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Zeil am Main

Ein diffuses Gefühl der Angst

W er am Samstag und am Sonntag durch die Reihen des Zeiler Weinfestes gelaufen ist, hat die eine oder andere Lücke entdecken können. Nicht jede Bank war bes...
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W er am Samstag und am Sonntag durch die Reihen des Zeiler Weinfestes gelaufen ist, hat die eine oder andere Lücke entdecken können. Nicht jede Bank war besetzt, und daran war sicher nicht nur das windige Wetter am Sonntagabend oder das ausgefallene Feuerwerk, das sonst immer am zweiten Tag der Feierlichkeiten gezündet worden war, schuld. Möglicherweise hatte auch der eine oder andere mögliche Festbesucher die Anschläge von Würzburg, München und Ansbach im Hinterkopf und deshalb darauf verzichtet, zum Weinfest zu kommen. Menschenansammlungen wie bei Festen können Anschlagsziele sein, und wer sich einer solchen Gefährdung nicht aussetzen will, der muss daheim bleiben. Denn hundertprozentige Sicherheit kann kein Veranstalter garantieren, auch in Zeil nicht. Nicht jeder Rucksack wurde dort durchsucht, und wenn ein Attentäter mit einem Messer losrennt, ist die Chance eher gering, dass er im Vorfeld gestoppt werden kann. Die Sicherheitskräfte (Polizei, privater Sicherheitsdienst, Feuerwehr) zeigten in Zeil zwar deutliche Präsenz. Das beruhigt auch, aber - wie schon gesagt - hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
"Ein bisschen ein ungutes Gefühl hatte ich schon", gestand im Gespräch mit unserer Zeitung eine Frau, deren Kinder auf dem Marktplatz das Weinfest mitfeierten. Solche Gefühle beschlichen auch andere Besucher. Verstohlen wanderte der Blick auf Gäste, die vielleicht etwas anders aussahen oder die einen Rucksack dabei hatten, obwohl die Veranstalter im Vorfeld darum gebeten hatten, Rucksäcke und Taschen nach Möglichkeit zuhause zu lassen.
Das Schlimme und Perfide am Terror dieser Tage ist, dass er ein diffuses Gefühl der Angst in den Köpfen der Menschen festsetzt. Statistisch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass man Opfer eines Terroranschlages wird. Aber die Vernunft und die Statistik helfen nicht weiter, wenn die Emotionen mit im Spiel sind.
Jeder geht damit anders um. Besucher des Weinfests haben auch erzählt, dass sie die Zeitungsseiten mit den Terroranschlägen der vergangenen Tage einfach überblättert haben. Was man nicht weiß, belastet nicht! Wie auch immer: Viele Besucher des Weinfests ließen sich die Stimmung nicht verderben und feierten erst recht.

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