Weisendorf

Der rabenschwarze Familienwahnsinn

von unserem Mitarbeiter Richard Sänger Weisendorf — Mit dem Lustspiel "Für die Familie kann man nichts" hat die Theatergruppe Weisendorf in der ausverkauften Mehrzweckhalle die Zus...
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Hermines Freundin Gundula (Karin Süß), Friedhelms Schwester Gertrud (Christa Schacher), Putzfrau Frieda (Elisabeth Ort) und Hermine
Hermines Freundin Gundula (Karin Süß), Friedhelms Schwester Gertrud (Christa Schacher), Putzfrau Frieda (Elisabeth Ort) und Hermine
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von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Weisendorf — Mit dem Lustspiel "Für die Familie kann man nichts" hat die Theatergruppe Weisendorf in der ausverkauften Mehrzweckhalle die Zuschauer begeistert. Die rabenschwarze Komödie von Hans Schimmel war ganz nach dem Geschmack des Publikums.
Die Theatergruppe widmet sich in ihrem Stück dem Familienwahnsinn. Denn Protagonist Friedhelm Beierle (Hans Kreiner) hat endlich seine Traumfrau Doris (Karin Zenger) gefunden und will mit ihr glücklich werden. Nun soll die Angebetete seine Familie kennenlernen - kein einfaches Unterfangen. Aber für Friedhelm Beierle stellen seine eigenartigen Geschwister eine ganz besonders heftige Prüfung dar. Wie soll man eine solch bekloppte Familie der Traumfrau vorstellen?
Denn Friedhelms Brüder Willi (Jan Maxeimer) und Hubbi (Rainer Citrtrich) sorgen stets für Wirbel: Willi ist ein begnadeter Computerhacker, der zwischendurch für Aufregung sorgt, weil er vom Computer der Bundesregierung aus Rücktrittserklärungen verschickt oder die ganze griechische Flotte auslaufen lässt.
Bruder Hubbi mit seinem Sprachfehler dagegen ist ein nicht sehr begnadeter aber alltagsfindiger Erfinder, der nebenbei das Null-Liter-Auto und einen Rasierer für Achselhaare entwickelt oder eine Schöpfkelle mit einem Kochlöffel und einem Teelöffel zum überaus nützlichen "Schökote" verbindet. Hubbis heftiges Stottern wirkt sich oftmals fatal aus.
Friedhelms Schwester Hermine (Marion Cornway) hat sich zudem seit ihrem Indienurlaub nicht mehr gewaschen, um eine besondere Aura aufzubauen und schwebt in übersinnlichen Sphären. Sie legt lieber Karten, meditiert und liest Kaffeesätze. Sie sucht ihre innere Mitte und ruft die Geister der Verstorbenen an.
Mit ihrem sehr intensiven Körpergeruch stinkt sie nicht nur den Brüdern ganz gewaltig, auch die Hausbesitzerin und die Steuerberaterin sind über den im Haus herrschenden Gestank ganz entsetzt, aber Hermine setzt sich mit Überzeugung über alle Kritik hinweg und erklärt ihren Duft zu Pheromonen.
Das ganze eskaliert, als Willi einen Job als Leichenwagenfahrer annimmt und sein Fahrzeug durch eine Panne lahmgelegt wird: Da sich die Werkstatt weigert, das Fahrzeug mit "Inhalt" zu reparieren, wird die Leiche Albert (Andreas Haagen) kurzentschlossen in der gemeinsamen Wohnung zwischengelagert. Da dies Friedhelm auf keinen Fall erfahren darf, wird die Leiche einfach "zum Leben" erweckt.
Friedhelms Schwester Gertrud (Christa Schacher) plündert ständig den Kühlschrank. Eine Macke haben auch (fast) alle anderen Akteure: So Hermines Freundin Gundula (Karin Süß), die einen Mann sucht, auf Grund ihrer nervenden Fistelstimme aber jeden abschreckt. Oder Standesbeamtin Traudel (Manuela Butzbacher), die keinen Alkohol verträgt, sowie die Nachhilfeschülerin Anna (Mona Schlegel), die auch nicht die Allerhellste ist. Einigermaßen "normal" erscheinen nur der Verfassungsschützer Gerd (Paul Fahrian), Friedhelms Freundin Doris und Putzfrau Frieda (Elisabeth Ort).
Zum Wegschreien waren vor allem die Szenen, als Traudel unbeabsichtigt zum Alkohol greift. Großartig, wie Manuela Butzbacher in einer Sekunde zur anderen von der biederen Beamtin in einen lüsternen, männervernaschenden Vamp mutierte. Großartig auch Rainer Cittrich, der sogar beim Lachen stotterte. Oder Andreas Haagen als "Leiche", die einfach nicht tot sein will. Überaus gelungen der Auftritt von Elisabeth Ort, so wie man sie eben kennt, redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist, die Rolle als resolute Putzfrau ist wie für sie geschrieben.
Das Lustspiel ist zum Totlachen, es lebt von Wortwitz, Situationskomik und bitterbösen Sprüchen und erfordert von den Akteuren präzise Einsätze und Wandlungsfähigkeit. Da erweist es sich als besonders gut, dass die Weisendorfer Theatergruppe so viel Routine und Spielfreude besitzt.
Die Besucher erfüllen mit ihrem Eintritt und ihrer Begeisterung auch einen guten Zweck, die Theatergruppe spendet alljährlich den Erlös an caritative und kulturelle Organisationen.

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