblicken lässt. Wer gibt das Kommando? Wie soll die Sitzverteilung sein? Solche Fragen müssen auch auf einer Strecke zwischen Schwürbitz und Michelau geregelt werden. Für alle Fälle aber will gelernt sein, wie man gefahrlos ins Wasser fällt, den nachfolgenden Bootsverkehr im Blick.
Eine gute Stunde lang zurrten die Kinder Seile um die Bretter, fixierten, gaben Stabilität. Die Form des Floßes war nicht originell, eher altbewährt. Die "Ergonomie" eines Bootes beschäftigte Ben, der sich auch etwas Keilförmigeres als schneller schwimmenden Untersatz vorstellen konnte. Der fleißigste Paddler wird er nicht immer sein, auch als Taktgeber für den Einstich des Paddels ins Wasser funktioniert er mitunter eher zeitweise. Und doch werden all die hinter ihm Sitzenden seinem Takt folgen. Unter den Augen der Praktikantin Amelie Zillig, Studium Soziale Arbeit an der Hochschule in Coburg, sowie von Jutta Laube begeben sich die Schulkameraden auf die Reise. Kentern werden sie nicht, das Floß wird halten, sogar eine Schleuse samt Stromschnellen wird es verkraften. "Weil wir es stabil gebaut haben", jubelt Sarah Reißenberger.
Lobende Worte finden auch die anderen Kinder überwiegend für das, was sie auf dem Wasser über sich als Einzelne und Team gelernt haben.

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