Bad Bocklet

Die europäischen Werte nicht vergessen

Wenn an einem normalen Werktag die Wandelhalle mit über achtzig, Personen gefüllt ist, muss den Besuchern etwas Attraktives geboten worden sein. Eberhard Gr...
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Wenn an einem normalen Werktag die Wandelhalle mit über achtzig, Personen gefüllt ist, muss den Besuchern etwas Attraktives geboten worden sein. Eberhard Gräf und seine Mitstreiter vom Kreisverband der Senioren-Union hatten ein Tagesseminar zum Thema "Der Flüchtlingsstrom - Herausforderung für unser Gesellschafts- und Rechtssystem" organisiert.
Darüber hinaus dürften den Publikumszuspruch aber auch die Referenten gefördert haben: der Präsident der PAN-Europa-Union und MdEP a. D. Bernd Posselt sowie der Dozent der Universität Erfurt, Bernd Drößler.
Dass Bernd Posselt bei seinem Beitrag vom Standpunkt des Integrations-Politikers ausging, nahm ihm niemand übel. Zumal sein Vortrag zum Thema "Europas christliche Wurzeln und der Zusammenprall der Kulturen" tief in die Geschichte und Gegenwart von Europa eindrang. Seine Rede war bei all ihrer Informationsfülle insgesamt ein Appell, sich der gemeinsamen Wurzeln Europas wieder zu erinnern und aus einer Position der auch christlich fundierten Stärke heraus den Menschen aus der islamischen Welt auf Augenhöhe zu begegnen und den Ausgleich mit ihnen zu suchen.
Mit Blick auf Karl den Großen stellte Posselt fest, dass Europa schon im Mittelalter eine politische Einheit gewesen war, die aus germanischen, romanischen und slawischen Völkern bestand, im weiteren getragen vom geistigen Erbe des Judentums, des Christentums und der griechisch-römischen Antike. Seit dem Mittelalter aber "ist und bleibt dieses Europa im Wesentlichen geprägt vom Christentum", betonte Posselt. Europa sei heute eine politische Ebene, auf der verschiedene Einflüsse, unter anderem auch, aber nicht nur der christliche, aufeinander treffen. Ängste vor der Welt des Islam müssten überwunden werden. Natürlich gebe es Probleme im Zusammenleben mit den Moslems. Der Terrorismus aber sei keineswegs ein rein muslimisches Problem.
Der gesellschaftliche Wandel lasse sich nicht aufhalten. Nicht Resignation, sondern das aktive Mitgestalten sei der richtige Ansatz. Der Staat habe weltanschaulich neutral zu bleiben und zwischen Kirchen und Staat klar zu trennen. Aber er brauche ein festes Wertefundament. Im Sinne einer "positiven Laizität" begrüßte Posselt eine Partnerschaft zwischen dem vom Christentum getragenen politischen Wirkungswillen und dem Staat.
Bernd Drößler ging auf das Spannungsfeld zwischen multireligiöser Gesellschaft und Verfassungsstaat ein. Sein Ansatz war zunächst der des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, dass es Aufgabe des Politikers sei, auf Grund des Wertewandels Reformen zu ermöglichen, statt absterbende Werte zu konservieren.
Heute würden sich in Deutschland kaum noch fünfzig Prozent der Bürger zum Christentum bekennen. Die Muslime machen die größte Glaubensgemeinschaft nach den Christen aus. Wenn der Islam zu Deutschland gehört, müsse man mit ihm verhandeln. Doch reden allein genüge nicht, unsere Werte müssten beispielhaft vorgelebt werden. ffr


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