Erlangen

Die Zukunft der Luftfahrt ist elektrisch

Meilenstein   In Erlangen haben Siemens- Forscher einen neuen Elektromotor speziell für Flugzeuge entwickelt. Mit dem neuen Aggregat sollen auch größere Maschinen abheben können.
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Frank Anton erklärt die Funktionsweise des neuen Elektromotors. Foto: Siemens AG
Frank Anton erklärt die Funktionsweise des neuen Elektromotors. Foto: Siemens AG
von unserem Mitarbeiter Nikolas Pelke

Erlangen — Frank Anton hat lange getüftelt, bis er die "Weltneuheit" präsentieren konnte. "Wir haben zwei Jahre an dem neuen Hochleistungsmotor für Flugzeuge gearbeitet", erzählt der 58-jährige Physiker aus Erlangen. "2011 haben wir das allererste hybride Elektroflugzeug gebaut. Nun können wir mit Stolz den ersten Hochleistungsmotor präsentieren."
Dieser Tage haben die Siemens-Forscher aus Erlangen den neuen "technischen Meilenstein" gefeiert und den "Weltrekord-Elektromotor" der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 2009 arbeitet Siemens gemeinsam mit EADS an einem Elektromotor für die Luftfahrt der Zukunft. Frank Anton hat mit seinen Kollegen in den letzten 24 Monaten alle Komponenten auf den Prüfstand gestellt, um einen noch leistungsstärkeren und gleichzeitig extrem leichten Elektromotor bauen zu können.

Konsequente Schlankheitskur

Bei einem Gewicht von nur 50 Kilogramm liefert der neue E-Motor rund 260 Kilowatt elektrische Dauerleistung. Das sei fünf Mal so viel wie vergleichbare Antriebe, erklärt Anton. "Der Motor ist speziell für den Einsatz in Luftfahrzeugen konzipiert", erklärt der promovierte Physiker. Damit der Motor für die Luftfahrt geeignet ist, habe man alle Bauteile einer konsequenten Schlankheitskur unterzogen.
Mit der Leichtbauweise schafft der neue Antrieb ein Leistungsgewicht von fünf Kilowatt pro Kilogramm. "Normale" Antriebe für Elektroautos liefern rund zwei Kilowatt pro Kilogramm, erklärt Anton. Und noch ein Clou: Die Rekord-Leistung gibt der neue Motor bereits bei einer Drehzahl von nur 2500 Umdrehungen pro Minute ab. Das sei wichtig, um einen Propeller direkt und ohne Getriebe antreiben zu können. "Das ist eine totale Neuerung." Schließlich wolle man in der Luftfahrt möglichst viele Komponenten einsparen. "Ein Getriebe ist nur eine zusätzliche Komponente, die kaputt gehen kann."
Auf Verbrennungsmotoren komplett verzichten könne man freilich noch nicht. Mit Hilfe der Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotoren in der sogenannten Hybrid-Technologie könne man Emissionen und Treibstoffverbrauch senken.

Passierjets im Visier

"Die Flugzeuge werden auch leiser", verspricht der Entwickler. "Die geringere Lautstärke wird der große Wettbewerbsvorteil sein." So könnten mit der neuen Technologie auch Flüge in den frühen Morgen- und späten Abendstunden leichter möglich werden.
Die Zukunft hat Frank Anton auch schon fest im Blick. "Wir haben die Passagierjets im Visier. Ich bin mir sicher, dass es ab dem Jahr 2035 hybride Elektroflugzeuge für 60 bis 90 Passagiere und Strecken bis zu 1000 Kilometern geben wird", sagt Anton. Zwar gebe es noch größere Mittelstrecken-Flugzeuge mit höherer Passagierkapazität und größerer Reichweite auf dem Markt. Aber gerade zwischen den europäischen Metropolen könnten in 20 Jahren schon hybrid-elektrische Flugzeugmotoren zum Einsatz kommen. "Wir sind nicht mehr weit davon entfernt, dass man mit unseren neuen Elektromotoren einen Business-Jet antreiben könnte."
Vorher müssten die technischen Innovationen aber den hohen Sicherheitsstandards in der Luftfahrt genügen. Die Zulassung gehe nicht von heute auf morgen. Wichtig sei, bei kleineren Flugzeugen bis zwei Tonnen schnell in die Serienproduktion zu kommen. "In den nächsten Jahren werden wir viele zwei- bis viersitzige Elektro-Flugzeuge am Himmel sehen." Davon ist Anton, der selber leidenschaftlicher Pilot ist, überzeugt.

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