Haßfurt
Soziales 

Dushaj als neue Mission

Der ehrenamtliche Verein "Haßfurt hilft" nimmt sich einer neuen Station der Franziskanerinnen im Nordosten Albaniens an.
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Die Landschaft Albaniens ist absolut sehenswert (Bild oben). - Unten: Impressionen von der Reise  Foto: pr
Die Landschaft Albaniens ist absolut sehenswert (Bild oben). - Unten: Impressionen von der Reise Foto: pr
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Ein Notruf erreichte "Haßfurt hilft": "Schaut euch doch bitte mal die Missionsstation der Franziskanerinnen in Dushaj/Kreis Tropoje in Nordostalbanien an. Die Schwestern brauchen dringend eure Unterstützung!" Dushaj liegt zwei Stunden Fahrzeit von der Missionsstation Kisha Katholike in Fushe-Arrez entfernt, wo die Haßfurter Hilfsorganisation bereits seit acht Jahren Unterstützung leistet. Die Leiterin der Station, Schwester Gratias Ruf, bestätigte den Haßfurtern im persönlichen Gespräch, dass die Schwestern in Dushaj tatsächlich sehr arm seien und häufig zu ihr kämen, um um Lebensmittel, Medikamente und andere notwendige Dinge zu bitten.
Da sich die Not in Dushaj dramatisch anhörte, beschlossen die Vorstandsmitglieder von "Haßfurt hilft", wie diese mitteilten, sich die Situation direkt vor Ort anzusehen, um sich ein eigenes Bild der Lage zu machen. Also packten die Erste und die Zweite Vorsitzende, Helga Schumacher und Doris Fery, ihre Koffer, um sich nach Albanien zu begeben.


Herzlicher Empfang

Sie wurden von den drei Schwestern der "Motrat Franceskane Misionare te Misioni Katolike" herzlich aufgenommen. Die Leiterin der Station, Schwester Evangeline Salino, eine 47-jährige Philippinin, nahm sich viel Zeit, um mit den beiden Frauen aus Haßfurt die große Bedürftigkeit ihrer Schützlinge, nämlich der Menschen in Dushaj und vor allem der in den Bergen lebenden Bauernfamilien, zu besprechen. Insgesamt wohnen und arbeiten neben Evangeline noch die 42-jährige Albanerin Schwester Toline sowie die 72-jährige Italienerin Schwester Lia auf der Missionsstation. Die Verständigung erfolgte hauptsächlich in englischer Sprache, aber es kam auch vor, dass in einem einzigen Satz ein Sprachengemisch aus Albanisch, Italienisch und Englisch zu hören war. Zum Glück waren Frau Schumacher und Frau Fery in Begleitung einer jungen Albanerin namens Roza, die alle diese Sprachen gut beherrscht und, wenn nötig, ins Deutsche übersetzte.


Immer wieder Verbrennungen

Die Situation in Dushaj ist kaum zu vergleichen mit der von Fushe-Arrez: Die Dörfer liegen noch verstreuter in den Tälern und sind noch schlechter zu erreichen. Oft müssen die Schwestern drei Stunden Fußmarsch in Kauf nehmen, um zu den einzelnen Familien zu gelangen. So ist eine ärztliche Versorgung nicht zeitnah möglich, schon gar nicht in den abgelegenen Dörfern.
Es gibt in der Region extrem viele Verbrennungen. Zum Kochen und im Winter teilweise zum Heizen werden Metallspiralen, die in einem auf dem Boden stehenden viereckigen Stein eingelassen sind, durch Strom zum Glühen gebracht. Auch offene Feuerstellen findet man in so manchen Wohnräumen.
Aus Unachtsamkeit verschüttetes kochendes Wasser führt häufig zu Verbrühungen. Der Hautkontakt mit den Spiralen bringt schlimme Verbrennungen, gerade bei Kindern, die neben den glühenden Teilen auf dem Fußboden spielen.
Einen schnellen Arztbesuch, wie in Deutschland möglich, gibt es nicht. Die Ärzte wollen bezahlt werden, bevor sie mit der Behandlung beginnen. Das ist für die meisten Familien in Dushaj und Umgebung nicht zu leisten.
Deshalb bestand die "erste Hilfe" des Vereins darin, dass die Kosten und somit die Versorgung der Familien durch einen Allgemeinarzt für jeweils zwei Tage die Woche finanziert wurden. Und das für ein ganzes Jahr.


Hilfe zur Selbsthilfe

Ebenso wie in Fushe-Arrez haben die Schwestern Programme der "Hilfe zur Selbsthilfe" entwickelt. So gibt es einen Frauenkreis, der sich regelmäßig zum Handarbeiten trifft. Da werden die schönsten Deckchen gehäkelt mit winzigen Maschen, die dann im nahe gelegenen Valbona-Tal an die Touristen verkauft werden. Dann gibt es noch Schneider-Kurse, allerdings mit Tretmaschinen, Kochkurse, um die Frauen anzulernen, mit "wenig" ein möglichst gesundes Essen für die Familie auf den Tisch zu bringen.
In der Missionsstation wird auch eine Mittagsbetreuung angeboten, damit die Kinder und Jugendlichen nicht auf der Straße herumlungern und zugleich eine Mahlzeit, zumeist die einzige am Tag, erhalten. Auch wird ein Computerkurs organisiert. Denn die Schwestern sind sich darin einig, dass nur diejenigen eine reelle Chance auf eine Arbeitsstelle oder ein Studium in Shkodra oder Tirana haben, die über PC-Kenntnisse verfügen. Mädchen werden dabei ebenso einbezogen, was in Albanien nicht immer selbstverständlich ist.
Die Franziskanerinnen von Dushaj hinterließen einen zuverlässigen, fleißigen und sehr engagierten Eindruck. "Haßfurt hilft" hat sich deshalb entschlossen, die Dushaj-Schwestern bestmöglich zu unterstützen.
Der Verein hofft, bald eine kostengünstige Transportmöglichkeit nach Dushaj zu finden. Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann "Haßfurt hilft" wieder Sachspenden annehmen. Wer finanziell unterstützen möchte, kann dies gerne tun unter der Kontonummer/IBAN DE86 7935 1730 0000 4109 10. red
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