Herzogenaurach

Einblicke in die verborgene Welt der Bergleute Frankens

Es sind schon einige Jahrzehnte ins Land gezogen, seitdem im nördlichen Franken Bergleute in harter Arbeit unter Tage ihr Brot mühselig verdient haben. Über...
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Es sind schon einige Jahrzehnte ins Land gezogen, seitdem im nördlichen Franken Bergleute in harter Arbeit unter Tage ihr Brot mühselig verdient haben. Über ihr Leben und ihre Arbeitsbedingungen referierte Prof. W. Blessing, einst Lehrstuhlinhaber für Fränkische Landesgeschichte an den Universitäten in Bamberg und Erlangen, beim Heimatverein.
Als Ende des 15. Jahrhunderts die Nachfrage nach Eisen für Werkzeuge und Waffen immens stieg und Kaufleute, Klöster, Städte und der Adel nach gewinnbringenden Geldanlagen suchten, wurde man vielfach auf die "Gebürge" im Norden des heutigen Freistaats aufmerksam. Aufgrund der Erzvorkommen im Fichtelgebirge und Frankenwald versuchten einflussreiche Geldgeber, Schürf- und Abbaurechte für Eisen, Kupfer, Gold und Zinn oder Vitriole zu erwerben. Vitriole (Sulfatverbindungen) waren begehrt für Stoffdrucke in der Textilindustrie - und im Zeitalter der Reformation vor allem notwendig für den Buchdruck.
Zusätzlich zu den Gruben entstanden zahlreiche Hammerwerke an Bächen und Flüssen. Ortsnamen wie Goldkronach, Arzberg (=Erzberg), Kupferberg oder Schwarzenhammer erinnern heute noch an den Abbau und die Verarbeitung der Erze und Mineralien.


Schwerstarbeit unter Tage

Neben dem Hochstift Bamberg war es vor allem das Fürstentum Ansbach-Bayreuth, das im "Gebürg", dem Norden Frankens, den Bergbau förderte. Nach dem Niedergang des Montanwesens in den Markgrafenkriegen und dem 30-jährigen Krieg erlebte der Bergbau vor allem durch den bekannten Wissenschaftler Alexander von Humboldt um 1800 eine letzte Blütezeit. Damals unterstanden dem Bergamt Goldkronach zwölf Zechen und Hütten mit etwa 60 Arbeitern. 200 Jahre früher waren in kurzer Zeit sogar 500 Bergleute zugewandert, die jedoch in Krisenzeiten keine Arbeit mehr fanden.Letztlich wurde der Bergbau im Bezirk Goldkronach 1860 eingestellt.
Äußerst anschaulich schilderte Blessing die harten Arbeitsbedingungen in den Stollen unter Tage. Die Welt der Bergleute umfasste drei Gruppen von Beschäftigten, welche die Bodenschätze hoben: Bergbeamte ("der Bergmann von der Feder" genannt), denen die Anlage zur Förderung, Belüftung und Entwässerung unterstand, dann die Knappen oder "Bergleute vom Leder", so benannt nach dem Gesäßleder ("Arschleder"), das seit dem 16. Jahrhundert bei der Arbeit und beim Rutschen in die Stollen gegen Kälte und Nässe schützen sollte - und schließlich die Hilfskräfte, die das gewonnene Material in Förderkörben an die Oberfläche bringen mussten.
Die Hauer unter Tage leisteten Schwerstarbeit. Sechs bis acht Stunden, meist in hockender Stellung, lockerten sie mit Eisen und Schlägel das Gestein in großer Enge. Oft kamen sie in dieser Haltung arbeitend in einer Woche nur einen bis eineinhalb Meter voran. In ständiger Dunkelheit verloren sie außerdem meist jedes Zeitgefühl.


Eigene Mentalität und Kultur

Da sie während eines Großteils ihrer Alltags vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, entwickelten sie eine eigene Mentalität und schlossen sich zu Gruppen mit einer eigenen Bergmannskultur zusammen. So wurden Eisen und Schlägel nach der Schicht quasi als Abwehrzauber kreuzförmig abgelegt und mit dem Bergmannsgruß "Glück auf" wünschte man sich Glück auf der Suche nach Bodenschätzen und zur Abwehr von Gefahren.
Außerdem wurde die Arbeitskleidung zu einer Art Uniform umgebildet. Die Bergleute lebten angesichts der Gefahren unter Tage voller Gottvertrauen in tiefer Frömmigkeit oftmals mit eigenen Berggottesdiensten und Bergfeiertagen. In katholischen Bergämtern gab es eigene Prozessionen und Wallfahrten und wer am Sonntag die Messe schwänzte und den Wirtshausbesuch vorzog, konnte eingelocht werden. Der Barbaratag als Fest der Schutzpatronin war der Höhepunkt im Jahreslauf der Bergleute, bei dem man die harte Arbeit vergessen konnte und bisweilen mit maßlosem Essen und Trinken feierte.
Klaus-Peter Gäbelein
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