Herzogenaurach

Die Music Base als Geheimtipp

Mit der "Soundcheck-Reihe" präsentiert die Musikinitiative monatlich Leckerbissen der Live-Musik - und das bei freiem Eintritt. Der David-Bowie-Tribute-Band folgt jetzt mit "Murder One" eine Hommage an Lemmy Kilmister.
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17. Dezember: "Murder One" spielt eine Hommage an Lemmy Kilmister (Motörhead). Fotos: privat (2), bp
17. Dezember: "Murder One" spielt eine Hommage an Lemmy Kilmister (Motörhead). Fotos: privat (2), bp
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Bernhard Panzer

Er entwickelt sich immer mehr vom Geheimtipp zum Event, der sogenannte Soundcheck, den die Musikinitiative Herzogenaurach (MIH) seit April 2015 auf der Music Base an der Nutzung anbietet. Es treten immer zwei Live-Bands auf, die auf ihre Gage verzichten, damit die Veranstaltung auch für das Publikum kostenfrei ist.
Es geht schlicht darum, den Fans von Livemusik aller Genres des Rock und Pop etwas zu bieten. Und die MIH als gemeinnützigen Verein noch mehr im Bewusstsein der Leute zu verankern. Bekannt ist die Initiative, die seit 21 Jahren besteht, vor allem durch den Rockfasching, der bisher im Vereinshaus als rockiges Highlight der närrischen Zeit stattgefunden hat, und durch das jährliche Base-Rock-Open-Air.


Verzicht auf Gage

Auch beim sommerlichen Baserock-Festival sollen die auftretenden Bands auf ihre Gage verzichten, so wie beim Soundcheck eben auch. Irgendwie ist das eine lieb gewonnene Pflicht, wie der Dritte Vorsitzende Jürgen "Crazy" Krejsa bestätigt. Denn die Bands können ja als Gegenleistung für wenig Geld in der Anlage der MIH proben. Gerade angesichts des in der Szene herrschenden Mangels an Proberäumen ist das schon mal Gold wert.
Die 23 Räume in dem Containergebäude sind alle belegt, manche sogar doppelt und dreifach. So herrscht täglich bis spät abends Betrieb auf der Music Base. Und dafür, dass sie in Herzogenaurach bequem einen Probenraum finden, der auch noch günstig ist, "dürfen die schon auch mal kostenlos auftreten", meint Crazy.


Themenabende

Was vor 20 Monaten klein begann, hat sich unter den Herzogenaurachern inzwischen etabliert und kommt so gut an, dass man den Soundcheck in der Eingangshalle der MIH inzwischen monatlich startet. Und wenn es geht, soll auch ein Thema dahinter stehen, erzählt Crazy. Im Oktober ging es um zwei Generationen in Rock: "Talking bout two Generations" nannte sich der Abend mit der Jungband "Back in the Day" und den alten Herren von "Tuff Enough", die schon vor einem Vierteljahrhundert den Schlosshof gerockt haben.
Im November waren echte Hochkaräter zu hören und zu sehen: "Davy Jones and the Crawlers from Venus" haben sich ganz den Songs von David Bowie verschrieben. Ob "Under Pressure", "Ashes to ashes", "Heroes" oder sogar der Partyhit "Let's dance": Mit Sänger Hannes Welsner stand ein Bowie erster Güte auf der Bühne und die Band - mit den beiden Herzogenaurachern Zico Ziegler und Fred Deutinger - sorgte diszipliniert für einen kräftigen Sound der niemals einfachen Rhythmenwechsel der Bowie-Kompositionen. Am 8. Januar gibt's im Erlanger E-Werk ein Wiedersehen, da wäre David Bowie 70 Jahre alt geworden.


Ramones und Motörhead

Im Vorprogramm spielten mit "Funk Floyd" ein paar alte Haudegen, die allesamt aus der erweiterten Vorstandschaft der MIH stammen. Auch "Crazy" mischt da mit, und nicht nur das. "Funk Floyd" ist sein Baby, so wie es auch die "Mumie" in früheren Rockfasching-Zeiten gewesen ist. Und dann gibt es noch ein paar andere Bands, in denen man den Gitarristen finden kann. So wie es bei der MIH Usus ist - viele spielen irgendwie einfach irgendwo.
Zwei Tribute Bands bilden auch den letzten Soundcheck in diesem Jahr, der zugleich der zehnte ist. Am Samstag, 17. Dezember, geht's eher weniger adventlich besinnlich zu, sondern die Music Base soll beben. Punkrock mit "Havanna Affair", die sich ganz den Songs der legendären "Ramones" verschrieben haben, bilden den Auftakt. Und mindestens ebenso lautstark geht's weiter, wenn "Murder One" loslegt. Sie haben sich Songs von Lemmy Kilmister und seinen "Motörhead" ausgesucht und rockten heuer unter anderem in der Music Halle Geiselwind.
"Murder One" versteht sich allerdings nicht als "Tribute Band" im landläufigen Sinne, heißt es im Manifest der Band. Denn für die drei Musiker verbietet es sich, aus Respekt Lemmy gegenüber, diesen zu imitieren. Das Rocktrio um den Herzogenauracher Klaus Lohmaier lernte Lemmy in den 80er Jahren übrigens persönlich kennen. Das war mit der damaligen Band "Cronos-Titan", die eine Support-Tour für Motörhead spielte. "Wir waren tief beeindruckt von seiner Würde, dem Anstand und dem Respekt, den er anderen gegenüber zeigte", schreiben sie in ihrem Manifest. Deshalb gelte auch: "Murder One kopiert nicht - Murder One salutiert!"
Murder-Bassist Klaus Loh-maier wird vielen Herzogenaurachern bekannt vorkommen. "Der spielt doch beim Smiley", werden die einen sagen. Tatsächlich ist er, wie ja viele andere Kollegen aus der MIH auch, bei verschiedenen Bands aktiv. Und deshalb wird man auch bei den Soundchecks öfter mal die gleichen Gesichter sehen - wie bei "Havana" am gleichen Abend das "Freibiergesicht" Jörg Heydt (FBG-Band), gleichzeitig Zweiter Vorsitzender der MIH, zum Beispiel. Immer wieder spannend, wie weit der Bogen doch gespannt wird.
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