Kulmbach

Die Geschichte einer Zensur, die es offiziell gar nicht gab

von unserem Mitarbeiter werner reissaus Kulmbach — Eine Ausstellung über die Geschichte der Presse und den Kampf um die Pressefreiheit in der früheren DDR ist seit gestern im erste...
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Auf 23 Tafeln wird das Thema Pressefreiheit in der DDR aufgearbeitet, wie Sandra Bali dem geschäftsleitenden Beamten Rüdiger Köhler (links) und Landrat Klaus Peter Söllner erläuterte. Foto: Werner Reißaus
Auf 23 Tafeln wird das Thema Pressefreiheit in der DDR aufgearbeitet, wie Sandra Bali dem geschäftsleitenden Beamten Rüdiger Köhler (links) und Landrat Klaus Peter Söllner erläuterte. Foto: Werner Reißaus
von unserem Mitarbeiter werner reissaus

Kulmbach — Eine Ausstellung über die Geschichte der Presse und den Kampf um die Pressefreiheit in der früheren DDR ist seit gestern im ersten Obergeschoss des Landratsamtes zu sehen. "Unter Druck - Die Zeitungen der Friedlichen Revoulution" lautet der Titel der Schau, die zugleich den Auftakt des Jubiläums der 25-jährigen Partnerschaft zwischen dem Landkreis Zwickau und dem Landkreis Kulmbach bildet. Die erste Partnerschaftsveranstaltung findet am 4. Mai statt.
Die Ausstellung wurde 2009 durch das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage in Werdau konzipiert und wandert seitdem durch ganz Deutschland. Sie dokumentiert schwerpunktmäßig die Zensurgeschichte einschließlich der "Schere im Kopf", die Behinderung der Kirchenzeitungen und die Entstehung der parteiunabhängigen Zeitungen im Verlauf der Friedlichen Revolution in der DDR.
Der Ruf nach der Pressefreiheit und SED-unabhängiger Zeitungen nach jahrelanger verfassungswidriger Zensur gehörte im Herbst der Friedlichen Revolution 1989 zu den erster Forderungen während der Demonstrationen und an den Runden Tischen. Am 8. Oktober 1989 wurde in Dresden an der Prager Straße aus der Masse der Demonstranten heraus die "Gruppe der 20" gebildet. Als sich diese Forderungen aus der Menge zuriefen ließ, stand nach Reisefreiheit die Pressefreiheit an zweiter Stelle. Offiziell gab es in der DDR keine Zensur. In der Verfassung von 1949 hieß es: "Eine Pressezensur findet nicht statt."
Bis zur Wahl im März 1990 wurden in Ostdeutschland 43 unabhängige Zeitungen gegründet, manche mit Witz, andere laienhaft, viele aber auch professionell. Es war ein Aufatmen nach Jahrzehnten andauernder Pressezensur.

Lange nicht selbstverständlich

Eine Lanze für die Pressefreiheit brach Landrat Klaus Peter Söllner bei der Eröffnung der Ausstellung: "Das ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Was uns heute selbstverständlich erscheint, wurde seit Erscheinen der ersten Zeitung 1605 in einem Jahrhunderte währenden Prozess, mit schweren Rückschlägen während des Nationalsozialismus erstritten."
Sandra Bali wies darauf hin, dass im Rahmen der Ausstellung für Kulmbacher Schüler eine Informationsveranstaltung am 8. Mai mit Christian Otto als Zeitzeugen und Harald Baumer als Spezialist für Presse- und Medienrecht durchgeführt wird. Auf diese Weise soll der Schulterschluss zu den aktuellen Fragestellungen rund um das Thema Pressefreiheit und zum Umgang mit Medien gebildet werden.
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