Bamberg

Die zweite Heimkehr des Löwen

Löwenpokal   Die Stadt Bamberg präsentiert im Alten Rathaus bis Mitte November den Schönbornschen Löwenpokal. Danach wird er erst wieder ab April nächsten Jahres im Historischen Museum zu sehen sein.
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von unserem Mitarbeiter Harald Rieger

Bamberg — "Gut gebrüllt Löwe", freute sich Museumsdirektorin Regina Hanemann am Mittwoch bei der Präsentation des Schönbornschen Löwenpokals im Alten Rathaus. Obwohl die Stadt die goldene Figur zwei Mal kaufen musste - nachdem sie das Kunstwerk im Jahre 1937 nicht ganz rechtmäßig erworben hatte -, hat sich die Investition laut Hanemann gelohnt.
"Mit dem zweiten Kauf konnte sichergestellt werden, dass ein besonderes fränkisches Stück in Bamberg verbleibt", unterstrich sie. Zudem ist sie sich sicher, dass der goldene Löwe mit seinem Wappenschild das "Strahlstück" der neuen Dauerausstellung "Jüdisches in Bamberg" im Historischen Museum ab April 2015 sein wird. Zuvor jedoch kann die zierliche Figur noch bis 16. November im Alten Rathaus bei freiem Eintritt besichtigt werden.
Das Kunstwerk wurde vom Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1655-1729) in Auftrag gegeben und diente im Jahre 1712 als Trophäe für das "Freie Kunst- und Ritterschießen" in Bamberg. Der Kurfürst und Fürstbischof von Schönborn war zu jener Zeit Schirmherr des Wettschießens. Er ließ den Preis als heraldisches Symbol seiner Machtposition im Reich gestalten: Der gekrönte Löwe, auf dem fränkischen Rechen stehend, entspricht dem Wappen der Grafen von Schönborn. In den Vorderpranken hält die Figur einen Schild mit dem kurmainzer Wappen. Bei dem Wettkampf war am Ende am treffsichersten der Nürnberger Johann Fronhoffmann und konnte somit den Preis mit nach Hause nehmen. Was allerdings mit dem Trinkgefäß - der Kopf des Löwen kann abgenommen und sein vergoldeter Bauch gefüllt werden - nach dem Sieg Fronhoffmanns geschah, ist für 200 Jahre nicht überliefert. Erst 1914 tauchte der Löwe wieder auf: in einem Katalog des Frankfurter Kunstgewerbemuseums als Leihgabe des Freiherrn M.K. von Rothschild.
Im selben Jahr wird die Figur von Max Baer aus Frankfurt erworben. Aus dessen Besitz gelangte er in die bedeutende Kunstsammlung des jüdischen Ehepaars Heinrich und Emma Budge. Nach dem Tod Emma Budges wurde deren gesamte Kollektion im Berliner Auktionshaus H. W. Lange in zwei Auktionen am 4. und 6. Oktober 1937 versteigert.
Auf der ersten Auktion erwarb die Stadt Bamberg das Trinkgefäß für 3200 Reichsmark. Da es sich bei der Versteigerung der Budge-Sammlung um verfolgungsbedingte Verkäufe handelt, die angesetzten Schätzwerte deutlich unter dem Verkaufswert lagen und die Erlöse nicht an die rechtmäßigen Erben gingen sondern auf ein Konto des Deutschen Reiches, dürfte der Kauf allenfalls formal rechtlich gewesen sein. Moralisch hingegen war er mehr als fragwürdig.
Im Rahmen einer Provenienzforschung wurde kürzlich auch der goldene Löwe wissenschaftlich untersucht. Mit dieser Forschungsmethode will man Kunstwerke und -güter von Museen, Bibliotheken und Archiven untersuchen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen und bisher nicht zurückerstattet wurden. Außerdem sollen deren rechtmäßige Eigentümer ausfindig gemacht werden, um gemeinsam eine Lösung zur Klärung der Eigentumsfrage zu finden.
Auf Grundlage dieser Recherchen verhandelte die Stadt Bamberg mit dem rechtmäßigen Erben des Trinkgefäßes. Man einigte sich auf eine Ausgleichszahlung von 350 000 Euro, damit dass Kunststück dauerhaft in Bamberg bleiben kann. Die Finanzmittel für die Ausgleichszahlung stellten unter anderem die Kulturstiftung der Länder, die Oberfrankenstiftung, die Weltkulturerbestiftung Bamberg und die Hans-Friedrich-Oskar-Deis-Gedächtnis-Stiftung zur Verfügung.
"Ich bin glücklich und danke allen Beteiligten dafür", betonte Oberbürgermeister Andreas Starke bei der Präsentation, "dass nach 77 Jahren im Falle des Löwenpokals eine gerechte und faire Lösung gefunden werden konnte." Der zweite Erwerb der Figur sei auch ein Zeichen eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem während der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Unrechts.



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