Bamberg
Baustelle 

Ein Kleinod hinter Gittern

Die Sanierung des Wohnhauses an der "Tabakscheune" liegt im Zeitplan. Hinter dem Gerüst verbirgt sich ein Anwesen, in das 2017 denkmalbegeisterte Mieter einziehen könnten. Doch was passiert eigentlich mit der baufälligen Scheune?
Artikel drucken Artikel einbetten
Anna Lienhardt

Von außen läuft man fast dran vorbei, doch auf den zweiten Blick sind sie doch zu erkennen: Die Umrisse des Raulino "Gartenhauses" - einst ein prächtiges Anwesen mit rund 140 Quadratmetern Fläche - und die angrenzende "Tabakscheune". Diese kam zu ihrem Namen, weil sie von 1820 bis 1943 eben jener Tabakfabrikation Raulino als Trockenraum und Lager diente.
Scheune und Anwesen gehören zu den jüngeren Einzeldenkmälern Bambergs. 2012 veräußerte die Stadt das Ensemble an die von ihr verwaltete Edgar-Wolf'sche Stiftung. Die hat Anfang des Jahres mit der Sanierung der Ruine begonnen. Doch schon jetzt sieht man dem Haus an: Es wird einmal ein "Kleinod", wie es Werner Kühhorn, Leiter des städtischen Immobilienmanagements, bezeichnet.
Hohe Decken und riesige Fenster lassen schon jetzt Licht in jede Ritze der Baustelle. "Wir stellen die historischen Fensteröffnungen wieder her", erklärt Holde-Sabine Wellner, Projektleiterin des Anwesens mit der Adresse Nebingerhof 25.
Bei der kompletten Sanierung des Hauses aus dem Jahr 1850 versuche man, "den Altbestand zu erhalten", wie Werner Kühhorn ergänzt. Stellenweise klappt das ganz gut, zum Beispiel bei dem originalen "fränkischen Parkett", das auf den neuen Bodenplatten wieder seinen Platz finden wird. Auch das "Zwerghaus", das gerade saniert wird, wird am Ende wieder die Hausfront zieren. Dabei handelt es sich um ein hölzernes Schmuckelement, eine Art "Zierbalkon". Typisch für Bauwerke im "Schweizer Stil", zu dessen wenigen Bamberger Repräsentaten das Gebäude gehört.
Was ist die größte Herausforderung an der Sanierung? "Das ganze Projekt", sagt Projektleiterin Holde-Sabine Wellner. Und Werner Kühhorn: "Es war zehn nach zwölf. Es ist nicht mehr viel da."
Der komplette Dachstuhl musste abgebaut werden, er wurde erneuert und wird gerade unter einem Notdach wieder zusammengesetzt und aufgerichtet - wo es geht mit Original-Balken. Zudem dürfen sich die zukünftigen Bewohner auf einen Kamin freuen, der einst abgebrochen wurde, nun aber auch wieder aufgebaut wird.
Genauso, wie die Wände im Inneren wieder dem ursprünglichen Grundriss angepasst werden. Klar ist: Gewohnt wird zur Miete. 2017 soll es soweit sein. Vorher müssen die Interessenten ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Kühhorn erklärt: "Es sollte schon jemand sein, der weiß, wie er mit einem wertvollen, denkmalgeschützen Anwesen umgeht."
Dieser Status sorgt übrigens dafür, dass von der Million, die die Sanierung kostet, 40 Prozent über Fördermittel finanziert werden. Das Geld kommt von der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Landesstiftung und dem Entschädigungsfond Bayern - betreffend das Wohnhaus.
Bei der "Tabakscheune" selbst ist man laut Kühhorn noch in der Findungsphase, konzeptionell wie finanziell. Klar ist: Ein Lager soll es nicht bleiben. Die Rede ist von einer "höherwertigen Nutzung".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren