Ebern
BeKleidung 

Die Maria von Ebern

Noch vor der offiziellen Eröffnung am Dienstag schauten Asylbewerber immer wieder in der Kleiderkammer des Helferkreises in Ebern vorbei. Wenn Maria da war, kamen sie an passende Anziehsachen.
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Unterwäsche zählt zu den begehrten Sortimenten. Hier berät Maria Zeheter zwei Syrer, die derzeit in einem Stadtteil von Ebern auf ihr Asylverfahren warten. Foto: Ralf Kestel
Unterwäsche zählt zu den begehrten Sortimenten. Hier berät Maria Zeheter zwei Syrer, die derzeit in einem Stadtteil von Ebern auf ihr Asylverfahren warten. Foto: Ralf Kestel
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Sarah Dann und Ralf Kestel

Es ist das Ende der Wühltische. Von nun an wird gezielt gewählt, nicht mehr gewühlt. Ab Dienstag, 12. Januar, wird Maria Zeheter nach geregelten Öffnungszeiten in der Kleiderkammer anzutreffen sein. Immer dienstags ist sie dann für ihre Herzchen in der Kleiderausgabe da. Mit Unterstützung von anderen Ehrenamtlichen des Helferkreises in Ebern.
Mit Bekleidungskammern hat man in Ebern ja Erfahrung. Zu Bundeswehrzeiten wurden tonnenweise die Uniformen und Seesäcke der Wehrdienstleistenden aus weiten Teilen Ober- und Unterfrankens in der einstigen Standortverwaltung an der Heubacher Straße wieder eingesammelt.
Jetzt wird auch wieder gesammelt. Spenden von Freiwilligen aus der Region bzw. deren Verwandten und Bekannten. Bis aus München kommen Pullover und Hosen, erzählt die (Un-)Ruheständlerin.
Die Klamotten dienen rein friedfertigen Einsätzen, die aktuell über 230 Asylbewerber im Stadtgebiet werden in einem großen Raum im einstigen Kasernenbereich ausstaffiert.
Marias Herzchen, das sind zum Beispiel Safihe oder Mohammed, Männer und Frauen, die alleine oder mit ihren Familien aus Syrien, Afghanistan oder Äthiopien oder aus einem anderen Land geflohen sind. Mit nicht viel mehr als einem Koffer und dem, was in Tüten und in den Arm gepasst hat. Diese Menschen brauchen jetzt - vor allem, wenn es kalt wird - Klamotten, Schuhe, Taschen oder auch Kinderwagen.


Blick für die Größen

In Regale hat Maria wochenlang die Kleiderspenden nach Größen, Kinder, Männer und Frauen sortiert. Beim ersten Anlauf zum Aufbau einer Kleiderkammer des Asylhelferkreises lag alles in Kartons. Die Räume waren viel zu klein. Beim Besuch mehrerer "Kunden" brach das blanke Chaos aus, was in Reihen des Asylhelferkreises für Frust und teils harsche Kritik an Landratsamt, Rotem Kreuz und Stadt führte.
Hin und wieder kam es damals vor, dass die Klamotten wenige Tage später wieder vor der Tür lagen, weil sie doch nicht gepasst haben. Dieses Tohuwabohu soll jetzt vermieden werden.
Jetzt im neuen Jahr ist die Kleiderkammer dank der Unterstützung durch heimische Firmen und Einsätze der städtischen Bauhofmitarbeiter so weit eingerichtet, dass Anziehsachen im wöchentlichen Turnus ausgegeben werden können. Die Ehrenamtlichen schauen mit den Asylbewerbern die passenden Regale durch und helfen bei der Auswahl.
Meistens erkennt Maria mit fachfraulichem Blick schon von Weitem, welches Kleidungsstück die passende Größe hat. Dann folgt eine Mischung aus Modeberatung, Werbung ("nimm, reine Wolle, gute Qualität") und Einkleidung nach militärischem Vorbild.


Befehlston in Gebärdensprache

Denn: Maria Zeheter beherrscht auch den (herzlichen) Befehlston, wenn ihre Schützlinge nicht spuren, oder Sachen wollen, die ihnen nicht passen oder einfach ungeeignet sind. Oder wenn sich einer übervorteilen bzw. bereichern will. Hamster"käufe" gehen bei der Leiterin gar nicht. Und dies alles in einem Kauderwelsch, englisch, deutsch, Gesten und Gebärdensprache bunt gemischt.
In der Kleiderkammer kann nicht nur Bekleidung abgeholt, sondern auch vorbeigebracht werden.
Auch dafür gibt es ein paar Spielregeln, die eingehalten werden können, um die Ehrenamtlichen nicht zusätzlich zu belasten.
"Die Kleidung sollte schon so abgegeben werden, dass noch alle Knöpfe an der Bluse dran sind", sagt Maria Zeheter. Und Schuhe, die sollten zum Beispiel sauber sein. Denn, ja, die Asylbewerber haben Zeit, aber eben kein Putz- oder Nähzeug, erklärt die Ehrenamtliche, die sich mit ihrem Ehemann Franz-Josef beim Asylhelferkreis in Ebern einsetzt.
Bei all diesem Einsatz seit nunmehr gut einem Jahr ist aus Maria Zeheter für die Flüchtlinge "die Maria" geworden. Eine Frau, die erfahren hat, dass es ein halbes Jahr dauert, bis aus Flüchtlingen ihre "Herzchen" werden, die sich ihr öffnen. "Sie brauchen ein halbes Jahr, um zu vertrauen", sagt Maria.
Dieses Vertrauen bekommt sie zum Beispiel auch zu spüren, wenn die eine Winterjacke, die sie aus dem Regal raus sucht, ohne irgendwelche Zweifel angezogen und mit einem "Danke" angenommen wird.

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