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Kulmbach

Ein Ehepaar im Drogensumpf

gericht  Sie handelten mit Crystal: Eine 30-jährige Frau und ein 33-jähriger Mann aus Kulmbach kamen noch einmal mit Bewährungsstrafen davon.
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Mit dem Verkauf von Crystal Speed finanzierten die beiden Angeklagten ihre eigene Sucht. Foto: David Ebener/dpa
Mit dem Verkauf von Crystal Speed finanzierten die beiden Angeklagten ihre eigene Sucht. Foto: David Ebener/dpa
von unserem Mitarbeiter 
stephan herbert fuchs

Kulmbach — Wegen des Erwerbs von Crystal Speed und Handels mit der Teufelsdroge in zahlreichen Einzelfällen hat das Amtsgericht ein Ehepaar aus Kulmbach zu Bewährungsstrafen verurteilt. Während die 30 Jahre alte Frau mit einem Jahr und vier Monaten davon kam, lautete das Urteil gegen den 33-jährigen Mann unter Einbeziehung einer Vorstrafe auf zwei Jahre.
"Man sieht, wie lange sie schon im Drogensumpf stecken", sagte die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt. Allerdings erst auf den zweiten Blick: zehn Vorstrafen, darunter zwei wegen Drogengeschichten hatte der Angeklagte vorzuweisen, eine Therapie hat er bereits hinter sich, einen Rückfall aber auch. Ähnlich seine Frau: Sie will bereits mit 14 Jahren angefangen haben, Crystal zu konsumieren und hat ebenfalls bereits eine Therapie hinter sich. "Beide sind strafrechtlich schon erheblich aufgefallen", so Staatsanwalt Matthias Burkhardt.

Mit Drogen abgeschlossen

Auf dem ersten Blick präsentierte sich dem Gericht ein Pärchen, das einen Schlussstrich unter seine Drogenvergangenheit gezogen hat. "Beide haben mit Drogen abgeschlossen, beide haben damit nichts mehr zu tun und bedauern, da überhaupt reingeraten zu sein", so Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach.
Konkret warf Staatsanwalt Matthias Burkhardt den beiden vor, zwischen Januar und November 2013 in zahlreichen Einzelfällen Crystal Speed erworben zu haben. Übergabepunkte waren mal die Siedlung, mal der Marktplatz, mal die Wohnung der beiden. Sogar über Facebook will man sich mal verabredet haben. Die kleinste Einzelmenge war dabei 0,1 Gramm, die größte fünf Gramm. Weit über die Hälfte haben beide für den Eigenkonsum verwendet, den Rest sollen sie weiterverkauft haben, um die eigene Sucht zu finanzieren.

Reines Badesalz

Zum Auftakt der Hauptverhandlung gaben beide, wie schon zuvor bei der Polizei, alles zu. Einmal sei man einem szenebekannten Dealer, der momentan im Knast sitzt, sogar auf dem Leim gegangen und habe sich reines Badesalz andrehen lassen, sagte der Anklagte. Warum das Pärchen dann später trotzdem wieder mit dem gleichen Dealer Geschäfte gemacht habe, wollte der Verteidiger wissen. "Der Suchtdruck war einfach zu groß", sagte der Angeklagte. Außerdem habe man keine andere Quelle gehabt.
Beide waren sehr kooperativ und haben sofort Angaben gemacht, sagte einer der Sachbearbeiter von der Polizei. Der Beamte bestätigte auch, dass beide Angeklagte Angaben gemacht hatten, die sogar noch über die Vorwürfe hinausgingen. Die Polizei war über die Telefonüberwachung des Dealers auf das Ehepaar gekommen.
Staatsanwalt Matthias Burkhardt hatte in seinem Plädoyer genau die Strafe gefordert, die das Gericht auch letztlich verhängte. Im Leben der beiden Angeklagten habe sich mittlerweile einiges getan, sagte der Anklagevertreter und meinte damit vor allem viel Gutes. Er stellte beiden eine positive Sozialprognose aus und beantragte, wie später auch geschehen, die Haftstrafen von zwei Jahren, beziehungsweise von einem Jahr und vier Monate auf Bewährung auszusetzen. Während sich Rechtsanwalt Andreas Piel dem Staatsanwalt anschloss und mit den zwei Jahren für seinen Mandanten einverstanden zeigte, wollte Verteidiger Schmidtgall für seine Mandantin eine niedrigere Bewährungsstrafe von nur einem Jahr erreichen.

Regelmäßige Drogenscreenings

Das Gericht unter dem Vorsitz von Nicole Allstadt legte am Ende noch die folgenden Auflagen fest: beide Angeklagte bekommen für drei Jahre einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und müssen sich des Konsums jeglicher illegaler Drogen enthalten, was durch entsprechende Drogen screenings auch regelmäßig überprüft werden soll. Der Mann muss außerdem 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die beiden Angeklagten hätten alles getan, um ihr künftiges Leben in geregelte Bahnen zu lenken, deshalb sei es noch einmal möglich, beide Strafen auf Bewährung auszusprechen, so die Richterin.

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