Lichtenfels
Ringen 

Deutsche Medaillen rar gesät

Bei den letzten vier olympischen Spielen holten die deutschen Ringer lediglich eine Medaille. In Rio könnte erstmals eine deutsche Frau auf dem Podest stehen.
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Legendär: Der deutsche Ringer Wilfried Dietrich (unten), auch der Kran von Schifferstadt genannt, warf bei den Olympischen Spielen in München 1972 den amerikanischen 182-kg-Koloss Chris Taylor über seinen Kopf und schulterte ihn anschließend. Eine Medaille blieb Dietrich damals versagt, er hatte aber zuvor schon bei den Spielen 1960, 1964 und 1968 Medaillen gewonnen.  Foto: Archiv/Hartmut Reeh
Legendär: Der deutsche Ringer Wilfried Dietrich (unten), auch der Kran von Schifferstadt genannt, warf bei den Olympischen Spielen in München 1972 den amerikanischen 182-kg-Koloss Chris Taylor über seinen Kopf und schulterte ihn anschließend. Eine Medaille blieb Dietrich damals versagt, er hatte aber zuvor schon bei den Spielen 1960, 1964 und 1968 Medaillen gewonnen. Foto: Archiv/Hartmut Reeh
Der Ringkampf gehört zu den ältesten Formen des Sportes, der bei den Olympischen Spielen der Antike zum Fünfkampf gehörte. Eine Einteilung in verschiedene Gewichtsklassen gab es nicht, die Ringer kämpften damals nackt und auch das Regelwerk war damals weitaus leichter zu verstehen; wer es schaffte, seinen Kontrahenten dreimal zu Boden zu werfen, wurde zum Sieger gekürt und genoss damals hohes Ansehen. Mehr noch - wenn in Lauf- oder Sprungwettkämpfen Gleichstand erzielt wurde, dann entschied nicht das Los, sondern die Beteiligten kämpften das Endergebnis aus.


Ringen schon immer olympisch

Bei den Olympischen Spielen der Neuzeit gehörte Ringen von Anfang an zum Programm. Carl Schumann aus Berlin war 1896 in Athen der erste Olympiasieger im Ringen. Mit nur 1,63 m war er der kleinste Ringer, der die "Offene Klasse" für sich entschied. Gegen den Griechen Georgios Tsitas gewann Schumann damals nach 65-minütigem Kampf. Im Turnen holte Schumann ebenfalls Gold, im Gewichtheben Bronze.
Carl Schumann gehörte 1896 zu den vielseitigsten Olympioniken und war einer der ersten Sportler, der 2008 in die deutsche "Hall of Fame" aufgenommen wurde.
Die ersten Olympischen Spiele wurden 1896 - also vor nunmehr 120 Jahren in Athen ausgetragen. 1936 - also vor genau 80 Jahren - war Berlin Gastgeber der XI. Olympischen Spiele. Im Freistil holte Wolfgang Ehrl (66 kg) die Silbermedaille, während Johannes Herbert (56 kg) und Erich Siebert (87 kg) Bronzemedaillen gewannen. Im griechisch-römischen Stil erreichten Fritz Schäfer (72 kg) und Ludwig Schweickert (79 kg) Silberränge, Bronzemedaillen gingen an Jakob Brendel (56 kg) und Kurt Hornfischer (über 87 kg). Der heute wohl bekannteste Ringer aus dieser Zeit, Werner Seelenbinder erzielte im Halbschwergewicht (damals 87 m kg) den vierten Platz.


Medaillen für BRD und DDR

1972 war München Austragungsort der XX. Olympischen Spiele. Hans-Jürgen Veil (57 kg/BRD), sowie Heinz-Helmut Wehling (62 kg/DDR) gewannen im griechisch-römischen Stil Silbermedaillen, Adolf Seger (78 kg/BRD) holte im Weltergewicht Bronze. Unvergessen der spektakuläre Wurf von Wilfried Dietrich gegen den US-Schwergewichtler Chris Taylor. Dietrich wurde im griechisch-römischen Stil Vierter-, im freien Ringkampf Fünfter.
Auch 1984 sorgte ein deutscher Ringer bei den Olympischen Spielen in Los Angeles (USA) für Aufsehen, als Pasquale Passarelli im Finale des 57-Kilo-Limits gegen den Japaner Masaki Eto über 85 Sekunden in der Ringerbrücke die Schulterniederlage verhinderte.


Passarelli in der Dauerbrücke

Damit rettete der Deutsche seinen Punktvorsprung über die Kampfzeit und wurde Olympiasieger. Auch Passarelli wurde mit dieser Leistung zu einer der deutschen Ringerlegenden.
Einen handfesten Skandal gab bei den Sommerspielen 2000 in Sidney, als Alexander Leipold nach seinem Triumph, sein Olympiagold auf Grund einer positiven Dopingprobe wieder aberkannt wurde. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren, in dem der Sachverhalt nie gänzlich geklärt werden konnte, darf er sich "Gewinner des olympischen Turnieres" nennen. Die Medaille bekam Leipold allerdings nicht zurück.
Die letzten olympischen Medaillen nach der Widervereinigung der beiden deutschen Verbände gewannen Heiko Balz (Silber 1992) und Arawat Sabejew (Bronze 1996) im freien Stil, sowie Maik Bullmann (Gold 1992, Bronze 1996), Rifat Yildiz (Silber 1992), Thomas Zander (Silber 1996) und nach zwölfjähriger Pause Mirko Englich (Silber 2008) im griechisch-römischen Stil.


Frauen seit 2004 bei Olympia

Seit 2004 sind auch die Frauen auf olympischen Ringermatten aktiv. In vier Gewichtsklassen wurde in Athen um um olympisches Edelmetall gekämpft. In Rio wurde nun die Anzahl der Kategorien im Frauenbereich auf sechs Gewichtsklassen angehoben, während die beiden Männerstilarten (Freistil und griechisch-römischer Stil) je eine Kategorie abgeben mussten und nunmehr ebenfalls in sechs Gewichtsklassen um Medaillen streiten. Auf dem Podium stand bislang noch keine deutsche Ringerin.


Focken mit Medaillenchancen

Die Chancen auf eine Medaille bei den deutschen Ringerfrauen steigen 2016 jedoch deutlich an, denn der DRB ist mit vier Athletinnen in Rio vertreten. Vor allem Aline Focken (69 kg/ KSV Krefeld), die 2014 inUsbekistan Weltmeisterin wurde und sich im vergangenen Jahr bei den Welttitelkämpfen in Las Vegas mit Bronze für die Olympischen Spiele qualifizierte, werden große Chancen auf einen Podiumsplatz zugesprochen.


Stäbler als Weltmeister dabei

Bei den Männern Mitstreitern im deutschen Team gilt vor allem Frank Stäbler als Aushängeschild, der seit 2011 zur Weltspitze gehört, 2012 in London mit Platz 5 knapp an Bronze vorbei schrammte. 2015 gelang dem Ringer vom TSV Musberg bei den Weltmeisterschaften in Las Vegas (USA) der Titelgewinn im Limit bis 66 kg. Nun greift Stäbler in Rio nach einer olympischen Medaille.
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