Priesendorf

Die Wallfahrer werden immer weniger

Neudorf/Priesendorf — Seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist die Marienkapelle Priesendorf mit der thronenden Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß Ziel...
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Neudorf/Priesendorf — Seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist die Marienkapelle Priesendorf mit der thronenden Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß Ziel vieler Wallfahrten. Waren es im 19. Jahrhundert noch über 20 Termine im Jahr so ist es leider heute nur noch einer - am Feiertag Mariä Himmelfahrt.
Doch auch bei dieser einzigen Wallfahrt geht die Zahl der Pilger Jahr für Jahr zurück. Willi Tröster, der ehemalige Zweite Bürgermeister von Priesendorf und Ortschronist, beobachtet die Entwicklung seit vielen Jahren.

Herr Tröster, wie viele Wallfahrer sind in diesem Jahr am Feiertag Mariä Himmelfahrt von Neudorf bei Ebrach nach Priesendorf gekommen?
Es waren exakt drei: Manuel Hetzel, Konrad Müller und Stefan Graser. Einige wenige andere sind mit dem Auto gefahren.

Ist der Weg so lang?
Zu Fuß dauert es ungefähr vier Stunden von Neudorf nach Priesendorf. Die Strecke ist also kaum der Grund für den Rückgang. Noch vor fünf bis sechs Jahren waren es wenigstens 30 Leute, wobei manchmal auch eine Gruppe aus Hartlanden gekommen ist. Jetzt machen sich nur noch die Neudorfer auf den Weg.

Können Sie sich den Rückgang erklären?
Das ist wohl der "Zug der Zeit". Schauen Sie sich doch einmal die Kirchen an. Die sind auch leer. Obwohl: Bei der Wallfahrt nach Vierzehnheiligen, an der ich jedes Jahr teilnehme, sind es immer an die 120 Leute.

Das sieht danach aus, als ob manche Wallfahrtsorte beliebter sind als andere.
Das ist mit Sicherheit der Fall. Zu einer Wallfahrt gehört auch ein gewisses "Drumherum", gute Einkehrmöglichkeiten zum Beispiel.

Trotzdem geben Sie die Hoffnung nicht auf, dass die Wallfahrt zur Priesendorfer Marienkapelle lebendig bleibt.

Selbstverständlich! Die Tradition der Wallfahrt ist seit 1550 nachweisbar, als Gläubige aus Ampferbach nach Priesendorf gepilgert sind. Die Muttergottesstatue, die hier verehrt wird, ist zwar nicht besonders wertvoll, aber schon sehr alt, und offenbar hat sie vielen Menschen viel geholfen.

Inwiefern?
Die Kapelle war bis zu den 50er Jahren angefüllt mit Votivgaben von Menschen, die sich dafür bedankten, dass ihre Gebete erhöht worden sind. Wie heute noch in Altötting oder in Vierzehnheiligen gab es zahlreiche Votivtafeln, Dankesbilder, Körperteile aus Wachs oder Krücken von Menschen, die geheilt worden waren oder für die sich durch die Anrufung der Gottesmutter besondere Wünsche erfüllt haben.

Was ist damit geschehen?
In der 50er Jahren hat der damalige Pfarrer auf Anordnung des Erzbischöflichen Ordinariats die Votivgaben entfernen müssen. Was damit passiert ist, wissen wir heute nicht mehr. Das ist sehr schade.

Die Fragen stellte
Gertrud Glössner-Möschk.


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