Bamberg

Ein neuer Look fürs Juz

Event   In Bamberg stieg das Freigeist-Festival als Fest der Farben. Mit internationalen Streetart-Künstlern verpassten Jugendliche ihrem Jugendzentrum einen bunten Anstrich.
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von unserer Mitarbeiterin Valerija Levin

Bamberg — Wer sich ab Freitag nicht nur Zeit für Fußball, sondern auch für Kunst nehmen wollte, war in Bamberg genau richtig! Nicht weit entfernt von der Fanmeile stieg ein Kunst- und Kulturfestival für Streetart und Graffiti. Die Organisatoren - Künstler der Bamberger Vereinigung "Freigeist"- setzten auf Farbe, große Flächen und abwechslungsreiche Unterhaltung. Internationale Künstler waren vor Ort, um dem Juz einen kreativen Anstrich zu verpassten - und das live.
Drei Tage lang waren Teilnehmer auf diese Weise am Malen und Sprühen. Und endlich präsentierten sie in Bamberg ein weiteres stolzes Kunstobjekt, das mit seiner Farbenpracht vielen Betrachtern sicher ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Kunst für Jung und Alt

Zu den Besuchern gehörten allerdings keineswegs nur junge Leute, für die's Workshops und viel Musik gab. Auch ältere Interessenten sahen den Künstlern beim Malen über die Schulter oder griffen gleich selbst zur Sprühdose.
Auf die Ohren gab's vor allem HipHop und Reggae. Eine Rap-Battle winkte neben Live-Konzerten. Hiob & Morlockk Dilemma (Berlin), Mangotree Sound, Gigoflow, Robanzee und diverse weitere Künstler sorgten für Stimmung.
Hitnes, ein Künstler aus Italien, ließ seiner Fantasie bei dem Festival freien Lauf, indem er einen Riesenkraken gestaltete. "Über Tiere werfe ich Fragen auf und kreiere neue Formen. Sie sind meine Lieblingsmotive." Überhaupt würde er auf disem Weg Kunst und Natur verbinden. Allerdings arbeitete Hitnes an dem Riesenkraken nicht mit Sprühdosen, sondern einem Stick. Wobei er sämtliche Farben und ebenso das Motiv spontan wählte und sich dabei vom Umfeld und der Stimmung der Besucher inspirieren ließ. Seine Karriere hatte der Künstler schon 1996 gestartet und seither an über 50 Ausstellungen teilgenommen - spezialisiert unter anderem auch aufs Gravieren.
An einer der Seitenwände werkelten gleich mehrere Kids gleichzeitig. Sie sprühten Muster, je nach Lust und Laune, mit Hilfe von Schablonen, die der holländische Künstler Erosie zu einem gemeinsamen Motiv verschmelzen ließ. Gegenüber entstand das Bild eines Raben, der seine Flügel über den Seiteneingang des Juz ausbreitet. "Bei einer Wand gelten dieselben Regeln wie auf Papier oder Leinwand”, erläuterte Johannes Stahl als Student der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Der angehende Designer, der sich schon bei diversen Ausstellungen und Projekten profilierte, gestaltete beim Freigeist-Festival eine Seitenwand des Juz. Das Besondere an seiner Technik: Auch Stahl nutzt nicht die Spraydose, sondern arbeitet mit dem Stick, wobei er statt Farbe oder Lack noch schwarze Tusche verwendet. "Für ein mittelgroßes Wandbild reicht mir meistens ein halbes Fläschchen, damit kann ich lange malen", sagt der Hochschüler. Sein Bild dann auch - ein wahrer Blickfang. Zumal Stahl einer der wenigen Graffiti-Künstler der deutschen Szene ist, der bei seinen Bildern vor allem mit schwarz-grau-weißen Kontrasten arbeitet. Die Raben gehören zu seinen Lieblingsmotiven - auch das Juz ziert nun ein solcher Vogel. "Ich finde das Projekt toll", meinte Johannes zuletzt, "die Atmosphäre, die Künstler, die Arbeit mit den Kindern - alles passt zusammen."

Von jungen Leuten für junge Leute

Als Absolventin der Georg-Simon-Ohm-Hochschule schwärmte Viktoria Cichon von dem Projekt. "Ob Jung oder Alt - hier machen alle mit. Die verschiedensten Leute, die sich für Graffiti und Streetart begeistern können, kommen zusammen”, meinte die 24-Jährige. Spezialisiert hat sich die gebürtige Polin auf "Handlettering” als Technik, bei der man mit Pinseln und Markern arbeitet. Bei der letzten Freigeist-Ausstellung gestaltete sie übrigens ein Fenster eines leerstehenden Matratzenladens in der Königsstraße. Nun ließ sich Viktoria Cichon auf dem Juz-Gelände vom Sommerwetter inspirieren und zauberte eine Oase auf eine Seitenmauer.
Irgendwann stand das Gesamtkunstwerk, das dem Jugendzentrum neues Flair gibt. Als Ort, der von jungen Leuten für junge Leute kreativ gestaltet wurde.
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