Neuenbürg

Die neue Burg ist schon 850 Jahre alt

Geschichte  Der heutige Weisendorfer Ortsteil Neuenbürg feiert am Wochenende das Jubiläum seiner urkundlichen Ersterwähnung. Die namensgebende ehemalige Wehranlage gehört seit 1872 den Freiherrn von Gagern und hatte davor viele wechselnde Besitzer.
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Zum Jubiläumsjahr erstrahlt das Schloss nach umfangreichen Restaurierungen wieder in neuem Glanz.
Zum Jubiläumsjahr erstrahlt das Schloss nach umfangreichen Restaurierungen wieder in neuem Glanz.
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von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Neuenbürg — Vor 850 Jahren wurde der Name Neuenbürg als "Nuvenburg" erstmals urkundlich erwähnt. Beginnend mit dem Jahr 1165 tauchen bis 1200 Rupprecht und Walter von Nuvenburg mehrmals in Urkunden als Zeugen für Graf Rapoto III. von Abenberg auf.
Der Ort wird 1165 als Nuvenburg, 1388 als Newenburg und 1486 als Neuenbürg genannt. Der Ortsname ist als "neue Burg" zu interpretieren. Hanns Hubert Hofmann nimmt an, dass die Bezeichnung zur Unterscheidung der älteren Wehranlage Hannberg verwendet wurde. Die Burg lag strategisch günstig, nur 150 Meter entfernt von der uralten Nord-Süd-Straße, die von Hallstadt über Gremsdorf und Heßdorf nach Bruck führte. Außerdem verlief nur 100 Meter westlich eine alte "kaiserliche Land- und Heerstraße", die von Würzburg über Lonnerstadt und Kairlindach nach Nürnberg führte.
Die nachfolgenden Besitzer der Burg waren die von Mayenthal. Am 23. November 1388 wurde Schloss Neuenbürg im Krieg der Nürnberger mit dem Burggrafen von Nürnberg (dem sogenannten Städtekrieg) erobert, wobei Burkhard von Mayenthal zu Tode kam. Die Truppen plünderten außerdem den ganzen Seebachgrund.
Im ersten Markgrafenkrieg wurde Neuenbürg im Jahr 1449 von den Nürnberger Truppen unter ihrem Feldhauptmann Heinrich Reuss von Plauen erobert und niedergebrannt. Annähernd 100 Jahre später, um 1535, verkauften die von Mayenthal den Gesamtbesitz an die Familie der Truchseß von Wetzhausen. Nach dem Tod des letzten Vertreters der Familie Truchseß von Wetzhausen aus der Linie Neuenbürg am 6. Juni 1592 erwarb der Nürnberger Patrizier Veit Holzschuher den Gesamtbesitz. Seitdem nannte sich die Familie Holzschuher von Neuenbürg.
Im 30-Jährigen Krieg hatte die ganze Region schwer zu leiden. Nach dem Krieg gab es im Jahr 1652 in Neuenbürg nur vier Feuerstellen, also Wohngebäude. Von 1613 bis 1810 gehörten vier Höfe, ab 1700 sechs Höfe und die Mühle zum Rittergut Neuenbürg. Besitzungen des Ritterguts lagen in Boxbrunn, Buch, Hammerbach, Heßdorf, Nankendorf, Reinersdorf, Reuth, Sauerheim und Tragel-höchstadt.

