Bamberg
Aufruf  

Der "zugelaufene" Prinzregent

Der Historische Verein Bamberg hat im November ein Bronzerelief anonym zugeeignet bekommen. Vorsitzender Norbert Ruß möchte nun Näheres über Herkunft und Geschichte des "herrenlosen Kulturguts" herausfinden.
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Klaus Tenschert mit dem "zugelaufenen" Prinzregenten Luitpold  Foto: Ronald Rinklef
Klaus Tenschert mit dem "zugelaufenen" Prinzregenten Luitpold Foto: Ronald Rinklef
Gertrud Glössner-Möschk

Eines Tages im November 2015 war er da, in eine Schachtel verpackt und vor dem Stadtarchiv abgestellt: Prinzregent Luitpold. Adressat war der Historische Verein, der unter dem Dach des Stadtarchivs in der Unteren Sandstraße einen Arbeitsraum hat. Wer die Reliefbüste dort abgestellt hat, weiß bis heute niemand.
Der Prinzregent ist ein ganz schönes "Trumm", wie der Bamberger sagt: fast einen halben Meter hoch und aus Bronzeguss. Klaus Tenschert, Sammlungsbeauftragter des Historischen Vereins und freiberuflicher Restaurator, kann das sogar noch präzisieren. Das Relief wurde im so genannten Wachsausschmelzverfahren gefertigt; das Material hat einen hohen Kupferanteil. Man sieht das deutlich auf der Rückseite, wo es grün schimmert.
An allen vier Seiten gibt es Befestigungspunkte und oben ist eine Öse zum Aufhängen angebracht. Außerdem trägt es den Namen des Künstlers und eine Jahreszahl "J. Albert" und "1910".


Fahndungsaufruf

Warum das hier alles so genau beschrieben wird? Dieser Artikel soll eine Art Steckbrief sein, denn es handelt sich um eine Fahndung: Der Historische Verein Bamberg möchte wissen, ob das gute Stück einen Bezug zur Stadt hat und wenn ja, wo es dereinst einmal hing. Gut wäre es natürlich auch, in Erfahrung zu bringen wäre, wer das Relief vor dem Stadtarchiv "ausgesetzt" hat, um ausschließen zu können, dass der Verein unrechtmäßig in seinen Besitz gelangt ist.
Norbert Ruß, Vorsitzender des Historischen Vereins, spricht von "herrenlosem Kulturgut", das nicht so einfach in den Bestand übernommen werden kann. "Wir können nicht einfach etwas sammeln, nur weil es alt ist." Die Stücke müssen immer etwas mit der Stadt Bamberg zu tun haben: sei es, dass sie hier entstanden ist, dass die jeweilige Darstellung etwas mit Bamberg zu tun hat oder dass sich ein Stück seit langer Zeit in der Stadt befindet, auf besondere Weise mit ihr verbunden ist und dadurch besondere Bedeutung gewonnen hat.
Ruß gibt ein Beispiel: Bei dem Bronzerelief könnte es sein, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts ein Ämtergebäude in Bamberg geziert hat, oder aber in der Halle der Tabakfabrik Raulino in der Franz-Ludwig-Straße (heute C&A) ausgestellt war. In diesen Fällen hätte es ausreichend "Lokalkolorit" und damit einen Bezug zu Bamberg.
Das Konterfei des Prinzregenten für sich allein wäre, wenn es aus einer anderen Stadt käme, für die Sammlung des Historischen Vereins nicht geeignet. Dann würde "entsammelt" werden, das heißt, der Verein würde das Objekt anderen Museen oder Sammlungen anbieten. Außerdem sagt Ruß: "Wir können es nicht behalten, wenn wir nicht wissen, dass es eine astreine Herkunft hat."
Deshalb hier der "Fahndungsaufruf": Wer Hinweise zum früheren Aufenthalt des Prinzregentenreliefs geben kann, wende sich an den Historischen Verein zur Pflege der Geschichte des ehem. Fürstbistums Bamberg e.V., Untere Sandstraße 30 a, 96049 Bamberg, Telefon 0951/23248 (Norbert Ruß) oder 0951/871371 (Horst Gehringer), E-Mail: info@hv-bamberg.de.
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