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Tiere 

Ein Meerschwein pfeift ungern allein

Isabel Plasa-Rost aus Limbach ist Tierärztin mit einem besonderen Hang zu Meerschweinchen. Sie rettet die Nager und gibt ihnen ein Zuhause.
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Friederike Stark

Alle kommen sie angerannt: Aldi-Süd, Cola, Frau Dehner und der fette Hobbit. Sie schlüpfen wie auch die 40 anderen Meerschweinchen aus ihren Verstecken, um Salatblätter zu vertilgen, die ihnen Isabel Plasa-Rost serviert hat.
Die Tierärztin lebt ihren Traum. Mit vier Hunden, zwei Pferden, einer Katze und mehr als 40 wuseligen Meerschweinchen wohnen sie und ihre Familie in Limbach. "Wir machen nichts anderes, außer in der Praxis zu arbeiten oder die Tiere zu verpflegen", sagt sie lachend. Klar, mache würden sie für verrückt halten.


Meerschweinchen leben im Rudel

Aber: "Ich hab' einfach was übrig für unsere Heimtiere", sagt sie. Besonders Meerschweinchen haben es ihr angetan. "Wenn ich sehe, wie viel bei der Haltung falsch gemacht wird. Das ist echt traurig", erklärt Plasa-Rost. Da sie den Platz hat, nimmt sie eben hin und wieder ein Tier auf.
"Die Schweinchen leben im ehemaligen Pferdestall", erklärt die Tierärztin, die in Limbach mit ihrem Mann eine Praxis betreibt. Für die 40 Tiere sei der Platz völlig ausreichend. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Meerschweinchen viel Platz brauchen. Da verlieren sie nur die Orientierung." Daher brauchen sie im Gehege Unterschlupf. Doch am wichtigsten für die Tiere ist es, nicht alleine zu leben. "Drei Tiere sollten mindestens zusammen leben", erklärt Plasa-Rost und öffnet die Tür zum Stall.


Der schwere Kampf von Aldi-Süd

Ein Fiepkonzert ertönt, und die Tierchen kommen aus ihren Unterschlüpfen herausgekrabbelt. "Für mich hat das schon fast was Meditatives", sagt Plasa-Rost.
Sehr zögerlich lässt sich ein rot-braunes Meerschweinchen blicken, dem das linke Auge fehlt. "Aldi-Süd, da bist du ja", sagt Plasa-Rost zu dem schüchternen Nager. Aldi-Süd hat seine ganz eigene Geschichte. "Eine Freundin rief mich an, und erzählte, dass zwei Meerschweinchen den Aldi aufmischen würden", erzählt Plasa-Rost. Es stellte sich heraus, dass die beiden Nager aus einer Obstkiste aus Peru gekrochen kamen. "Die beiden Tiere waren völlig ausgemergelt", erinnert sich Plasa-Rost. Eines der Tiere nahm sie mit zu sich und taufte es Aldi-Süd. Der Kleine erholte sich, doch leider attackierte ihn ein Hermelin. "Dabei verlor er sein linkes Auge."


Artgerechte Tierhaltung

Die Geschichte von Aldi-Süd ist speziell. Aber jedes der Meerschweinchen hat seine eigene zu erzählen. "Häufig sind es Tiere, die eine Behandlung benötigt hätten, die mehr kosten würde als ein neues Tier", sagt Plasa-Rost. Manche Besitzer würden sich, so hat Plasa-Rost es erlebt, gegen die Behandlung entscheiden. "Da heißt es dann: Da kauf' ich mir lieber ein neues", sagt die Tierärztin kopfschüttelnd. Bei anderen ist die Geschichte weniger tragisch. "Anderen Besitzern ist ein Tier weggestorben und dann bringen sie mir das übrig gebliebene. Das ist auch gut so." Denn bevor ein Tier alleine lebt oder falsch gehalten wird, nimmt es Plasa-Rost lieber auf.
Ihr liegt eine artgerechte Tierhaltung am Herzen. "Was wir manchmal in der Praxis sehen, ist echt tragisch." Den Meerschweinchen zu helfen, ist ein kleiner Ausgleich. Denn: "Auch Kleintiere haben ein Recht auf artgerechte Haltung", sagt sie.


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