Bamberg
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Ein Schandfleck mit Geschichte

Dass es an der Kettenbrücke ein Stück öffentlichen Grundes gibt, das privat genutzt wird, hängt mit uralten Ausbauplänen für den Heinrichsdamm zusammen. Der Bamberger Baureferent kennt die Zusammenhänge.
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Am linken Bildrand ist die Mündung des Heinrichsdamms an der Kettenbrücke/Hauptwachstraße zu erkennen. Alte Pläne sahen vor, den Heinrichsdamm jenseits der Brücke in Richtung Norden zu verlängern. Dafür hätte man etliche alte Häuser, die die Rückseite der Kleberstraßen-Bebauung bilden und heute saniert sind, abbrechen müssen. Foto: Ronald Rinklef
Am linken Bildrand ist die Mündung des Heinrichsdamms an der Kettenbrücke/Hauptwachstraße zu erkennen. Alte Pläne sahen vor, den Heinrichsdamm jenseits der Brücke in Richtung Norden zu verlängern. Dafür hätte man etliche alte Häuser, die die Rückseite der Kleberstraßen-Bebauung bilden und heute saniert sind, abbrechen müssen. Foto: Ronald Rinklef
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Jutta Behr-GRoh

Nun ist geklärt, was es mit der privaten Nutzung einer öffentlichen Fläche an der Kettenbrücke auf sich hat. Baureferent Thomas Beese kennt die Hintergründe: Es hat mit einer längst zu den Akten gelegten Straßenplanung zu tun.
Der FT hat am 7. Februar 2017 unter der Überschrift "Kleiner Platz soll größer werden" über die Absicht des Baureferats berichtet, den Schandfleck am Rand der Fußgängerzone mittelfristig umzugestalten. Wohl wegen einer Kommunikationspanne im Baureferat hatte man der Lokalredaktion mitgeteilt, es sei nicht mehr bekannt, warum am stadtseitigen Brückenkopf öffentlicher Grund von einem Tor versperrt wird.
Beese liefert nun die Aufklärung nach. Die Vorgeschichte reicht demnach bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als Kunigunden- und Heinrichsdamm entstanden sind. Man baute sie als Hochwasserschutz beidseits des rechten Regnitzarms, dem heutigen Main-Donau-Kanal.


Endgültig zu Akten gelegt

Der Heinrichsdamm wurde bis zur Kettenbrücke ausgebaut, wo er noch heute endet. Jahrzehntelang gab es die Idee, ihn in Richtung Löwenbrücke und weiter nach Norden zu verlängern. Das Schubladenprojekt soll erst um das Jahr 2000 herum endgültig zu den Akten gelegt worden sein.
Tatsächlich ist das Projekt aber schon früher "gestorben", durch den Bau von Tiefgarage und Turnhalle Georgendamm 1993/1994 an der Löwenbrücke. Laut Beese wurde eine der Parkhaus-Einfahrten auf der angedachten Straßentrasse gebaut.
Zurück zur Situation an der Kettenbrücke. Sie hat direkt mit dem nie verwirklichten Straßenprojekt zu tun. Wie der Baureferent darlegt, hatte die Stadt im Hinblick auf eine geplante Fortführung des Heinrichsdamms Grundstücke entlang der Kleberstraße gekauft, denn die rückwärtige Bebauung wäre dem Straßenbau zum Opfer gefallen. Weil das Projekt nicht vorankam, sei das Grundstück an der Kettenbrücke schon vor Jahrzehnten an ein dort ansässiges Busunternehmen vermietet worden.
Die Firma existiert nicht mehr, der Mietvertrag schon. Auch der Kiosk ist noch vorhanden, der dem Unternehmen als Reisebüro diente. Das einfache Gebäude muss laut Beese eines Tages auf Kosten des Mieters abgerissen werden.


Kosten standen im Weg

Der Schandfleck an der Kettenbrücke rückte erst wieder im Zusammenhang mit dem Brückenneubau 2009/2010 in das Blickfeld von Politik und Verwaltung, als man sich mit der Erschließung der vermieteten Freifläche befassen musste. Eine städtebaulich ansprechendere Lösung sei seinerzeit zurückgestellt worden, weil sie die Kosten für die Brücke noch erhöht hätte, so der Baureferent.
Inzwischen befasst man sich im Rathaus zumindest planerisch wieder mit der Neugestaltung und künftigen Nutzung des Plätzchens, vielleicht als zentrumsnahen Zweirad-Parkplatz.
Als Erstes lässt das Baureferat die historische Stützmauer untersuchen. Das denkmalgeschützte Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert könnte versteckte Schäden aufweisen. Ob heuer für mehr als diese Untersuchung Geld zur Verfügung steht, bleibt laut Beese abzuwarten.
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