Herzogenaurach
Treffen 

Ein Kunsttag in der Altstadt

19 Künstler aus Franken, Polen und Tschechien nehmen am Pleinair 2017 teil. Sie malten auch in Herzogenaurach.
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Paul Gütle zeichnet sein Geburtstagshaus am Kiliansplatz, das kleine Gebäude in orange.  Fotos: Bernhard Panzer
Paul Gütle zeichnet sein Geburtstagshaus am Kiliansplatz, das kleine Gebäude in orange. Fotos: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer

Die historische Altstadt ist ein begehrtes Motiv - nicht nur bei mit Kameras oder Handys bewaffneten Touristen, auch bei bei "echten" Künstlern. 19 Frauen und Männer sah man am Dienstagvormittag an vielen Stellen auf ihren Hockern sitzen, ausgerüstet mit Bleistift, Zeichenblock und Staffelei. Im Freundeskreis Erlangen-Höchstadt/Tarnowskie Góry (Tarnowitz) ist wieder mal die Künstlerzeit angebrochen.
Seit Sonntag befinden sich neun Künstler aus dem polnischen Partnerlandkreis in Franken. Dazu gesellen sich drei Tschechen aus Kutna Hora (Kuttenberg), der Partnerstadt von Tarnowskie Gory, und sieben Teilnehmer aus ERH. Mit Herzogenaurach wurde die künstlerische Reise gestartet, die die Akteure noch nach Marloffstein, Dechsendorf und Kieferndorf führt. Überall darf und soll gezeichnet werden; zwei Bilder müssen zum Schluss abgegeben werden.
Mit den 38 Exemplaren wird dann die Ausstellung im Herzogenauracher Stadtmuseum bestückt, die am kommenden Sonntag um 16 Uhr eröffnet wird. Beim "Kunsttag in der Altstadt" entstehen bei natürlichem Licht und im natürlichen Umfeld also künstlerische Impressionen, die bis zum 16. Juli ausgestellt werden.
Zum sechsten Mal findet dieser Austausch statt. Manch einer war schon mehrmals dabei, so wie der Pole Leon Kozok. Der 69-Jährige fehlte bislang bei keiner der zwölf Aktionen, weder in Franken noch beim "Pleinair" in Polen. Denn so nennt sich die Aktion, zu deutsch heißt das Freilichtmalerei. Erstmals dabei ist in diesem Jahr die erst 18-jährige Oktawia Hetmanczyk, die gerade ihr Abitur gemacht hat. Sie begleitet ihre Mutter Beata Hetmanczyk, die die Vorsitzende der polnischen Künstlergruppe ist. Und damit gewissermaßen das Gegenstück zu Maria Stawik-Höhlriegel aus Aurachtal, die die Teilnehmer zusammen mit Manfred Bachmayer, dem Vorsitzenden des Freundeskreises, auf dem Marktplatz begrüßte.


Kunstprofessor mit dabei

"Es sind alles gelernte Künstler", sagte die künstlerische Leiterin der Polen. Und ihre Kollegin aus Franken freute sich, dass zum wiederholten Male Edward Kostka, ein Professor der Kunstakademie in Breslau, mitreiste.
Maria Stawik-Höhlriegel ist selbst gebürtige Polin und wünscht sich besonders, dass dieser Austausch auch als ein Zeichen für ein offenes Europa gesehen wird. Gerade in der derzeit schwierigen Zeit wolle man einen eigenen Beitrag leisten. "Es ist schön, wenn sie kommen und keine Angst haben müssen", sagt sie.
Und so machten sie sich dann auf den Weg in die Innenstadt, um lauschige Plätzchen zu finden. "Vergesst nicht die Natur", rief Bachmayer den Künstlern zu, denn das Thema lautet in diesem Jahr "Kunst in der Natur". Freilich waren es die historischen Fachwerkbauten, die verwinkelten Gassen und das kleinstädtische Franken, das den Aktiven an Herzogenaurach besonders gefiel. Dafür freuen sie sich dann auch genauso auf die reine Natur am Dechsendorfer Weiher zum Beispiel.


Das Geburtshaus

Paul Gütle, ein Teilnehmer aus ERH, machte sich zielstrebig auf in die Hauptstraße, um am Vehnturm Platz zu nehmen. Im Blick hatte er die romantische Häuserzeile am Kiliansplatz, vor allem das Haus mit der Nummer 4. "Da bin ich vor 72 Jahren geboren", sagte er, der seit 50 Jahren im Adelsdorfer Ortsteil Aisch lebt. Ein paar Meter weiter oben, an der Wand der Stadtpfarrkirche, hatten sich zwei Polen platziert. Sie betrachteten den Aufgang zum Kirchenplatz von der anderen Seite her. Ihr Motiv: kleines Spital.
Das Schloss im Blick hatte Hans Fister aus Eckental. Er ist Mitglied bei den Kulturfreunden Heroldsberg und auch schon zum dritten Mal dabei, er hat eine Galerie und manche seiner Aquarelle schon auf Postkarten gedruckt. Die Stadttürme hatten es der Chefin der Polen, Beata Hetmanczyk, angetan. Und Maria Stawik-Höhlriegel wollte die Stadtpfarrkirche aus einem besonderen Augenwinkel einfangen: drunten vom Beginn der Reythergasse nämlich.
Und wer noch nicht wusste, was er an Motiven, auch solche der Natur, wählen sollte, den führte Ursula Wellnitz durch die Stadt. Sie ist Mitglied im Freundeskreis und habe diese Aufgabe gern übernommen, sagte Vereinschef Bachmayer.

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