Evangelisch seit 1528

Von den Holzschuhern erwarb Johann Ehrenreich Stettner von Grabenhof 1703 das Rittergut. Vor 1790 ging das Rittergut an die Herren Winkler von Mohrenfels auf Hemhofen über.
Kirchlich gehörte Neuenbürg, wie ursprünglich die ganze Region, zur Urpfarrei Büchenbach. Am 29. September 1348 stifteten die von Mayenthal zu Thuisbrunn eine Ewige Messe zu Kairlindach mit Zustimmung des Pfarrers zu Büchenbach. Eine Messe soll durch den Frühmesser in Kairlindach "auff einem Altarstein zu Neuenburg" gehalten werden, "ob er des urlawb mag gehaben".
Als Kairlindach 1379 zur Pfarrei erhoben wurde, stand die Pfarrei unter dem Patronat der Gutsherren auf Neuenbürg. 1516 wurde die Kirche von ihrem Patron nochmals reich dotiert. 1528 wurde der Ort evangelisch. Das Patronat der Kirche übten die jeweiligen Besitzer von Neuenbürg aus. Daher findet sich in der Kirche von Kairlindach ein Epitaph für Hans Holzschuher, der am 6. Juli 1614 verstarb. In Neuenbürg gibt es seit dem Jahr 1879 eine katholische Schlosskapelle St. Laurentius, die von der Familie von Gagern errichtet wurde.
Im Ortsverzeichnis des Rezatkreises, erschienen in Ansbach 1818, wird Neuenbürg mit 20 Feuerstellen, 25 Familien und 109 Einwohnern angegeben. 1818 wurde die Gemeinde Rei-nersdorf mit Neuenbürg gebildet, von 1818 bis 1824 gehörte zusätzlich Reuth zur Gemeinde.
Am 21. März 1819 erwarb Johann Michael von Mannert aus Nürnberg das Rittergut und vererbte es 1830 an seinen Schwiegersohn Franz Joseph von Stadler. 1865 musste Stadler Konkurs anmelden, ein siebenköpfiges Konsortium von Grundstücksmaklern übernahm das Besitztum, Stück für Stück wurde alles versilbert. Zum Leidwesen der Historiker wanderte bei diesem "Ausverkauf" auch das Archiv von Neuenbürg in eine Nürnberger Papiermühle.
1867 war Neuenbürg im Besitz der von Mutzler. Im Jahr 1868 werden für Neuenbürg ein Schloss und 43 Gebäude angegeben, es lebten in dem Dorf 124 Einwohner, davon 20 Katholiken. Seit 1872 befindet sich Neuenbürg im Besitz der Freiherrn von Gagern. Ihre Grabstätte besitzt die Familie innerhalb der Wehrmauer der Kirchenburg von Hannberg.
1877 war die Einwohnerzahl auf 134 Einwohner gestiegen, es gab 43 Gebäude, vier Pferde und 84 Stück Rindvieh. Dagegen war die Einwohnerzahl im Jahr 1904 auf 86 zurückgegangen, die in 22 Wohngebäuden lebten. Die Katholiken hatten zur Kirche und zur Schule Hannberg zwei Kilometer, die Protestanten zur Kirche und zur Schule in Kairlindach 1,5 Kilometer zurückzulegen.

Bürgermeister Johann Weber

Neuenbürg gehörte zur Gemeinde Reinersdorf, im Jahr 1939 hatte die Gemeinde 147 Einwohner. Für das Jahr 1941 sind die Namen der Milchablieferer von Neuenbürg verzeichnet und geben dadurch einen Einblick in die Bewohner: Hans Albrecht, Jakob Brehm, M. Fleischmann, Johann Heinlein, Georg Hertlein, Andreas Herzog, Stefan Kaiser, Johann Kleemann, Andreas Körner, Moritz Lang, Georg Riedel, Georg Riedel (Hs. Nr. 18), Hans Schachtner, Johann Schickert, Joachim Schorr, Johann Schorr, Johann Schultheiß, Georg Schuster und Hans Weber.
Durch den Zuzug von 106 Heimatvertriebenen stieg die Einwohnerzahl in der Gemeinde Reinersdorf im Jahr 1950 auf 253. Erster Bürgermeister war zu diesem Zeitpunkt Johann Weber. Weber war am 4. Februar 1946 von der Militärregierung zum Bürgermeister ernannt worden. Bei der Wahl 1948 erhielt er das Vertrauen der Bürger, er amtierte bis 1966. Im Jahr 1972 wurde Neuenbürg mit Reinersdorf nach Weisendorf eingemeindet. Heute hat der Ort 144 Einwohner.
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