Bad Staffelstein

Ein Mord zum Sauerbraten

Krimidinner  Das Stück "Alles Gute, liebe Leiche" punktete mit unverbrauchten Witzen und durch gute Dialoge. Die "Theater auf Tour-GmbH" trat im Staffelsteiner Kurhotel auf und begeisterte die Zuschauer auch kulinarisch.
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Spaß machte das Krimi-Dinner den Gästen vor allem auch deshalb, weil einige von ihnen in die Handlung mit einbezogen wurden: Hier stellt Andrea Herold (links) als Ärztin eine Diagnose. Zudem auf dem Bild: die Schauspieler Joachim Beck und Christine Richter. Fotos: M. Häggberg
Spaß machte das Krimi-Dinner den Gästen vor allem auch deshalb, weil einige von ihnen in die Handlung mit einbezogen wurden: Hier stellt Andrea Herold (links) als Ärztin eine Diagnose. Zudem auf dem Bild: die Schauspieler Joachim Beck und Christine Richter. Fotos: M. Häggberg
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Bad Staffelstein — Bachforelle, Flusskrebse und Karpfen an einem Waldkräutersalat - das klingt ja nicht direkt nach Theater. Ist es aber doch. Und nur, weil in direkter Nachbarschaft gemordet wird, vergeht einem das Essen noch lange nicht. Sauerbraten vom Hirsch an Rosenkohlspalten mit kleinen raffinierten Knödeln. Pro Akt eine Mahlzeit-Pause - das boten am Samstagabend das Kurhotel und die "Theater auf Tour-GmbH". Und die Leiche? Die stand fröhlich wieder auf und wird in Bälde andernorts zum Schein erneut gemeuchelt.
"Unkrut verget niht" - so lautet der Sinnspruch des Wappens derer von Waldau. Antje Brauner, Christine Richter und Joachim Beck stellten zu dritt eine Handlung mit maßgeblichen fünf Personen dar. Dabei gingen sie um die rund 80 Gäste herum, bezogen diese ins Stück ein und mussten für Unvorhergesehenes schlagfertig sein. Es ist ja nicht immer damit zu rechnen, dass ein Gastspieler aus dem Publikum die ihm überraschend angetragene Rolle auch ausfüllt.

Vier Gäste wurden zu Mimen

Das taten vier der 80 Gäste aber doch. Als Landrat, Bürgermeister, Pfarrerin und Ärztin versahen sie ihre Pflichten, gaben Statements, verlasen Communiqués und hielten Trauerreden. Und sie blockierten die Ermittlungen, denn eine Leiche war doch nicht tot, und so sehr dürfte sich die Bambergerin Andrea Herold beim Tod noch nie geirrt haben. Vor dem Vier-Gänge-Menü erklärte sich die Tierärztin bereit, im Stück als Humanmedizinerin aufzutreten. "Ich habe öfter so ein Glück, dass ich bei solchen Sachen einspringen darf", so die junge Frau während einer Pause, von unserer Zeitung auf ihr Tun angesprochen.
80 Gäste, das sind 80 Theaterfreunde - und Esser. Elf Fachkräfte bietet das Kurhotel ihretwegen im Service und in der Küche auf. Verkaufsleiterin Pia Schott erklärt, dass man sich bei der Menüauswahl immer Gedanken dazu macht, was zum Stück passen könnte. Klarer Fall: Eine Pilzvergiftung im Stück würde ein Pilzgericht auf der Karte nach sich ziehen.
Beinahe vier Stunden nimmt man sich Zeit, um dem Geschehen zu folgen. Aber das war ausgesprochen originell, denn das Darmstadter Ensemble sprühte vor Witz. Das Stück "Alles Gute, liebe Leiche" punktete mit unverbrauchten Witzen und durch gute Dialoge.

Skurrile Charaktere

Zum Geschehen: Eine kapriziöse Frau von niederem Adel versucht, das Familienschloss zu einer Art Vergnügungspark zu machen. Mit dieser Idee fremdeln eine adelige Krankenschwester in unglücklicher Ehe und ein in beinhartem Realismus verhafteter kauziger Gärtner. Ab und an kommt es zu einem Mord, nach dem schräge Lieder gesungen werden. "Das Graben ist des Gärtners Lust" beispielsweise oder "Kein schöner Mord in dieser Zeit".
Auch die Ahnengalerie derer zu Waldau hat es in sich: Es gibt einen Otto den Kahlen, einen Oskar den Gebissenen und sogar einen Jakob den Lügner. Jede Ähnlichkeit mit einem berühmten Buch und Film ist beabsichtigt und zeugt von Liebe zum Tun. Aber dieses Tun ist auch mit Strapazen verbunden.
Joachim Beck, der den Gärtner und den Koch spielte, nennt diese Strapazen "beste Shakespearesche Tradition", wenn er vom Wandertheater spricht. In fünf Stücken ist er vertreten, kaum zu Hause und noch höchstens zehn Jahre für diesen Job zu haben.

Kein Mord während des Essens

Daran, dass ihr Anteil an einem gelungenen Abend anhand des zweiten Programmpunkts, dem Essen, nur 50 Prozent beträgt, leiden die Schauspieler nicht - man spielt nicht während des Essens. Erst wenn abgedeckt ist, beginnt der nächste Akt.
Am Ende fielen Schüsse und eine Verhaftung erfolgte, ein Liebespaar fand sich - und Ende gut, alles gut. Auch kulinarisch.

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