Lichtenfels
STadtleben 

Ein Standort wird wieder wertgeschätzt

Es tut sich was am Lichtenfelser Marktplatz. Jahrelang verfiel das Geschäftsgebäude mit der Hausnummer 2, das an sehr prominenter Stelle steht. Der neue Besitzer hat große Pläne.
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Ein Schild in einem Fenster weist auf das Förderprogramm der Stadt für Fassaden hin. Damit wird es in dem Fall nicht getan sein.
Ein Schild in einem Fenster weist auf das Förderprogramm der Stadt für Fassaden hin. Damit wird es in dem Fall nicht getan sein.
Tobias Kindermann

Wenn man den Marktplatz als die Visitenkarte einer Stadt ansieht, möchte man Lichtenfels nicht unbedingt weiterempfehlen. Seit vielen Jahren verfällt das Gebäude Marktplatz 2, nachdem vor vielen Jahren die Filiale der Schuhkette Deichmann auszog, ging es nur noch bergab. Es blieb allein der Name - umgangssprachlich hieß es immer noch "Deichmann-Haus", obwohl längst andere Mieter eingezogen waren. Als Flechthaus wurde es gehandelt, die Stadt kaufte aber das Anwesen Marktplatz 10, zuletzt war ein Einzelhändler Mieter des Hauses, der Geschenkartikel und Lederwaren anbot und 2013 schloss. Danach wurden im Erdgeschoss gelegentlich Veranstaltungen durchgeführt.
Besitzer Horst Fischer aus Bamberg suchte lange vergeblich einen Käufer, ganz still wechselte die Immobilie im Januar nun den Besitzer. "Fischer war froh, dass er das Gebäude endlich verkaufen konnte", sagt Stefan Mehl. Er ist der Geschäftsführer der R+G-Beteiligungs GmbH, einem Unternehmen, hinter dem die Familie Hofmann mit ihren zwei Betrieben in Schney steht, der Robert Hofmann GmbH und der Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH. R+G hat das Anwesen erworben.
Beide Firmen aus Schney genießen etwa in der Branche der Automobilzulieferer und Raumfahrttechnik einen hervorragenden Ruf. Dort setzt man inzwischen in großem Stil sogenannte 3D-Druck-Maschinen ein, Laserschmelzgeräte, die komplexe Metallteile in Schichten aufbauen. Die Maschinen dazu stammen von dem benachbarten Unternehmen Concept Laser, das Frank Herzog mit seiner Frau Kerstin, geborene Hofmann, aufgebaut hat. Erst vor einem halben Jahr hat die Firma General Electric 75 Prozent von Concept Laser übernommen. Das zeigt, in welcher Liga man in den drei Unternehmen in Schney inzwischen unterwegs ist.
Das Gebäude am Marktplatz 2 soll ein Aushängeschild für die beiden Betriebe werden. "Diese Idee hatten Hofmanns schon seit Jahren", sagt Mehl. Doch statt einen Präsentationsraum in Schney zu bauen, zieht es die Betriebe nun in die Stadt. "Das ist auch ein Bekenntnis zur Stadt Lichtenfels." Im Erdgeschoss sollen wie in einem Schauraum 3D-Druck-Maschinen betrieben werden. "Damit möchten wir auch das Interesse der vielen Schüler wecken, die täglich hier vorbeikommen." In der Schney hätte man diese Wirkung als Aushängeschild nicht. In den beiden Obergeschossen sollen Seminarräume, die auch vermietet werden, entstehen und das Büro für die R+G Beteiligungs GmbH.


Substanz wird geprüft

Momentan wird geprüft, ob man Teile des Hauses wie die Fassade erhalten kann, wenn die Substanz es zulässt, oder ob ein Neubau in ähnlicher Optik entsteht. Ende März will man Klarheit haben, schon im April könnte dann ein Bauplan dem Bauausschuss der Stadt Lichtenfels vorliegen. Ende 2018 könnte das Projekt bezugsfertig sein, "aber das ist schon sehr optimistisch gerechnet", sagt Mehl. Es hänge auch davon ab, wie schnell man die Genehmigungen für die Umbaupläne erhalte.
Die Stadt Lichtenfels steht den Plänen sehr aufgeschlossen gegenüber: "Das ist genial, es freut mich außerordentlich, was hier passiert", sagt Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD). "Das ist etwas Außergewöhnliches, das der Stadt neue Impulse gibt." Auch die Stadt hat Pläne für den Marktplatz: Im schräg gegenüber liegenden Gebäude Marktplatz 10 soll das neue Amt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur samt einer größeren Stadtbücherei und einer erweiterten Tourismusinfo seinen Platz finden.
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