Herzogenaurach
Brauchtum 

Ein Lied brachte Glück

Mit Musik, Gesang und Schüssen begrüßten die Herzogenauracher schon vor langer Zeit das neue Jahr. Die beiden Stadttürme spielten dabei eine wichtige Rolle.
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Vom Vehnturm herab wurde in Herzogenaurach früher das neue Jahr begrüßt. Unser Bild zeigt ihn verschneit im Winter 2006. Foto: maw
Vom Vehnturm herab wurde in Herzogenaurach früher das neue Jahr begrüßt. Unser Bild zeigt ihn verschneit im Winter 2006. Foto: maw
Der Herzogenauracher Andreas Fischer hat in seiner Chronik für Neujahr 1927 ein altes Lied überliefert, das lange Jahre in der Stadt zum Jahreswechsel gesungen wurde. Auch vor 90 Jahren war schon das Schießen zur Begrüßung des kommenden Jahres üblich. Über lange Zeit wurde in der Silvesternacht allerdings nicht mit gekauften Böllern geschossen, sondern mit den in vermutlich jedem Haus vorhandenen Waffen, die durch die Einrichtung der Bürgerwehr nötig waren.
Wenn es nachts vom Kirchturm 12 Uhr schlug, blies der Türmer auf dem Türmersturm in sein Horn. Ihm folgten die Nachtwächter, bliesen in ihre Instrumente und riefen die Stunde aus. Groß und Klein stand unter den Haustüren und wünschte den Nachbarn und allen Vorübergehenden Gottes Segen und Glück zum neuen Jahr.


Jugend feuert Freudenschüsse ab

Der Chronist Andreas Fischer vermerkt in seinem Werk für Neujahr 1927, dass die Silvesternacht im Zeichen der Fröhlichkeit und des Trubels verlief, trotz der großen Arbeitslosigkeit und der schwierigen Zeiten. Auch in der damaligen Zeit ließ es sich die Jugend nicht nehmen, das neue Jahr mit Freudenschüssen zu empfangen. Um 12 Uhr ertönte feierliches Glockengeläute von den Kirchtürmen und mahnte mit ernstem Schalle an die Vergänglichkeit alles irdischen Daseins, ließ aber auch wohl manchen frommen Wunsch für das kommende Jahr im Herzen wach werden.
Von luftiger Höhe des damals als "Museumsturm" bekannten Vehnturmes herab blies Andreas Fischer das althergebrachte Neujahrslied. Der Text dazu lautete: "Als die acht Tage vorüber war'n, und das Jesukindlein beschnitten war, beschnitten in Peinen und Schmerzen; Jesu, du liebes Kindelein, wolltest uns dieses Jahr barmherzig sein und uns unserer Sünden nicht strafen.
Was wünschen wir unseren Herren und Bürgern?
Ein glückseliges, fröhliches, freudenreiches neues Jahr. Und was wir ihnen wünschen, das wünschen wir ihnen von Herzen. Also wollen wir hier und dort, Immerfort und fort,
Loben und preisen seinen Namen. Gelobt sei Jesus Christus! Amen."

Beendet wurde das Lied mit den Worten "Ein glückseliges neues Jahr", das von den Herzogenaurachern umgangssprachlich zu "A g'sells neis Joa!" verkürzt wurde.


Kolpingsfamilie hilft mit

Dieses populäre Lied wurde allerorten gesungen, auch auf den Plätzen der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte diese Aufgabe die Kapelle Engert übernommen, die sich aus Mitgliedern der Kolpingsfamilie Herzogenaurach zusammensetzte. Rund ein Dutzend Männer der Kolpingsfamilie traf sich zuerst an der Sakristei der Stadtpfarrkirche. Pünktlich zur Jahreswende stiegen die Bläser auf den Vehnturm und bliesen das einst hier gebräuchliche Neujahrslied.


Gesang auf allen Plätzen

Danach sangen sie das Lied zuerst vor dem Pfarrhaus dem Pfarrherren. Dann ertönte am Zusammenstoß Hintere Gasse mit Erlanger Straße vor dem Anwesen Biermann/Erhardt, am Marktplatz vor dem Rathaus, anschließend vor dem Wirtshaus "Ziggler", Hauptstraße 71, und zum Schluss an der Zusammenführung von Hinterer Gasse und Bamberger Straße.
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