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Bamberg

Die Bienen sind in großer Gefahr

Imkerei  Die Varroamilbe ist mit 1,1 Millimeter Körperlänge zwar klein, jedoch stellt sie die Hauptursache für das bundesweite Bienensterben dar. Wegen des milden Winters werden es auch die Bamberger Bienen dieses Jahr schwerer haben als sonst.
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Der Imker Karl-Heinz Übelacker kontrolliert eine seiner Bienenwaben.  Foto: Ronald Rinklef
Der Imker Karl-Heinz Übelacker kontrolliert eine seiner Bienenwaben. Foto: Ronald Rinklef
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von unserer Mitarbeiterin 
Theresie-Josefin FEderolf

Bamberg — Dieses Jahr werden ungewöhnlich große Verluste von Bienenvölkern zu beklagen sein, schätzt Karl-Heinz Übelacker. Der Vorsitzende des Imkervereins Bamberg und Umgebung ist an seinem Lehrbienenstand selbst schon davon betroffen: von insgesamt 18 dort beheimateten Bienenvölkern sind neun nicht durch den Winter gekommen. Das entspricht einem Völkersterben von 50 Prozent. Hauptsächlich schuld daran ist ein weltweit zerstörerischer Parasit - die Varroamilbe.

Deutschlands Bienen leiden

Diese asiatische Milbenart ist für die westlichen Bienenarten sehr bedrohlich, da sich die Milbe vom Blut der Bienen ernährt und sich direkt auf der Brut der Bienen vermehrt. Über die Bisswunden können gefährliche Viren in die Bienenlarven eindringen, so dass diese schon geschwächt schlüpfen und nach kurzer Zeit verenden.
Ein gänzlich milbenfreies Überwintern der Bienenvölker ist für die meisten Imker nicht machbar. Selbst die geplante Immunisierung der Tiere gegen die Milbe durch gezielte Züchtung befindet sich noch im Anfangsstadium. Dennoch hat nicht jedes Volk die gleiche Anzahl des Parasiten. Die Milbe ist zweifelsohne gefährlich, jedoch geht jedes Bienenvolk mit ihr anders um. Besitzt ein Bienenvolk einen besonders ausgeprägten Putztrieb, hält sich die Zahl der Milben und damit dann auch die Todesrate der Bienen in Grenzen. Imker können ihre Tiere unterstützen, indem sie sie im Winter ein- bis zweimal mit Milchsäure einstreichen. Dies tötet die Varroamilbe ab und ist für Bienen gänzlich ungefährlich.
Durch den sehr milden Winter konnten sich die Milben jedoch viel früher und stärker als in den vorherigen Jahren vermehren, so dass die Völkerverluste von Bienen in Deutschland heuer wesentlich höher ausfallen werden als sonst.

Sperrgebiete eingerichtet

Der Imkerverein Bamberg und Umgebung e.V. zählt rund 130 Mitglieder mit ungefähr 900 Bienenvölkern. Im gesamten Stadt- und Landkreis geht man von 400 Bienenhaltern und ungefähr 2500 Bienenvölkern aus, die im Frühjahr aktiv Pollen sammeln und die heimischen Obstbäume bestäuben. Die eigenen großen Verluste der Bienenvölker sind erschreckend.
"Wir haben alles getan, damit alle unsere Bienenvölker überleben. Nach einem Winter sind zehn Prozent Verlust durchaus noch im Normalbereich - heute ist es viel schlimmer", so Übelacker. Er kennt Imker, bei denen es nach diesem Winter gar keine Verluste gab - aber auch Imker, die Verluste bis zu 80 Prozent verzeichnen müssen. Besonders wichtig sei, dass das Bienenvolk richtig überwintert wurde und die Königin die Jahreszeit überlebt hat. Sie ist für den Nachwuchs zuständig, da ein Bienenvolk mit meist 10 000 bis 15 000 Tieren eingewintert wird und im Sommer dann auf bis zu 50 000 bis 70 000 Bienen heranwächst.
Zusätzlich zu dem Befall der Bienenstöcke durch die Varroamilbe, kämpfen die Imker hier in Stadt und Landkreis mit der amerikanischen Faulbrut. Diese bakterielle Krankheit zersetzt die jungen Bienenlarven meist noch in der geschlossenen Brutwabe. Aufgrund der amerikanischen Faulbrut wurden in Bamberg Stadt und Land insgesamt fünf Sperrgebiete mit einem Radius von zwei bis fünf Kilometern eingerichtet, die das Veterinäramt erst nach den Frühjahresuntersuchungen wieder aufheben kann.
"Bei einem guten, sonnigen Frühjahr und guten Trachtverhältnissen hat sich der Schaden bei den Bienen sicher schnell wieder behoben", prognostiziert Übelacker. Wenn sich das Frühjahr aber weiter so hinziehen sollte wie jetzt, komme es zu einer Explosion von heimischen Blüten, sodass hierfür wiederum zu wenig Bienen zum Bestäuben und für den Nektareintrag vorhanden wären.

Der eigene Garten als Rettung

Eine Lösungsmöglichkeit für das Problem des Bienenvölkersterbens ist nach Übelacker die richtige Bepflanzung des eigenen Gartens. Durch viele heimische und lange blühende Pflanzen können die Bienen ab dem Frühjahr bis Anfang September Pollen sammeln. Im Moment eignet sich das Pflanzen von Frühblüherpflanzen, wie zum Beispiel Krokusse, sehr für die Tiere. Auch Himbeeren und Brombeeren werden von ihnen oft angeflogen und eignen sich gut für den Anbau im eigenen Garten.
Für besonders Naturinteressierte ist die eigene Beschäftigung mit der Imkerei ebenfalls eine Möglichkeit, einen Beitrag für eine verbesserte Bienensituation zu leisten. Denn je mehr starke Völker gezüchtet werden, desto besser können diese den schwächeren Völkern beim Überleben helfen. Hierfür bietet der Imkerverein Bamberg und Umgebung am Lehrbienenstand An der Galgenfuhr 21 Kurse zur Imkerei an.

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