LKR Haßberge
Kirche 

Ein Wunsch, ein Dank, eine Bitte

Unscheinbar liegen die sogenannten Fürbittbücher in vielen Wallfahrtskirchen wie dem Zeiler Käppele aus. Doch die Gedanken, die Besucher in die Bücher hineingeschrieben haben, erlauben einen Blick in die Seele vieler Menschen.
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Friederike Stark

Es ist ein schlichtes Buch. Aufgeschlagen liegt es auf der kleinen Mauer vor der Lourdesgrotte im Zeiler Käppele. Ein Kugelschreiber ist in die Falz des Buches gerollt. Ein einziger Satz steht in der linken oberen Ecke: "Muttergottes, bitte, bitte hilf." Sonst nichts. Kein Datum, kein Name. Nur diese vier Worte.
Sofort kreisen die Gedanken: Wer hat diese Worte aufgeschrieben? Warum hat er oder sie nur diesen einen Satz formuliert? Es bleibt das Geheimnis dieser Person.


Zwei bis drei Bücher im Jahr

"Wir verfolgen die Geschichten nicht nach, selbst wenn der volle Name unter einer Fürbitte steht", erklärt Brigitte Hamm. Sie ist Mesnerin im Zeiler Käppele und legt seit 25 Jahren das sogenannte Fürbittbuch im Käppele aus. Vor ihrer Zeit als Mesnerin gab es die Fürbittbücher bereits, die in vielen Marienheiligtümern wie auch in der Ritterkapelle in Haßfurt und in der Wallfahrtskirche Maria Limbach ausliegen. "Damals wurde im Käppele leider Unfug mit dem Buch getrieben, weswegen die ganze Sache leider einschlief."
Hamm war damals - und ist auch heute noch - davon überzeugt, dass diese Anliegenbücher für viele Menschen hilfreich sind. Daher führte sie das Buch im Zeiler Käppele wieder ein. Die Idee hinter den Büchern: Der Besucher kann in Ruhe einige Worte, in Form einer Fürbitte, an die Mutter Gottes richten. Und im Zeiler Käppele wird diese Möglichkeit, sich auf seine Anliegen zu besinnen, rege genutzt. "Wir wechseln die Bücher zwei bis drei Mal im Jahr aus, weil sie voll sind", sagt Hamm.


Den Gedanken freien Lauf lassen

Kein Wunder: In der idyllischen Ruhe, die das Käppele umgibt, scheint der Stift den Besucher geradezu zum Schreiben aufzufordern. Denn hier oben kreisen die Gedanken, egal ob man gläubiger Christ, Pilger oder Tourist ist. Das zeigen auch die Sätze im Buch. Keineswegs schreiben nur Kirchgänger ihre Anliegen auf. Ganz im Gegenteil, es finden sich auch kritische Worte: "Wir sind ausgetreten. Tut uns leid. Aber viele Dinge passen nicht mehr in die heutige Zeit." Doch Fürbitten oder Worte des Dankes sind in der Überzahl.


Manchmal wie eine Gästebuch

Auch in der Wallfahrtskirche Maria Limbach nutzen viele Besucher die Möglichkeit, ein paar Sätze niederzuschreiben, weiß Wallfahrtspfarrer Otmar Pottler. Manch einer nutzt das Fürbittbuch als Gästebuch und bedankt sich für die schöne Radtour oder schreibt, wie hübsch die Wallfahrtskirche ist. "Die meisten aber formulieren persönliche Anliegen", erklärt Pfarrer Pottler, der die Bücher liest und einige der Fürbitten in seinen Gottesdienst miteinbezieht.
So macht es auch der Zeiler Pfarrer Michael Erhart im Käppele. "Jede Woche nimmt unser Pfarrer eine Fürbitte mit in seinen Gottesdienst auf, stellvertretend für alle aufgeschriebenen Anliegen", sagt Brigitte Hamm.
Und was passiert mit den vollgeschriebenen Büchern? "Die kommen in ein Archiv", sagt Wallfahrtspfarrer Pottler. Denn so schlicht wie die Bücher auf den ersten Blick wirken, so bedeutungsvoll ist ihr Inhalt.

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