Haßfurt
Geburtshilfe 

Der lange Abschied der Hebammen

Das Aus für die Geburtshilfe in Haßfurt steht fest: Trotz des Kampfes um den Erhalt ist das ein Schock für die angestellten Hebammen. Die Stimmung unter den Frauen schwankt zwischen Wut und Resignation.
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Sie lächeln tapfer: die Haßfurter Hebammen Katrin Wolfschmidt (links) und Annette Storkan.  Foto: Katja Müller
Sie lächeln tapfer: die Haßfurter Hebammen Katrin Wolfschmidt (links) und Annette Storkan. Foto: Katja Müller
Für Smalltalk hat Annette Storkan keinen Nerv mehr. Auf die Frage "Wie geht es Ihnen mit der Situation?", folgt ein promptes: "Ich bin sehr wütend." Verständlich.
Vor fast genau einem Jahr haben die zehn Haßfurter Hebammen erfahren, dass die Geburtsstation im Klinikum geschlossen werden soll - aus der Presse. Dagegen haben sie seitdem gekämpft: mit einer Unterschriftenliste, Appellen an Politiker, Kundgebungen, unzähligen Gesprächen und vor allem mit einer großen Unterstützung der Bevölkerung. Es hat nichts genützt. Am 15. Mai beschloss der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken das Aus zum 31. Dezember 2018.


Alternative zu Großklinik

Wie jetzt weitermachen, wenn das Ende doch beschlossene Sache ist? "Für die Frauen, die hierher kommen, um zu entbinden, wird sich nichts ändern", versichert Katrin Wolfschmidt.
Die Hebamme arbeitet seit eineinhalb Jahren in Haßfurt. Sie hat sich nach zwölf Jahren Tätigkeit am Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt dafür entschieden, abseits der Routine und dem Zeitdruck eines Großkrankenhauses zu arbeiten. "Es ist eine Philosophie, hier zu sein", bestätigt Annette Storkan. Sie gehört seit zwölf Jahren zur Belegschaft.
Die Hebammen, die hier angestellt sind, wollen Frauen eine Alternative zum unpersönlichen Großklinikum geben. "Es geht nicht darum, das eine gut und das andere schlecht zu finden. Es geht einfach um die Möglichkeit zu wählen", bekräftigt Annette Storkan.


Resignation und Wut

Während manche Frauen sich nur mit einer Kinderintensivstation im Haus sicher fühlten, bevorzugten andere die familiäre Atmosphäre in Haßfurt. "Und diese Frauen haben bald keine Wahl mehr", schließt Katrin Wolfschmidt.
Die Stimmung unter den Hebammen selbst beschreiben die beiden Frauen als "gespalten". Die einen seien resigniert, die anderen wollten das Ende noch nicht wahrhaben. Dazwischen staue sich die Wut. Zwei der zehn Hebammen (es gibt sechs Planstellen, aufgeteilt auf mehrere Teilzeitstellen) hätten bereits gekündigt.
Das erschwert die Lage der Verbleibenden. "Wir haben alle Teilzeitstellen und müssen nun Überstunden machen. Manche lassen die sich ausbezahlen, ich möchte einen Freizeitausgleich", erklärt Katrin Wolfschmidt. Auch hier bleibt offen, wie sich diese Krux lösen lässt.
Annette Storkan ist zwar vom Ende selbst nicht schockiert ("Damit musste man rechnen"), wohl aber von dem baldigen. "Ich hatte mit Ende 2019 gerechnet. Bis dahin hätte man vielleicht noch etwas bewegen können", meint die 45-Jährige. Denn auch wenn Bayerns Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) sich nun für sie einsetzen will und das Linken-Bündnis Haßberge in einer Pressemitteilung die Unterstützung der Hebammen fordert - für Annette Storkan kommen diese Angebote zu spät. "Wir haben vor einem Jahr jeden angesprochen, und jetzt wollen sie Gespräche führen? Das klappt doch nie bis Ende 2018", empört sie sich.


Pflegeberuf keine Alternative

Das Angebot des Vorstandsvorsitzenden der Haßberge-Kliniken, Stephan Kolck, nach der Schließung der Geburtsstation in die stationäre Pflege zu wechseln, lehnt sie rundherum ab. "Außerdem können wir rein rechtlich nur als Pflegehilfskräfte arbeiten, nicht als Pflegerinnen, und es müsste immer eine examinierte Pflegekraft dabei sein", ergänzt Katrin Wolfschmidt. Auch für die 46-Jährige kommt das nicht in Frage. "Es gibt aber bestimmt Kolleginnen, die das Angebot annehmen", räumt sie ein.
Wenn das Ende kommt, dann wollen Annette Storkan und Katrin Wolfschmidt anderswo als Hebammen weiterarbeiten. Außerdem betreiben beide jeweils eine eigene Praxis. Storkan hat die Hebammenwerkstatt in Haßfurt und Wolfschmidt eine Praxis in Schweinfurt.
Und was wird 2019 aus den Räumlichkeiten der Geburtsstation in Haßfurt?
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dort eine geriatrische Abteilung entstehen: alt statt jung ...


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