Reckendorf

Die Fabrik in der Synagoge

Tag des offenen Denkmals  Die ehemalige Synagoge - Haus der Kultur in Reckendorf gibt am 13. September interessante Einblicke.
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Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Herstellung von Schuhen in der ehemaligen Synagoge Mitte der 1950er- Jahre  Foto: Gemeindearchiv Reckendorf, Slg. Kilian-Cron
Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Herstellung von Schuhen in der ehemaligen Synagoge Mitte der 1950er- Jahre Foto: Gemeindearchiv Reckendorf, Slg. Kilian-Cron
Reckendorf — Das Schicksal der Reckendorfer Synagoge verlief so wie bei allen jüdischen Gotteshäusern, die die Brandschatzungen der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 überstanden hatten: Schändung und Zerstörung der Inneneinrichtung, Zwangsverkauf (21. Juli 1939) und daraufhin profane Nutzung. Bereits vier Monate nach Übereignung an die politische Gemeinde begannen Umbauarbeiten (Einbau einer Zwischendecke), die von der nationalsozialistischen Regierung "zur Beschaffung neuer Arbeitsstätten für Rückgeführte" gefördert wurde.
Was war passiert? Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall der deutschen Truppen auf Polen der Zweite Weltkrieg. Auch an der westlichen Landesgrenze begannen die Kämpfe des Frankreichfeldzugs. Bereits am 3. September wurde die städtische Zivilbevölkerung von Pirmasens evakuiert. Die dortige Industrie wurde großteils auf andere Orte verteilt. Im Januar 1940 begann die Schuhfabrik Pallah ihre Produktion in der ehemaligen Synagoge. Die Familie Kilian wurde mit ihren sämtlichen Mitarbeitern zwangsevakuiert und in Reckendorf angesiedelt.
Dieser Zustand dauerte nur einige Monate, dann durften die Pirmasenser wieder zurückkehren. Das Gebäude wurde im Anschluss daran als Kriegsgefangenenlager genutzt, dann als Produktionsort der Firma Rupp & Bachmann (Zündkerzen) und diente später - nach Evakuierung der Bamberger Fabrikationsstätten, die wichtiges Kriegsgerät herstellten - der Firma Ullmann (Elektrotechnische Fabrik Mainfranken) bis Kriegsende als Zufluchtsort.


Schuhproduktion boomte

Die Geschichte des Ortes blieb weiterhin mit der Stadt Pirmasens verbunden, denn als dort am 15. März 1945 zwei Drittel des gesamten Stadtgebietes zerbombt wurden, entschloss sich die Familie Kilian, mit ihrer Schuhproduktion wieder nach Reckendorf zurückzukehren. Man begann zunächst in einem Hintergebäude an der Hauptstraße, das jedoch einem Brand zum Opfer fiel. So kam es, dass die Firma im Februar 1953 wieder in die ehemalige Synagoge umzog. Mit dem Erfolg des Weltwirtschaftswunders boomte auch die Reckendorfer Schuhfabrikation. So konnte bereits 1958 ein Fabrikneubau am Weidig errichtet werden. 1966 wurde der Betrieb an die Firma Puma übergeben, die dort Trainingsschuhe produzieren ließ. Aufgrund eines Wechsels im Management wurde das Reckendorfer Werk kurz vor Weihnachten 1987 geschlossen.
Nach dem Motto des diesjährigen "Tags des offenen Denkmals - Handwerk, Technik, Industrie" bietet sich in Reckendorf am Ahornweg 2 die Gelegenheit, an diese historischen Ereignisse zu erinnern. Am Sonntag, 13. September, von 14 bis 17 Uhr wird mit zusätzlichen Ausstellungsstücken, die beim Umbau des Denkmals im Jahr 2003 geborgen wurden, insbesondere an die ehemalige Fabrikation der Schuhfabrik Pallah-Kilian erinnert.
Ehemalige Mitarbeiter werden an diesem Nachmittag ab 14 Uhr aufgerufen, Objekte - wie beispielsweise Berichtshefte oder Gesellenstücke - mitzubringen und in Erinnerungen zu schwelgen. Kuratorin Adelheid Waschka wird um 16 Uhr durch die Ausstellung "Kultur und Kultus - die Genisa Reckendorf" führen. AW

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