Waischenfeld

Die Exkommunikation von Konrad II. von Schlüsselberg ist "verfallen"

Waischenfeld — Konrad II. von Schlüsselberg, dem die Stadt Waischenfeld die Verleihung der Stadtrechte vor 700 Jahren zu verdanken hat, wurde 1324 vom Papst exkommuniziert und mit ...
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Alfred Hierold  Foto: Annette Schäfer
Alfred Hierold Foto: Annette Schäfer
Waischenfeld — Konrad II. von Schlüsselberg, dem die Stadt Waischenfeld die Verleihung der Stadtrechte vor 700 Jahren zu verdanken hat, wurde 1324 vom Papst exkommuniziert und mit dem Kirchenbann belegt. In folgendem Interview erläutert der Bamberger Kirchenrechtler Professor em. Alfred Hierold die Bedeutung des Banns, spricht über die Folgen der Exkommunikation und antwortet auf die Frage, ob die Exkommunikation heute aufgehoben werden könnte.

Konrad von Schlüsselberg wurde als Mitstreiter Ludwigs des Bayern 1324 im Konflikt zwischen König und Papst exkommuniziert und mit dem Kirchenbann belegt. Dieser wurde bis heute nicht widerrufen. Was bedeutete dieser Kirchenbann?

Hierold: Im März 1324 wurde Kaiser Ludwig der Bayer von Papst Johannes XXII. exkommuniziert, der ihn zuvor vermahnt, dann zitiert und in die Prozedur der kanonischen Prozesse verwickelt hatte mit dem Ziel, ihn vom Königtum auszuschließen und eine andere, wohl französische Thronkandidatur einzuleiten. Die Exkommunikation traf nicht nur Ludwig, sondern auch seine Anhänger und Gefolgsleute, darunter auch den Schlüsselberger. Trotzdem wurde Ludwig von vielen unterstützt, nicht zuletzt von den Orden, die dem Armutsideal zugetan waren.
Er wehrte sich gegen das Vorgehen des Papstes, warf ihm die einseitige Verwendung von kirchlichen Strafmitteln zur Bekämpfung seiner politischen Gegner vor und bat um die Einberufung eines allgemeinen Konzils. Der Bann bedeutete, dass der vom Bann Betroffene keine Sakramente empfangen, keine kirchlichen Ämter erhalten und ausüben, nicht König sein und nicht in geweihter Erde beigesetzt werden konnte. Teilweise konnte auch in dem Gebiet des Betroffenen kein Gottesdienst gefeiert werden.
Konrad war trotz Kirchenbanns ein frommer Mann und förderte zahlreiche Klöster. An seinem Stammsitz in Waischenfeld stiftete er die Pfarrkirche. Was bewegte einen Gebannten, trotz Kirchenstrafe die Kirche vor Ort zu fördern?
Dass Konrad von Schlüsselberg ein frommer Mann war, steht durch seine Stiftungen fest. Dass er trotz der Exkommunikation vieles stiftete, rührt wohl daher, dass er der Meinung war, dass die Exkommunikation eine politische Maßnahme des Papstes und damit missbräuchlich verhängt worden war. Auch die frommen Ordensleute folgten schließlich dem Kaiser gegen den Papst.

Konrad von Schlüsselberg wurde in Schlüsselau bei Hirschaid beerdigt. Das Zisterzienserinnenkloster war von seinen Vorfahren gestiftet worden, Konrad hatte es zeitlebens unterstützt. Doch wurde er nicht wie seine Vorfahren in der Grablege in der Kirche, sondern an der Außenmauer bestattet. War dies eine Folge des Kirchenbanns?
Dass Konrad nicht in der Kirche, sondern an der Außenmauer beerdigt wurde, war Folge der Exkommunikation; denn ein Gebannter durfte nicht in geweihter Erde, schon gar nicht in einer Kirche beigesetzt werden.

Bleibt ein Gebannter auch nach dem Tod exkommuniziert, stand er weiter unter dem Kirchenbann?
Die Strafgewalt der Kirche reicht nicht über den Tod eines Menschen hinaus; nach dem Tod ist jeder Mensch dem Gericht des gerechten und gütigen Gottes überlassen.

Angesichts der 700-Jahr-Feier der Stadterhebung Waischenfelds, mit der König Ludwig der Bayer seinen treuen Mitstreiter Konrad von Schlüsselberg belohnte, fragen sich historisch interessierten Bürger: Wäre es dem Erzbischof von Bamberg heute möglich, diesen mittelalterlichen Kirchenbann aufzuheben? Wäre dies nicht auch zu begrüßen, da dem Hochstift Bamberg ein Großteil des Schlüsselberger Erbes zufiel?
Deshalb braucht die Exkommunikation des Schlüsselbergers nicht eigens aufgehoben zu werden; sie ist sozusagen verfallen. Da der Papst die Exkommunikation verhängt hat, hätte der Bamberger Erzbischof auch keine Kompetenz dazu. Was sollte eine Aufhebung auch bringen? Angemessen wären das Gedenken und das Gebet für Konrad von Schlüsselberg.

Das Gespräch führte Bernhard Schweßinger.
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