Herzogenaurach

Ehemalige "Schaefflerknechte und Siemensindianer" in fröhlicher Runde

Bernhard Panzer Die meisten Herren in der fröhlichen Runde, die zum Jahresschluss in der Braustube Heller zusammensitzt, kennen sich schon ein halbes Jahrhu...
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Georg Peetz präsentiert das Knöchla, während die Stammtischler sich zuprosten: Kulinarische Freunde auch nach fünf Jahrzehnten.
Georg Peetz präsentiert das Knöchla, während die Stammtischler sich zuprosten: Kulinarische Freunde auch nach fünf Jahrzehnten.
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Bernhard Panzer

Die meisten Herren in der fröhlichen Runde, die zum Jahresschluss in der Braustube Heller zusammensitzt, kennen sich schon ein halbes Jahrhundert. Damals sind sie als junge Burschen beim Schaeffler in das Berufsleben eingetreten, so wie beispielsweise Bernhard Schwab im Jahr 1967. "Wir kennen uns seit der Lehrzeit."
Die Lehrlinge von einst sind heute junge Rentner, und jetzt ist auch genügend Zeit, die Kontakte weiter zu pflegen, die über alle die Jahrzehnte nie verblasst waren. Das tut die kleine Runde einmal im Monat am Stammtisch beim Heller. Sie sitzen immer am gleichen Tisch, hinten links in der Ecke, und normalerweise gibt's da Bratwürste und Kraut - die beliebten Heller-Wörschd aus der gusseisernen Pfanne - und jede Menge Nahrung für den Geist. Denn ehemalige "Schaeffler-Knechte" haben sich auch im Ruhestand viel zu erzählen - einmal Schaeffler, immer Schaeffler, das ist in Herzogenaurach so.
Darf man das Wort "Schaeffler-Knechte" denn überhaupt in der Zeitung schreiben, möchte ich wissen. Natürlich darf man das, sagt Schwab mit einem Augenzwinkern. Und der muss es wissen, er war ja schließlich fast ein halbes Jahrhundert in dem Herzogenauracher Unternehmen, davon viele Jahre Ausbildungsleiter, und noch heute singt und spielt er in der Schaeffler-Bigband. Ein paar "Siemens-Indianer" sind aber auch dabei, ergänzt Jürgen Schütt, und Rudi Bauerfeld nickt zustimmend.
Das letzte Treffen des alten Jahres war ein besonderes. Da rückte man mal ab von der Bratwurst und orderte stattdessen Salzknöchla, so richtig schöne "Arbeiterknöchla", wie Schwab meinte, denn auf einen Seniorenteller könne man später immer noch zurückgreifen, wenn man mal alt sei.
Aber das "Ordern" war ein hartes Stück Arbeit, wie Jürgen Schütt schmunzelt. Es war eher ein Bitten und bedurfte schon eines gewissen Verhandlungsgeschicks bei der Unterredung mit der Gitti, der guten Seele des Wirtshauses. Denn solche Ausnahmen erfordern beim Heller schon eine Sonderregelung. Und die gibt's für gewöhnlich nur zur Martinikirchweih. Aber die Gitti hat sich übertroffen, wie die Herren bescheinigen, und kochte ausnahmsweise Knöchla: "Sie zeigte wahre Größe". Das taten im übrigen auch die Knöchla - und so waren die Gäste schnell selig. Essen und Trinken hält halt Leib und Seele zusammen.
Die Idee zum Stammtisch entstand bei einer Geburtstagsfeier von Gerhard Hahn. Jetzt kannte man sich schon ein halbes Jahrhundert und unternahm auch immer gemeinsame Ausflüge, wie zum Beispiel im Sommer mal eine Radtour ins "Waldkrankenhaus" nach Obermembach. Für den Winter hat man sich nun die Heller-Braustube ausgesucht. Mit etwas Glück gibt's dann neben einem Plausch mit der Gitti oder ihrem Bruder Hans auch noch ein Ständchen vom Ludwig Spieß auf der Mundharmonika.
Am Stammtisch vertreten waren zum Jahresschluss: Bernhard Schwab, Jürgen Schütt, Rudi Bauerfeld, Klaus Gerstendörfer, Gerhard Hahn, Hans Brückner, Herbert Fuchs, Georg Peetz und - als Gast - Arne Krüger aus Hamburg. Der hat schon eine Gegeneinladung ausgesprochen.
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