Rügheim
Instrumentenwerkstatt 

Eigenbau kann sich hören lassen

Der Gitarrenbauer Hermann Gräfe führte in Rügheim Musiker aus dem deutschsprachigen Raum zusammen. Sie alle hatten ihre Instrumente in seiner Werkstatt selbst gebaut.
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Wie alles begann: Johannes Tappert (links) baute in der Werkstatt von Hermann Gräfe (rechts) eine Barocklaute nach. So legten sie den Grundstein für die späteren Gitarrenbau-Workshops. Fotos: Peter Schmieder
Wie alles begann: Johannes Tappert (links) baute in der Werkstatt von Hermann Gräfe (rechts) eine Barocklaute nach. So legten sie den Grundstein für die späteren Gitarrenbau-Workshops. Fotos: Peter Schmieder
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Rügheim — Im Rügheimer Schüttbau drehte sich am Wochenende alles ums Thema Gitarren. Seit einigen Jahren bietet Gitarrenbauer Hermann Gräfe Workshops an, in denen Amateurgitarrenbauer ihr eigenes Wunschinstrument selbst fertigen können. Dabei ist praktisch alles möglich, egal, ob es eine akustische oder eine elektrische Gitarre werden soll.
Nun kam erstmals die Idee auf, den vielen Gitarristen, die sich mittlerweile in Gräfes Werkstatt ihr eigenes Instrument gefertigt haben, die Gelegenheit zu geben, sich zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam Musik zu spielen. Am Wochenende kamen daher viele Amateurgitarrenbauer in Rügheim zusammen, wo sie am Samstag ihre selbstgebauten Instrumente im Schüttbau ausstellten.


Wie im 16. Jahrhundert

Einer von ihnen war Johannes Tappert, der das Instrument mitgebracht hatte, mit dem in Hermann Gräfes Werkstatt alles begann. Tappert, ein Sammler historischer Instrumente, hatte damals einen Bausatz für den Nachbau einer Laute aus dem 16. Jahrhundert erworben und fragte Gräfe, ob er diesen in seiner Werkstatt zusammensetzen könnte.
"Damals hatte ich mich total überschätzt", erzählt Tappert, der nun meint, ohne Gräfes professionelle Unterstützung hätte er es nie geschafft, das Instrument aus seinen Einzelteilen zusammenzubauen. Der Gitarrenbauer stellte dem Sammler einen Platz in seiner Werkstatt zur Verfügung, unterstützte ihn beim Bau und fertigte parallel dazu ein baugleiches Instrument, für das er die Teile des Bausatzes nachbaute.
Auch andere Highlights aus seiner Sammlung hatte Tappert mitgebracht, unter anderem eine Gitarre des Wiener Instrumentenbauers Johann Georg Stauffer aus dem Jahr 1804. "Stauffer-Gitarren gehörten damals zu den teuersten in Wien", berichtet Tappert: "Es war ein Dachbodenfund." Auf einem österreichischen Bauernhof war das Instrument, in seine Einzelteile zerfallen, in einem Sack gefunden worden.
Die Tatsache, dass in der Nachbarschaft ein Gitarrenbauer lebte, rettete das wertvolle Stück davor, als Brennholz im Ofen zu landen. Mittlerweile ist die Gitarre wieder spielbar. Neben dem Original waren auch zwei moderne Kopien der Stauffer-Gitarre bei der Ausstellung in Rügheim vertreten, die beide in Hermann Gräfes Werkstatt gefertigt wurden.
Die Aussteller waren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum angereist, doch auch Musiker aus dem Landkreis Haßberge waren vertreten. Darunter war Christian Trapp aus Prappach, der unter anderem mit der Mittelalter-Band "Minniglich" bekannt ist. Der gelernte Orgelbauer zeigte einige Instrumente, die er gebaut hat, darunter Monochorde, also Saiteninstrumente, bei denen alle Saiten auf den gleichen Ton gestimmt sind. Damit erzeugen sie einen besonderen Klangteppich, womit sie auch in der Klangtherapie eingesetzt werden.
Auch Peter Bengtson aus Schweden war zu Gast, der eine Auswahl an besonderen Hölzern vorstellte, die in den Gitarren verarbeitet werden können.
Zusätzlich zur Ausstellung gab es zwei Konzerte im Schüttbau, bei denen Gitarren und andere Zupfinstrumente im Vordergrund standen. Am Freitagabend spielte das Ensemble "Saitkick" (siehe den Bericht unten), am Samstag stand Gitarrist Stefan Sell auf der Bühne.

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