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Lichtenfels

Ein Tag - viele Bräuche

Johannistag  Jetzt brennen sie wieder - die Johannisfeuer. Dass der Brauch auf uralte Zeiten zurückgeht, wissen aber heute die wenigsten. Auch in anderen Ländern wird der längste Tag des Jahres gefeiert.
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von unserem Mitarbeiter Klaus gagel

Kreis Lichtenfels — Sie scheinen so gar nicht in unser aufgeklärtes 21. Jahrhundert zu passen und dennoch ist die Faszination der Sonnwendfeiern auf die Menschen ungebrochen. Auch an diesem und am kommenden Wochenende werden an den verschiedensten Orten des Landkreises wieder die Flammen aus den großen Scheiterhaufen in den Himmel lodern.
Es ist der glühende Höhepunkt der längsten Tage des Jahres. Fast scheint es, als wollten die Menschen die Mittsommernacht noch um ein paar Stunden hinausschieben, ehe die Glut des Scheiterhaufens in sich zusammenfällt und die Dunkelheit der nun an länger werdenden Nächte die Übermacht gewinnt.

Wissenschaftliche Ursache

Die eigentliche Ursache für die unterschiedlichen Tageslängen liegt in der um 23 Grad geneigten Erdachse. Dadurch sind Nord- und Südhalbkugel einmal näher und einmal weiter entfernt von der Sonne. Am 21. Juni Juni erreicht die Sonne ihre nördlichste Stellung. Danach wendet sich die Nordhalbkugel von der Sonne ab, was von der Erde aus so aussieht als ob die Sonne nach Süden zieht.
Bereits in vorchristlicher Zeit wurde die Sommersonnenwende von Germanen, Kelten und Slawen gefeiert. Von kirchlicher Seite wurden die Sonnwendfeiern als heidnischer Brauch zunächst bekämpft, doch schon in frühchristlicher Zeit wurde das Geburtsfest Johannes' des Täufers auf den Tag der vermeintlichen Sommersonnenwende gelegt. Aus dieser Verschmelzung von Bräuchen entstand das Johannisfest, auch Johannistag oder Johannisnacht genannt, das am 24. Juni abgehalten wird.

Verschiedene Bräuche

Die Sommersonnwende wird von Land zu Land ganz unterschiedlich gefeiert. In Deutschland beginnt dieses Fest in der Regel mit dem Johannis- oder Sonnwendfeuer am Vorabend des 24. Juni, indem zumeist auf hoch gelegenen Plätzen ein Holzstoß angezündet wird. Im Ablauf der Feierlichkeiten sind noch Anklänge an vorchristliche Riten anlässlich der Sonnenwende zu erkennen. So sind beispielsweise das Sonnwendfeuer, das Überspringen des Feuers oder in anderen Regionen das Rollen brennender Räder von Hügeln herab alte Fruchtbarkeits- und Reinigungsriten.
Midsommar in Schweden bedeutet Blumenkränze im Haar, Tänze um den Maibaum und oft viel Schnaps. Weit verbreitet ist auch der Aberglaube, dass unverheiratete Mädchen in der Mittsommernacht von ihrem künftigen Ehemann träumen - wenn sie zuvor sieben verschiedene Wildblumen von sieben Wiesen gepflückt haben und diese unter ihr Kissen betten.
Die Dänen und Norweger feiern am Vorabend des Johannistages mit großen Feuern das Sank-Hans-Fest. Das Feuer soll böse Kräfte vertreiben. Mystischer geht es in England zu. In Stonehenge findet die größte Feier in Europa mit tausenden Teilnehmern statt. Sie war zwischenzeitlich sogar verboten worden. Der Steinkreis soll nach der Position der Sonnenwende angeordnet sein, doch diese Theorie ist umstritten.
Vom 11. Juni bis 2. Juli erleuchtet die Sonne fast den ganzen Tag über St. Petersburg, wodurch es auch nachts hell ist. Während der "weißen Nächte" steht die ganze Stadt Kopf. Mit Feuerwerk und Lasershow feiern die Russen. "La noche de San Juan", die Nacht des heiligen Johannes, wird in Spanien am Strand begangen. Gemeinsam wird gegrillt - bis Mitternacht. Dann springen unzählige Menschen ins Meer.
Auch der Zeitpunkt des Weihnachtsfestes am 25. Dezember ging aus einer Verschmelzung vorchristlicher Sonnwendfeiern und christlichem Kult hervor, liegt doch die astronomische Wintersonnwende auf der Nordhalbkugel am 22. Dezember, dem Winteranfang. Die Symbolik des vorchristlichen germanischen Mittwinterfests (Jul), das den Sieg der Sonne über die Dunkelheit feiert, wurde auf Christus und das Weihnachtsfest übertragen.
So liegen Johannisfest und Weihnachten in ihrem Symbolgehalt nahe beieinander. Beide markieren eine Zeitenwende. Wie Tag und Nacht, Ebbe und Flut stehen sie für den Rhythmus des Lebens. Vielleicht liegt darin der eigentliche Grund für ihre Faszination auf die Menschen.

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