Ebermannstadt
Kabarett 

Die Sache mit dem Dings

Rolf Miller gastiert am Samstag nächster Woche in der Stadthalle Ebermannstadt. Aber auch privat ist der Comedian mit den halben Sätzen oft im Landkreis Forchheim unterwegs.
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Zielsicher verstrickt sich Rolf Miller (49) im Gewirr seiner Halbsätze. Die sind sein Markenzeichen. Der nordbadische Westfranke beherrscht sie wie kein Zweiter. Am Samstag 17. September, gastiert er bei Comedy auf'm Dorf, aber diesmal nicht in Gasseldorf, sondern in der Stadthalle Ebermannstadt.

Sie sind 49 und Single. Schließt das Herumreisen eine private Beziehung aus?
150 Auftritte pro Jahr sind sicher eine Herausforderung. Aber meistens habe ich von Montag bis Mittwoch frei. Da ist Flexibilität gefragt. Ich hab nur einen anderen Lebensrhythmus als andere. Bei Entfernungen bis 200 Kilometern fahre ich nach dem Auftritt wieder nach Hause. Meine Freundin stammt übrigens aus Buckenhofen. Wenn ich (mit ihr) in Forchheim unterwegs bin, werde ich sehr oft erkannt und auf meine Auftritte angesprochen. Ich habe auch mitbekommen, als es inder "Alten Wache" gebrannt hat. Am diesem Abend war ich dort Gast.

Sie haben Verwaltungswirtschaft studiert. Wann ist ihnen klar geworden, dass daraus kein Beruf wird?
Das ist das klassische Studium von Politikern oder Verwaltungsleuten. Erwin Teufel, der ehemalige   Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg hat auch dieses Studium absolviert. Weil mir sehr schnell klar wurde, dass ich diesen Beruf nie ausüben würde, habe ich noch Jura, Literatur und ein Filmstudium angeschlossen. Glücklicherweise haben sich die Bühnenauftritte ergeben. Jedenfalls wäre ich lieber am Band gestanden, als in einer Verwaltung zu arbeiten.

Wäre Fußballer eine Alternative gewesen?
Dazu war ich nicht gut genug. Die Leidenschaft war groß, aber es hat nur für die Bezirksklasse gereicht. Mit 23 habe ich dann aufgehört.

Ihr Markenzeichen sind unvollständige, abrupt endende Sätze. Wie ist es dazu gekommen?
Eine Figur auf der Bühne muss so glaubwürdig wie möglich sein. Ein Teil davon ist die Tatsache, dass sie hängen bleibt, nicht zu Ende spricht. Das ist viel normaler, als uns bewusst ist. Ich habe das nur stringenter verfolgt und ziehe das konsequent durch.

Haben Sie sich die Kunst des Weglassens antrainiert?
Ich habe gemerkt, dass die Leute mehr lachen, wenn ich was weglasse. Dieses Stilmittel ist so wirkungsvoll, weil ein Kopfkino entsteht. Sie sind viel mehr involviert, als sonst.

Gibt es Vorbilder für diese Wortakrobatik?
Hauptsächlich Gerhard Polt. Er zeichnet seine Figuren in unverwechselbaren Lebenssituationen. Unkopierbar!

Wodurch unterscheidet sich das aktuelle Programm von "Tatsachen"?
Es ist deutlich aktueller geworden, Ich habe Fußball mit hineingenommen und das Programm ist durch die Schwestern von Achim und Jürgen auch weiblicher geworden. Und es passieren halt immer neue Geschichten.

Wie interpretieren sie den Begriff Humor?
Ich mag keine Schenkelklopfer. Humor ist für mich, eine gute Idee auf die Bühne zu bringen. Da breche ich auch Tabus. Mein Metier ist die Satire, nicht der Slapstik. Die Satire kommt direkt aus dem Leben.

Was macht einen guten Satiriker aus?
Er muss die Ironie beherrschen, darf nicht moralisieren. Dennoch muss er dafür sorgen, dass sein Publikum lachen kann. Dieser Linie muss er konsequent treu bleiben.

Gibt es einen Kollegen, bzw eine Kollegin, den/die Sie besonders schätzen?
Da könnte ich auf Anhieb 20 Kollegen nennen. In den TV-Sendungen sehe ich im Moment dagegen eine Flaute. Da könnte das Niveau höher sein.

Sie engagieren sich auch für Menschen mit Behinderungen. Wie kam es dazu und was machen sie?
Leider komme ich nur selten dazu beim "Circus Sonnenstich" in Berlin persönlich dabei zu sein. Aber ich unterstütze dieses Projekt, bei dem es um die Förderung von Menschen mit Down Syndrom geht finanziell.
Außerdem bin ich Beirat in der Patientenstiftung Stuttgart. Das ist eine Schaltstelle für Patienten mit Beschwerden, denen oft jahrelang keine Krankheit zugeordnet werden konnte. Dafür trete ich einen Teil meiner Gage ab.

Bekommen Sie von den Spielorten und der Umgebung etwas mit? Bleibt Zeit, sich umzusehen?
Auf jeden Fall. Ich kann mir die Zeit ja einteilen.

Und wie entspannen Sie? Mit Sudoku?
Ich jogge viel, vor allem am Main-Donau-Kanal bei Forchheim. Daneben schwimme ich gerne, ich spiele Tischtennis und betreibe Krafttraining. Also von allem etwas. Sudoku habe ich probiert. Aber das ist nichts für mich - und das obwohl ich ein Zahlenmensch bin und sogar Mathe studiert habe.

Die Fragen stellte
Josef Hofbauer.
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