Ebern
Krötenwanderung 

Ein paar Eimer reichen nicht

In den letzten Tagen mussten sich die Helfer des Bundes Naturschutz im Landkreis ordentlich ranhalten. Die Amphibien haben sich auf ihre Wanderung begeben. Das bedeutet Nachtschichten und tragen, tragen, tragen.
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500 Meter Amphibienzaun stellte der Bund Naturschutz zwischen Gemünd und Jesserndorf auf. Der neue Zaun, der benutzerfreundlich in die Erde gesteckt wird, ist besonders für die Molche gut. Eine Beugung oben und unten verhindert, dass sie sich selbstständig auf den Weg über die Straße machen. Foto: Johanna Eckert
500 Meter Amphibienzaun stellte der Bund Naturschutz zwischen Gemünd und Jesserndorf auf. Der neue Zaun, der benutzerfreundlich in die Erde gesteckt wird, ist besonders für die Molche gut. Eine Beugung oben und unten verhindert, dass sie sich selbstständig auf den Weg über die Straße machen. Foto: Johanna Eckert
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und Brigitte Krause

Krötenzeit? Schon in den kühleren Tagen standen die 40 bis 50 Helfer des Bundes Naturschutz (BN) im Landkreis Haßberge in den Startlöchern. "Am letzten Mittwoch ist es losgegangen", berichtet Alexander Hippeli aus Ebern, der Jahr für Jahr die Amphibienschutzaktion mitorganisiert. Heuer hat er ein bisschen ein schlechtes Gewissen, denn als es losging, war er noch im Urlaub. Mittlerweile ist er aber auch schon an einigen Stellen gewesen und hat seine paar Päckli getragen: Kröten, Frösche, Molche und Lurche sind unterwegs. Fortpflanzungszeit.
Den 500 Meter langen Amphibienzaun zwischen Gemünd und Jesserndorf hatten die Helfer bereits am 11. März einsatzbereit entlang der Staatsstraße montiert. "Es war nachts einfach noch zu kalt", erzählte Harald Amon vom Bund Naturschutz Ebern. Die Helfer schauten sich durchaus vor Ort um, doch sie wissen: "Erst wenn es abends um 20 Uhr zwischen sechs und acht Grad hat", dann wollen die Tierchen aus dem Wald in Richtung Laichgewässer. "Je wärmer und feuchter, desto besser", ergänzte Amon. Unter diesen Bedingungen kann die Wanderung richtiggehend "explodieren" - jedenfalls hatten die Tierchenretter nun doch alle Hände voll zu tun.
Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 1154 Kröten, Molche und Grasfrösche alleine zwischen Gemünd und Jesserndorf bei ihrem Gang über die Straße gezählt werden. Molche werden es immer mehr, denn der neue Zaun, der seit drei Jahren an dieser Stelle im Einsatz ist, ist auch eine sichere Barriere für diese mobileren Amphibien. War bisher der Höhepunkt der Krötenwanderung rund um den 20. März terminiert, verzögerte es sich in diesem Jahr um einige Tage. "Wie lange es geht, kann man aber nicht sagen", so Amon. Das hängt ganz vom Wetter ab. In den Haßbergen fangen die Kröten später an zu laufen als im Maintal, wo es immer um einige Grad wärmer ist.
Beim Blick auf das Ganze wird deutlich, dass es sich um ganz schöne Massen handelt, die die Helfer da bewegen. Alexander Hippeli kennt die Schwerpunktstellen aus dem Effeff: Zwischen 2000 und 4000 Tiere ziehen zum Beispiel am Wotansborn nahe der Steigerwaldhochstraße in einer Saison durch die Lande, wenn es losgeht, "reicht ein Helfer nicht! Da müssen dann schon Familie und Freunde mit. Schließlich kann man die Eimer ja auch nicht vollstopfen..."


Tunnel bei Karbach?

Ein anderer Schwerpunkt ist bei Karbach/Rauhenebrach. Hier liefen in den letzten zwei Jahren Voruntersuchungen durch den Bund Naturschutz. Alle zehn Meter haben die Helfer Eimer eingegraben, um die Häufigkeit der Tiere festzustellen und die "Laufstraßen" auszumachen. Auch hier wandern bis zu 4000 Tiere - Grund genug, um auch hier ins Auge zu fassen, Tunnel anzubringen, wie Hippeli beschreibt. Die Amphibientunnel zwischen Unterschleichach und Tretzendorf haben sich bestens bewährt. Allerdings liegt noch kein Abschlussmonitoring vor.
Wo krabbelt es noch? Hippeli zählt mit kurzen Schätzungen auf: bei Stettfeld (800 bis 1300 Tiere), bei Steinsfeld (um die 400 Tiere), bei Hofstetten (rund 800 Tiere, beidseitig bergab), an der Grenze zum Landkreis Bamberg bei Kehlingsdorf (etwa 600 Tiere "nur auf unserer Seite"), im Ebelsbachtal bei Glaub- und Schönbachsmühle (500 sowie 600 bis 700 Tiere) - wobei Hippeli eine Freude hat: "2015 haben wir da erstmals eine Tempobegrenzung durchgesetzt!" Zwar sind die Helfer mit gelben Warnwesten unterwegs, doch ist die Straße kurvenreich und unübersichtlich - also gefährlich für Mensch und Tier.
Warum man das macht? Es sind Idealisten und Naturfreunde, die sich kümmern. Hippeli weist darauf hin, dass der BN sich über jeden Neuling freut, der mitmachen will.
Zwar dürften die meisten Tiere inzwischen schon durch sein, "die haben richtig gewartet, dass sie losziehen können" (Hippeli), doch nach wie vor sind die Sammler in den Abendstunden und am Morgen unterwegs und bringen die Tiere sicher über die Straße.

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