Trebgast

Die "Strohberta" ist wieder on Tour

Am Samstag ist es soweit. Eine maskierte Horde, bestehend aus zehn jungen Männern ab 18 Jahren, zieht durch Trebgast.
Artikel drucken Artikel einbetten
Viele Hände sind notwendig, bis die "Strohberta" angezogen ist. Fotos: Dieter Hübner
Viele Hände sind notwendig, bis die "Strohberta" angezogen ist. Fotos: Dieter Hübner
+1 Bild
Mit ihrem Schlachtruf "Struuhberta, Christkindla, Schlootfecher", sind sie schon von weitem zu hören. Sie klingeln an jeder Tür und sind auch überall willkommen. Ja, man wäre direkt beleidigt, wenn die Burschen einfach vorbei gehen würden. Die Gruppe wünscht der Bevölkerung eine "frohe Weihnacht" sowie "ein gesundes neues Jahr" und sammelt bei ihrem Umzug Spenden, die sie überwiegend der Ortsgemeinschaft zukommen lassen.
Start ist am Schulhaus, wo sich die Truppe morgens um 6 Uhr trifft, um mit der Einkleidung der "Berta" zu beginnen. 15 Burschen sind drei bis vier Stunden abwechselnd damit beschäftigt, einen ihrer Kräftigsten in ein Gewand aus Stroh einzubinden. Das ist gar nicht so einfach: Wird zu locker gebunden, rutscht der "Anzug". Sind die Knoten zu fest, scheuert das Stroh zu sehr.
Darüber, dass Stroh nicht gleich Stroh ist, klärt uns Adrian Lauterbach auf. Er gehört seit dem vergangenen Jahr zur Mannschaft. "Es muss Erbsenstroh sein. Stroh von anderem Getreide bricht zu leicht und ist deshalb nicht geeignet", weiß er. Für Reparaturarbeiten am "Berta"-Kostüm wird immer ein gewisser Strohvorrat vorgehalten. Dieses Jahr sind neue Arme fällig. "Es ist gar nicht mehr so einfach, noch geeignetes Stroh zu bekommen", erzählt Adrian. "Die heutigen Erbsensorten wachsen nicht mehr so hoch, dadurch ist das Stroh auch kürzer."
Wie alle Neuen musste Adrian als Sackträger anfangen. Freilich gibt es auch mal Ausnahmen. "So wie 2015, als Markus Schoberth mit mir einstieg", erklärt der 18-Jährige. "Der durfte gleich beim ersten Mal die ,Berta' verkörpern, weil die letztjährige ,Berta', Sebastian Huber, altersbedingt nicht mehr zur Verfügung stand."
Apropos "Berta": So erstrebenswert ist der Job auch wieder nicht. Mit etwa 40 Pfund Stroh eingebunden, ist der Bursche nicht nur in seiner Bewegungsfreiheit und seiner Nahrungsaufnahme eingeschränkt und wird deshalb von einem "Treiber" an einer Kette geführt. Er verliert an diesem Tag bis zu fünf Kilogramm Körpergewicht. Ganz abgesehen davon, dass der Bärentreiber bei der Berta auch im wörtlichen Sinn "Hand anlegen" muss, wenn diese ein menschliches Bedürfnis verspürt.
Zwei Voraussetzungen müssen die Jungs mitbringen: Zum einen dürfen sie nicht verheiratet sein. Zum anderen müssen sie ein gewisses Stehvermögen aufweisen, wenn es darum geht, Alkoholisches aufzunehmen und auch zu vertragen. Denn die Trebgaster meinen es gut mit den Jungs.
Gegen 10 Uhr geht es endlich los. Die erste größere Pause wird eingelegt, wenn der höchste Punkt der Tour, der Biergarten der heimischen Brauerei, erklommen ist. Wieder unten im Dorf angekommen, warten bereits die Frühschöppler der "Dorfschänke" auf die Truppe. Nach einem Schwenker zum Marktplatz bewegt sich der Tross durch die Lindauer Straße. In der Reuthgasse muss noch einmal ein steiler Anstieg bewältigt werden, bevor es durch die Siedlung Schoberthsacker weiter Richtung Sportheim und Tauschthal geht. Durch die Siedlungen Sommeracker und Bühl wird das nördliche Baugebiet, die Flur, erreicht. Wenn die Truppe gegen 24 Uhr über die Berliner Straße wieder in der Dorfmitte angekommen ist, spüren alle, dass sie 18 Stunden auf den Beinen waren. Und sie wollen nur noch raus aus den Klamotten - und schlafen.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren