Teuschnitz

Die Arnikastadt blickt freudig zurück

Jubiläum  Teuschnitz feierte am Wochenende 625 Jahre Stadtrecht. Gut informierte Schulkinder erklärten den Gästen humorvoll, unterhaltsam und sehr musikalisch, warum die Teuschnitzer "Ochsenaufzieher", "Schildbürger" und "Salzsäer" sind. Auch Minister Markus Söder gratulierte zum Jubiläum.
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von unserer Mitarbeiterin 
Veronika Schadeck

Teuschnitz — Es war beeindruckend, was die Teuschnitzer am Samstag anlässlich des 625-jährigen Jubiläums ihres Stadtrechtes auf die Beine stellten. Die Häuser waren mit bunten Fahnen geschmückt und Im Stadtpark fühlte man sich einige hundert Jahre zurück versetzt. Es wimmelte von Bürgern in historischen Kostümen und alten Handwerkszeugen. Selbstbewusst und bester Stimmung zeigten sich Teuschnitz und seine Bewohner von ihrer schönsten Seite.

Die Jüngsten lehren Geschichte

Eingebunden in das fröhliche Treiben waren alle Generationen und Vereine. Schul- und Kindergartenkinder berichteten in lustiger Weise über die Teuschnitzer Geschichte und erklärten auch, warum die Teuschnitzer die "Ochsenaufzieher" sind. Sie begeisterten in historischen Gewändern und mit ihrem natürlichen Auftreten nicht nur die Besucher, sondern auch den bayerischen Heimat- und Finanzminister, Markus Söder, der bei dem Fest zu Gast war.
Der Nachwuchs ging in humorvoller Art und Weise auf die Geschichte der Stadt ein: Demnach schenkte im Jahre 1187 der Bischof Otto II. das Waldgebiet "Windhagin" mit der Einöde Teuschnitz dem Kloster Langheim. Zwei Jahre später hat dieser Bischof Otto II. von Bamberg die Kirche zu Teuschnitz zu einer freien Pfarrei erklärt.
Zwischen 1250 und 1329 bekamen die Bürger schließlich ein Marktrecht. Damals, so hieß es, haben die Teuschnitzer versucht ihr eigenes Salz anzubauen, seitdem heißen sie neben den "Schildbürgern" auch die "Salzsäer".

Der Ochse streckt die Zunge raus

Die kleinen Akteure erinnerten an das Jahr 1390, als Bischof Lamprecht zu Bamberg den Teuschnitzern das Stadtrecht verliehen hat. Seitdem hatten sie formell die gleichen Rechte wie Kronach.
Sie berichteten weiter, dass Teuschnitz nach der Reformation evangelisch wurde - aber "man hat sie schnell wieder katholisch gemacht". Natürlich wurde auch die Geschichte mit dem Ochsen erzählt. Dieser sollte auf der Stadtmauer Gras abfressen. Dazu haben ihn die Bürger mit einem Seil hochgezogen. Sowie er oben war, hat der Ochse die Zunge rausgestreckt. Die Bürger riefen: "Guckt hin, er leppert schon!"
Auch das Jahr 1803 wurde erwähnt, als die Kirchen ihre weltliche Herrschaft verloren und Teuschnitz Bayern zufiel. Seit 1886 haben die Teuschnitzer eine Wasserleitung und in diesem Jahr wurde auch mit der Zigarrenherstellung begonnen.
Weiterhin gingen die Kinder auf die großen Brände in den 1930-er Jahren ein. Sie erwähnten die Zusammenlegung der beiden Bezirksämter Teuschnitz und Kronach.

Arnika und "neue Blütezeit"

Nicht ohne Stolz berichteten die Kinder von der Gemeindegebietsreform im Jahre 1978. Seitdem gehören die "Rappoltgrüner Gänsfresser, die Wickendorfer Karpfenpfeifer, die Haßlacher Ziegensuppensaufer, die Tschirner Hundskeiler und die Reichenbacher Kalmberafer" zur "Stodt".
Die Kinder hoffen nun, dass mit dem neuen Arnikaprojekt Teuschnitz einer neuen Blütezeit entgegen geht.
Nach den Aufführungen des Nachwuchses gab es historische Einlagen von den Gastgruppen und Vereinen. Anwesend waren unter anderen mittelalterliche Gruppen aus Lichtenberg/Hof, Nordhalben, Kronach und Lauenstein. Es war ein schönes Fest, das den Teuschnitzern lange in Erinnerung bleiben wird.

Minister Markus Söder gratuliert

Alles wurde getan, damit sich der bayerische Heimat- und Finanzminister Markus Söder (CSU) in der Arnikastadt schnell heimisch fühlt. Erst wurde er mit Böllerschüssen der "Cronacher-Ausschuss-Compagnie" begrüßt. Dann scherzte Bürgermeisterin Gabi Weber mit Blick auf die feuchte Witterung: "Wir hatten sechs Wochen schönes Wetter, jetzt kommen Sie!"
Schnell war das Eis gebrochen. Der Minister gab sich kernig und volksnah. Seine Rede war kurz, mehrmals wurde er von Beifall unterbrochen. "Ich fühle mich hier wie daheim!" Nicht nur die Bürgermeisterin Gabi Weber hörte diese Worte gerne, sondern auch die zahlreich anwesenden Bürgermeister und Kreisräte.
Weber stellte dem Minister das Arnikaprojekt vor, bedankte sich für die erhaltenen Hilfen und bat um weitere Unterstützungen. Der Minister war nicht abgeneigt - und er gestand: "Ich habe mich so auf den Termin gefreut, denn wenn man die ganze Woche in München verbringt, dann ist Franken Labsal für die Seele!"
Der in Nürnberg heimische Minister betonte in seiner Rede mehrmals, dass er sich mit Franken sehr verbunden fühle. "München ist schön, aber Franken ist schöner." Als Heimatminister , so gestand Söder, habe er zuerst gedacht, der Job habe mit Volkstanz und Brauchtum zu tun.
Schnell habe er aber festgestellt, dass er dafür sorgen müsse, dass jede Region in Bayern die gleichen Entwicklungschancen bekomme. München und Nürnberg haben genügend Geld. Andere seien auf Unterstützung angewiesen, um ihr vorhandenes Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Söder sprach davon, dass der Freistaat schon jetzt die strukturschwachen Gebiete mit Finanzierungs- und Stabilisierungshilfen unterstützt habe. Sofort wurde er von MdL Jürgen Baumgärtner unterbrochen. "Wir brauchen aber noch etwas".

Für Kinder müsst ihr selbst sorgen

Er sprach die Etablierung der Finanzhochschule in Kronach an, mit der die Region durch Studenten belebt werden soll. Als notwendig erachtete er die Schaffung des schnellen Internets im ländlichen Raum. 14 Millionen Euro sollen hier investiert werden. Söder versprach: "Ich lasse die Franken und Oberfranken nicht im Stich." Er könne aber im Landkreis Kronach nicht für die doppelte Anzahl von Kindern sorgen. "Das müsst schon ihr machen." Und: "Die Kreisräte müssen großen Einsatz zeigen."
MdL Jürgen Baumgärtner bedankte sich ebenso wie MdB Hans Michelbach bei Söder für seinen Einsatz für den Landkreis. Landrat Oswald Marr betonte, er fände es gut, dass Söder zwei Ministerien unter sich habe. "So muss er das, was er als Heimatminister verspricht, auch als Finanzminister bezahlen." Seitdem Söder diese Positionen inne habe, werde der ländliche Raum auch tatsächlich unterstützt. Als Grußredner zollte Marr den Teuschnitzern Respekt: "Es ist ein Super-Fest", brachte es Kronachs Landrat auf den Punkt.


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